An manchen Wochenenden muss man angestrengt überlegen, was denn nun das Ereignis der Woche gewesen ist, auf das man näher eingehen könnte. In diesen Tagen weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Es sind historische Dimensionen, die sich da auftun. Und dann überweist die Kreditanstalt für Wiederaufbau der bankrotten Lehman Brothers „aus Versehen“ auch noch 300 Millionen Euro aus dem Steuersäckel....
    Nach diversen Bankenpleiten und staatlichen Feuerlösch-Einsätzen für taumelnde Finanzgiganten wurden ungedeckte Leerverkäufe, angeblich ein Grundübel der gegenwärtigen Misere, in den USA in dieser Woche kurzerhand verboten. Solche Schritte sind neu im Land des Kapitalismus, aber anders geht es anscheinend nicht mehr.

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    Nachdem das weltweite Finanzsystem für jeden erkennbar auseinander zu fliegen drohte, brachte das heute-journal des ZDF in dieser Woche täglich abendfüllende Beiträge in Sachen Finanzkrise. Das allein war schon ein untrüglicher Hinweis auf eine bevorstehende Kursrallye an den Börsen. Bei den Rohstoffen war das übrigens kürzlich genauso: Als das ZDF in seiner beliebten Nachrichtensendung vor einigen Wochen über die unaufhaltsam steigenden Getreidepreise lamentierte, da begann der steile Absturz bei Weizen, Öl und Silber. Auch diesmal scheinen die Kollegen den vorläufigen Wendepunkt mit traumwandlerischer Sicherheit getroffen zu haben:

    Am Donnerstagabend drang aus Washington die Nachricht von einem Rettungspaket, das jetzt die Sache richten soll: Die US-Regierung plant eine umfassende Auffanglösung, bei der die angeschlagenen US-Banken ihre Problemkredite loswerden können, eine Art Müllhalde also. Dass es dabei um die stattliche Summe von etwas mehr als 500 Milliarden geht, die nun ebenfalls beim Steuerzahler landen dürften, das scheint im Moment niemanden zu interessieren. Im Übrigen sind solche Rettungsversuche nicht neu: In den 1990er Jahren hatte man mit einer ähnlichen Konstruktion die Sparkassen-Krise in den USA wieder in den Griff bekommen.

    Im Vergleich zu damals gibt es heute allerdings einen wichtigen Unterschied: Nicht nur die Finanzkrise hat historische Dimensionen erreicht, auch die Verschuldung der Vereinigten Staaten ist in einem Ausmaß gestiegen, das keine geschichtlichen Vorbilder kennt. Wie so viele ungesunde Entwicklungen vor ihr, wird auch diese steile Kurve irgendwann nach unten abdrehen:

    Wenn nun die faulen Kredite auf Halde gelegt werden, dann dürfte dies weder dem US-Dollar noch der US-amerikanischen Konjunktur besonders gut tun, denn die Kredite sind deswegen ja nicht einfach weg, man sieht sie nur nicht mehr sofort.

    Mit den jüngsten Rettungsmaßnahmen wird auch allmählich deutlich, warum die professionellen Marktteilnehmer den jüngsten Dollar-Anstieg dazu genutzt haben, um ihre Short-Positionen dramatisch auszuweiten: Hier schnell ein paar Milliarden, dort gleich deren hundert – spielt alles keine Rolle. Die Profis rechnen nun also damit, dass der WIRKLICHE Absturz beim Dollar erst noch bevorsteht. Dass dann die Aktienkurse stark ansteigen werden, darf man getrost bezweifeln.

    Doch die Anleger begrüßten die frohe Botschaft zum Wochenausklang erst einmal mit einem Feuerwerk. Alles wird gut: Die hurtige Talfahrt des Goldpreises am Freitagmorgen und der starke Anstieg von DAX und Konsorten, sind ein untrügliches Indiz dafür, dass die Panik schwindet. Dabei war der Goldpreis am Ende sogar noch erstaunlich stark aus dem Handel gegangen, TROTZ stark steigender Aktienkurse. Ob da einige womöglich glauben, dass die Krise jetzt erst so richtig anfängt?

    Es ist schon auffallend, dass die Rettungsaktion der US-Regierung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt kam, da an den Märkten die Lichter auszugehen drohten. Das war in den vergangenen Monaten immer wieder so: In allerletzter Sekunde reißen die Verantwortlichen das Steuer herum und verschaffen den Märkten eine Verschnaufpause.

    Am Kursverlauf des Dow Jones sieht man das ganz gut: Vor der Rettungsaktion vom Donnerstagabend war der Dow fast auf den Punkt genau an den bestehenden Abwärtstrend bei 10.500 Punkten herangelaufen (blaue Markierung). Dass jetzt eine rasante Erholung einsetzen dürfte, das sieht auch ein Blinder:

    In der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die am Mittoch erschienen ist, hatten wir unseren Lesern übrigens mitten in der „schönsten Panik“ geraten, bei 10.500 Punkten im Dow Jones die Hände aufzuhalten. Wer unserer Empfehlung gefolgt ist, der sitzt bereits auf satten Gewinnen, während ein Großteil der Anleger dem rasanten Feuerwerk jetzt fassungslos hinterher blicken dürfte.

    Und es ist auch nicht das erste Mal, dass wir mit unserer antizyklischen Vorgehensweise ziemlich punktgenau den unteren Wendepunkt erwischt haben. Dabei ist unsere Methode ganz einfach: Wir sehen uns nur jeden Abend das heute-journal an...

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    Der Kursverlauf des Dow Jones zeigt nun eines sehr deutlich: Was wir gerade sehen, das ist der Start einer Bärenmarkt-Rallye, nicht mehr und nicht weniger. Spätestens im Bereich von 12.200 Punkten ist mit heftiger Gegenwehr zu rechnen. Dort verläuft die obere Begrenzungslinie des im Sommer vergangenen Jahres gestarteten Abwärtstrends.

    In Washington wird man jetzt erst einmal aufatmen. Auch das Verhalten des Goldpreises dürfte der US-Regierung gefallen: Man hat die Sache wieder unter Kontrolle. Zunächst einmal. Steigt der Goldpreis nämlich stark an, so wie am Mittwoch, als die größte Kursexplosion aller Zeiten für Aufsehen sorgte, dann wird dies in der Finanzgemeinde, und nicht nur dort, als Signal interpretiert, dass etwas faul ist.

    Und so etwas kann man ausgerechnet jetzt natürlich überhaupt nicht gebrauchen. So, wie sich die Lage präsentiert, werden die Goldbullen sich wohl noch ein wenig gedulden müssen. Doch ihre Zeit wird kommen, und was passiert, wenn Gold seine Fesseln abschüttelt, von Silber gar nicht zu reden, das sehen Sie nachfolgend – und das ist erst der Vorgeschmack auf das, was da noch kommen wird:

    Wenige Wochen vor den Wahlen ist es der US-Regierung also gelungen, wieder so etwas wie Hoffnung zu erzeugen. Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können. Die Chancen des republikanischen Kandidaten John McCain, im Herbst ins Weiße Haus einzuziehen, dürften jetzt wieder deutlich steigen: Klettern die Aktienkurs kurz vor den US-Wahlen, dann neigen die Menschen dazu, der regierenden Partei ihre Stimme zu geben.

    Doch erinnern wir uns: Auch bei früheren Rettungsaktionen der Verantwortlichen ist dabei nicht mehr heraus gekommen, als ein Strohfeuer. Der Kursverlauf des Dow Jones ist der sichtbare Beweis dafür.

    Doch da mit dem Dezember und dem Januar die traditionell stärksten Börsenmonate des gesamten Jahres bereits in Sichtweite sind, hinzu kommt hier zu Lande die Abgeltungssteuer, könnte die Reise diesmal noch etwas weiter gehen. Zu Euphorie besteht jedoch überhaupt kein Anlass. Die folgende Grafik zeigt, dass wir gerade so etwas wie einen Gezeitenwechsel erleben.

    Die Abbildung zeigt den prozentualen Abstand des S&P 500 von seinem gleitenden Zehn-Monatsdurchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Der Abstand des S&P 500 zu diesem sehr langfristigen Kursverlauf gibt Hinweise auf den „Gesundheitszustand“ der Börse. Fällt der Durchschnitt in die Nähe der Null-Linie, dann ist etwas faul.

    Die Beobachtungen, die sich daraus nun ableiten lassen, sind nicht besonders erfreulich: Seit 1910 gab es nur vier Perioden, da sich der S&P 500 in der Nähe dieses sehr langfristigen gleitenden Durchschnitts aufgehalten hat. Alle bisherigen „Ausflüge“ waren gekennzeichnet von weltweiten Verwerfungen und schwersten Turbulenzen an den Kapitalmärkten.

    Die erste Phase (Rechteck unten links) von 1913 bis 1924 war geprägt vom Ersten Weltkrieg. Der Weltwirtschaft bescherte diese Zeit vier schwere Rezessionen unmittelbar hintereinander. Zwei davon (1913-1914 und 1920-1921) dauerten jeweils mehr als zwei Jahre.

    In die zweite Phase fielen die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg.

    Anschließend dauerte es eine ganze Generation, bis der Indikator in der Phase der galoppierenden Inflation während der 1970er Jahre erneut die Null-Linie erreichte. Was harmlos klingt, das war aus Anlegersicht die schlimmste aller Welten: Stagflation, steigende Preise bei stagnierendem Wirtschaftswachstum also, hatten dazu geführt, dass gegen Ende der Periode in den Massenmedien der „Tod der Aktienanlage“ ausgerufen wurde.

    Nun, leider muss man es so sagen:

    Aktuell hat der gleitende Monatsdurchschnitt nur noch einen Abstand zur Null-Linie von etwa zehn Prozent (Rechteck unten rechts). Das heißt, der S&P 500 ist nur noch einen Wimpernschlag davon entfernt, in jenes Krisenterrain abzudriften, das während der vergangenen 100 Jahre stets von schwersten Turbulenzen gekennzeichnet war. Von einer Trendumkehr, sozusagen in letzter Sekunde, ist auf dem Chart leider nichts zu erkennen. Und so wie die Dinge liegen, wird es dazu auch nicht kommen.

    Sieht man sich die Grafik genauer an, dann fällt auf, dass der Durchschnittskurs des S&P 500 die Null-Linie im Regelfall recht deutlich nach unten durchbricht, wenn er diese Zone erst einmal erreicht hat. Es ist bemerkenswert, dass der Indikator während der schweren Baisse von 2000 bis 2003 weit davon entfernt war, die Null-Linie zu berühren (schwarze Markierung).

    Jetzt also wieder Partystimmung an den Börsen? Durchaus. Aber man sollte sich lieber nicht zu früh freuen...

    Wie wir diese Beobachtung interpretieren und was wir unseren Lesern jetzt raten, das haben wir in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs ausführlich erläutert. Zur Anmeldung klicken Sie bitte hier:

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    Zum Autor:
    Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter [Link "www.antizyklischer-börsenbrief.de" auf www.antizyklischer-b%C3%B6rsenbrief.de/... nicht mehr verfügbar] und www.antizyklischer-aktienclub.de