1. Die am Mittwoch veröffentlichten Öllagerbestände in den USA sorgten kaum für große Überraschungen. Zwar stiegen die Rohöllagerbestände um 900.000 Barrels, obwohl ein Rückgang um 1,5 Mio. Barrels erwartet wurde. Ausschlaggebend für den Anstieg dürften einerseits die immer noch vergleichsweise hohen Rohölimporte sein und andererseits der Rückgang der Kapazitätsauslastung bei den Raffinerien um 1,00 Prozentpunkte, wodurch die Rohölnachfrage etwas schwächer ausfiel.

Auf der Produktseite gab es hingegen ein gemischtes Bild. Bei den Benzinlagerbeständen war erneut ein Anstieg um 1,8 Mio. Barrels zu verzeichnen (Bloomberg-Median: 1,0 Mio. Barrels). Die Entwicklung der Diesel- und Heizöllagerbestände war hingegen durch den Kälteeinbruch in weiten Teilen der USA gekennzeichnet. Während ein Plus von 600.000 Barrels erwartet wurde, wurde tatsächlich ein Minus von 100.000 Barrels realisiert. Angesichts der weiterhin eisigen Temperaturen ist auch in der nächsten Woche mit einem Rückgang der Heizöllagerbestände zu rechnen. Interessant ist vor allem auch der Blick auf die Produktimporte, welche im Vergleich zur Vorwoche wieder deutlich zulegten und im Durchschnitt auf einem Niveau von täglich 4,2 Mio. Barrels notierten (+900.000 Barrels pro Tag im Vergleich zur Vorwoche).

2. Es lohnt sich in dieser Woche einen gesonderten Blick auf die impliziten Nachfragedaten zu werfen. Bereits gestern sah sich die Internationale Energieagentur in ihrem Monatsbericht gezwungen, ihre Nachfrageprognose, insbesondere für die USA, erstmals seit Monaten nach oben zu revidieren, weil der oftmals heraufbeschworene preisinduzierte Nachfragerückgang einfach nicht kommen will. Die heute veröffentlichten Daten lassen diesen Schritt mehr als gerechtfertigt erscheinen. Im Vergleich zur Vorwoche stieg die Nachfrage nach Ölprodukten um 1,1 Mio. Barrels pro Tag. Der Zuwachs ist aber nicht nur auf eine höhere Heizölnachfrage aufgrund des Kälteeinbruchs zurückzuführen, sondern er verteilt sich gleichermaßen auf alle Produktgruppen.

Während der überdurchschnittlich warme November den Nachfragepessimisten zumindest noch etwas zu Hilfe kam, lassen sich nun selbst bei intensivster Suche kaum noch Argumente für eine Nachfrageschwäche finden. Dass die Stimmung tatsächlich langsam aber sicher dreht, zeigte sich spätestens nach dem OPEC-Treffen am Montag, als die Ankündigung der OPEC, dass man bereits auf dem nächsten Treffen am 31. Januar eine Produktionskürzung in Erwägung ziehe, um ein Überangebot im nachfrageschwachen zweiten Quartal zu verhindern, für deutliche Preisanstiege sorgte. Nachdem die vergangenen Monate von einer vollkommen überzogenen Diskussion über eine vermeintliche Nachfrageschwäche dominiert wurden, scheint nun wieder die Angebotsseite in den Vordergrund zu treten, und diese wirft unserer Meinung nach deutlich mehr Fragen auf als die Nachfrageseite.

3. Die Netto-Short Positionen der Spekulanten an der New York Mercantile Exchange verringerten sich in der Vorwoche deutlich, was im Einklang mit dem Preisanstieg stand. Dennoch besteht von dieser Seite immer noch erhebliches Potenzial für Preisdruck, insbesondere wenn die derzeit vorherrschenden überdurchschnittlich kalten Temperaturen in den USA noch eine Weile andauern.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.