1. Die heute veröffentlichten Lagerbestandsdaten in den USA dürften kaum zu einer Beruhigung der Lage am Ölmarkt beitragen. Während die Rohöllagerbestände mit einem leichten Plus von 200.000 Barrels noch etwas besser ausfielen als erwartet (Bloomberg-Median: -1,3 Millionen Barrels), stellte sich die Entwicklung bei den Produkten nicht ganz so rosig dar. Mit einem Rückgang um satte 4,0 Millionen Barrels bei einem erwarteten Minus von -800.000 Barrels enttäuschten die Benzinlagerbestände am deutlichsten. Geringer als erwartet fiel zudem der Anstieg der Diesel- und Heizöllagerbestände aus (+1,5 Millionen Barrels; Bloomberg-Median: 2,0 Millionen Barrels).

Der leichte Anstieg der Rohöllagerbestände dürfte sich größtenteils durch das kräftige Plus bei den Rohölimporten erklären lassen. Diese notierten in der Vorwoche mit 11 Millionen Barrels pro Tag rund 1 Million höher als in der Vorwoche. Auch die Kapazitätsauslastung stieg im Vergleich zur Vorwoche noch einmal deutlich an (+2,25 Prozentpunkte). Diese dürfte aber angesichts der jüngsten Ausfälle einer Raffinerie von BP in der nächsten Woche wieder deutlich fallen. Alles in allem sprechen die heute veröffentlichten Daten für eine anhaltend kräftige Ölnachfrage.

2. In den vergangenen Tagen hat vor allem der Tod von König Fahd für Unsicherheit am Ölmarkt gesorgt. Obwohl die Regierungsgeschäfte bereits seit zehn Jahren von seinem Halbbruder Kronprinz Abdullah geführt wurden und es daher auch immer klar war, dass dieser sein Nachfolger werden würde, sorgte Fahds Tod verständlicherweise im ersten Moment für Verunsicherung bei den Ölmarktteilnehmern. Zwar dürfte sich an der Ölpolitik Saudi-Arabiens auch unter Abdullah wenig ändern. Man wird sich auch in Zukunft bemühen, durch mäßigende Rhetorik und das Versprechen, alles zu tun um einen noch stärkeren Ölpreisanstieg zu verhindern, den Markt nicht zusätzlich zu verunsichern. Da Saudi-Arabien aber ohnehin kaum noch in der Lage ist, die Produktion merklich auszuweiten, dürften diese Beschwichtigungen aber auch in Zukunft kaum ausreichen, um die Ölpreisentwicklung in Zaum zu halten.

Auch wenn sich durch die Machtübergabe allein vorerst keine großen Änderungen in Saudi-Arabien und damit auch für den Ölmarkt an sich ergeben dürften, so haben sich die politischen Risiken mittelfristig dennoch erhöht. Denn mit 80 Jahren und angeschlagener Gesundheit dürfte Abdullahs Amtszeit zeitlich doch recht begrenzt sein. Insofern ist nicht auszuschließen, dass in den nächsten Monaten und Jahren ein Machkampf unter den potenziellen Nachfolgern, wovon es unter den 10.000 Prinzen durchaus einige geben dürfte, entbrennen wird. Sorgen über mögliche politische Turbulenzen im strategisch eindeutig wichtigsten Ölförderland sind in der momentanen Situation natürlich nicht unbedingt das, was den Markt beruhigt. Denn neben den Ereignissen in Saudi-Arabien sorgt auch die angespannte fundamentale Lage für Unsicherheit bzw. steigende Preise. Neben Raffineriebränden bzw. -ausfällen zeigt sich vor allem das Wachstum der Ölnachfrage ausgesprochen dynamisch, insbesondere in den USA, worauf der Markt nun mal am stärksten fokussiert. Zudem zeigen auch die jüngsten Konjunkturindikatoren dort keine Zeichen von Schwäche. Insofern dürfte auch die von vielen herbeigeredete Abschwächung der Ölnachfrage weiter auf sich warten lassen. Auf Sicht der nächsten Wochen rechnen wir folglich nicht mit nachhaltigen Preisrückgängen. Vielmehr bestehen beträchtliche Risiken für weitere Preisspitzen. Denn der Mix aus politischen Risiken, starker Nachfrage, knappen Kapazitäten und möglichen Produktionsausfällen, beispielsweise aufgrund von Hurrikans, wird sich wohl nicht so schnell in Wohlgefallen auflösen.

3. Die Netto-Long-Positionen der Spekulanten an der New York Mercantile Exchange befinden sich weiterhin auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. Sie dürften allerdings in den vergangenen Tagen wieder etwas gestiegen sein.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.