1. Die OPEC hat auf ihrem gestrigen Treffen in Kuwait beschlossen, die Förderquoten unverändert auf einem Niveau von 28 Millionen Barrels am Tag zu belassen. Das Angebot, die noch vorhandenen freien Kapazitäten dem Markt bei Bedarf zur Verfügung zu stellen, läuft zum Ende des Jahres aus und wird nicht verlängert. Nach den Hurrikans Katrina und Rita hatte die OPEC angeboten, ihre Kapazitäten bis zum Ende des Jahres bei Bedarf voll auszuschöpfen, falls dies die Nachfrage erfordere. Laut Angaben der OPEC bestand jedoch kaum zusätzliche Nachfrage. Man werde die Produktion allerdings vorerst nahe dem derzeitigen Niveau halten, da Preise von rund 60 US-Dollar pro Barrel immer noch sehr hoch sind, und die Nachfrage in den nächsten Wochen deutlich steigen dürfte. Dennoch soll am 31. Januar bereits das nächste Treffen stattfinden, auf dem gegebenenfalls eine Senkung der Förderquoten beschlossen wird. Schließlich will man nicht riskieren im nachfrageschwachen zweiten Quartal einen Angebotsüberhang zu schaffen. Ein Vorgehen, das unter normalen Umständen durchaus legitim ist. Am Ölmarkt sorgte diese Ankündigung allerdings dennoch für etwas Unbehagen. Fraglich ist vor allem inwieweit das Angebot der Nicht-OPEC Länder die Erwartungen erfüllen kann. Sollte es hier zu weiteren Enttäuschungen kommen, könnte eine Produktionskürzung der OPEC sehr schnell für zusätzlichen Preisdruck sorgen.

2. Wieder einmal versuchte die OPEC mit ihren Versprechungen zur Ausweitung der Förderkapazitäten die Märkte zu beruhigen. Reine Rhetorik dürfte jedoch kaum ausreichen, um einen nachhaltigen Preisrückgang auszulösen. Auch die Versprechungen, bis Ende nächsten Jahres über ein ausreichendes Sicherheitskissen an freien Kapazitäten verfügen zu wollen, sind mit großer Vorsicht zu genießen. Einerseits ist davon auszugehen, dass die OPEC den so genannten OPEC-Call in 2006, d.h. die erwartete Nachfrage nach OPEC-Öl, deutlich unterschätzt. Andererseits bestehen beachtliche Risiken, dass das Angebot der Nicht-OPEC auch im nächsten Jahr enttäuschen könnte.

3. Der heute veröffentlichte Monatsbericht der Internationalen Energieagentur lieferte indessen gemischte Signale. Zwar hat die IEA die Prognose für die chinesische Ölnachfrage in 2006 etwas nach unten genommen, gleichzeitig hat sie aber die Prognose für die weltweite Ölnachfrage in 2006 erstmals seit Juni nach oben revidiert. Interessant war vor allem, dass die Agentur darauf hinwies, dass das globale Wachstum trotz der hohen Energiepreise kaum Anzeichen von Schwäche zeigt. In den Vormonaten wurden die Abwärtsrevisionen stets mit dem zu erwartenden Nachfragerückgang aufgrund der hohen Preise begründet. Diese Erwartungen sind bisher aber ganz offensichtlich nicht eingetreten, folglich sieht sich die IEA ähnlich wie bereits im vergangenen Jahr wieder einmal gezwungen die Prognose nach oben zu revidieren.

4. An unserem Preisausblick hat sich trotz der Preisrückgänge der vergangenen Woche nichts geändert. Wir erwarten auch für die nächsten beiden Jahre keine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt. Für 2006 prognostizieren wir einen jahresdurchschnittlichen Preis von 65 US-Dollar pro Barrel für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (Brent: 64 USD/bbl). In 2007 rechnen wir mit einem weiteren leichten Anstieg auf 68 USD/bbl für WTI (Brent: 67 USD/bbl). Trotz der jüngsten Preisrückgänge hat sich an der fundamentalen Lage am Ölmarkt wenig geändert. Die treibende Kraft ist weiterhin der weltweite Mangel an freien Kapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dieses strukturelle Problem lässt sich sowohl kurz- als auch mittelfristig kaum lösen. Um eine Entspannung herbeizuführen, sind umfangreiche Investitionen insbesondere im Bereich der Förderung, aber vor allem auch im Bereich der Raffinerien notwendig. Diese werden trotz der hohen Preise derzeit aber nur in unzureichendem Ausmaß getätigt. Der Ölmarkt wird von der Angebotsseite dominiert, die tendenziell weiter enttäuschen dürfte. Vorübergehender Nachfragepessimismus aufgrund der hohen Preise dürfte ähnlich wie in 2005 nur jeweils für eine vorübergehende Entspannung an der Preisfront sorgen.

5. Aufwärtsrisiken könnten sich einerseits durch einen überdurchschnittlich kalten Winter ergeben. Andererseits könnte eine ähnlich aktive Hurrikan-Saison wie in 2005 in den Sommermonaten starke Preisanstiege auslösen. Mögliche Produktionsausfälle aufgrund von politischen Unruhen, Streiks oder Anschlägen stellen ein zusätzliches Risiko dar. Verzögerungen bei geplanten Angebotsausweitungen könnten sich aufgrund von Personal- und Materialengpässen ergeben. Für Abwärtsrisiken würde ein deutlicher Nachfragerückgang sorgen, ausgelöst durch eine globale Rezession. Eine lediglich leichte Abschwächung der Wachstumsdynamik dürfte jedoch kaum ausreichen, um für eine deutliche Entspannung bei der Ölpreisentwicklung zu sorgen.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.