1. Es gab viel Bewegung bei den US-Lagerbeständen in der vergangenen Woche. Nach heute veröffentlichten Zahlen stiegen die Rohölvorräte kräftig um 5,0 Mio. Barrels an. Erwartet wurde ein viel schwächerer Lageraufbau (Bloomberg-Median: 1,5 Mio. Barrels). Eine negative Überraschung kam bei den Benzinlagern, die US-Vorräte für Benzin sanken um 5,2 Mio. Barrels (Bloomberg-Median: -0,2 Mio. Barrels). Der starke Rückgang bei der Kapazitätsauslastung der US-Raffinerien um 2,9 Prozentpunkte auf nur noch 86,3 Prozent dürfte hierbei eine Rolle gespielt haben. Die niedrigen Preise haben manche Amerikaner offensichtlich dazu bewegt, ihre Heizöltanks zu füllen, denn die Vorräte für Heizöl und Diesel sind in der vergangenen Woche deutlich um 4,5 Mio. Barrels abgebaut worden (Bloomberg-Median: -0,8 Mio. Barrels). Damit geht die Zeit der historischen Rekordniveaus der Heizöllager bereits zu Ende.

Eine weitere Erklärung für die stark gesunkenen Benzinlager liefern die Daten zur Benzinnachfrage in den USA. In der 41. Kalenderwoche, in der der Montag ein US-Feiertag (Columbus Day) war, ist die US-Benzinnachfrage erneut auf Höchststände geklettert. Die Kombination von niedrigen Benzinpreisen und dem Feiertag dürfte den Konsum angekurbelt haben. Bei der Gelegenheit lohnt sich auch ein Blick auf Rohöl. Es fällt auf, dass die US-Ölnachfrage sich nicht von den im Vergleich zu den vergangenen Jahren hohen Rohölpreisen abschrecken lässt. Im Jahr 2006 liegt die US-Rohölnachfrage fast durchweg über den höchsten Werten der vergangenen 15 Jahre. Nachfrageseitig ist demzufolge weiterhin mit keiner Entspannung zu rechnen.

2. Die bedeutendsten Nachrichten der vergangenen Woche, in der der Ölpreis für WTI zumeist unter 60 USDollar notierte, kamen erneut von der OPEC. Das geplante Sondertreffen kommt jetzt nun doch zustande. Die elf ölproduzierenden Länder treffen sich am morgigen Donnerstag in Quatar zu einer Sondersitzung, in der die Drosselung der OPEC-Ölfördermengen um durchschnittlich 1 Mio. Barrels pro Tag offiziell beschlossen werden soll. Die neuen Fördermengen dürften nach inoffiziellen Angaben für die kommenden zwölf Monate gelten. Da diese Förderkürzung bereits seit einiger Zeit diskutiert wird, gehen wir nicht davon aus, dass die unmittelbaren Marktreaktionen stark sein werden. Auf Sicht der kommenden Monate wird jedoch die gedrosselte Angebotsmenge ein Preistreiber für Rohöl sein, wenn die Ölnachfrage ab Jahresende durch die Beschleunigung der konjunkturellen Dynamik in den USA und China wieder anzieht.

3. Trotz sinkender Ölpreise haben sich die Spekulanten in der vergangenen Woche doch nicht dazu durchringen können, mehrheitlich auf fallende Notierungen zu wetten. Die nicht-kommerziellen Händler sind weiterhin unentschlossen, wohin der Ölpreis geht. Die Netto-Positionierung der Spekulanten an der New York Mercantile Exchange liegt nunmehr seit zwei Wochen so nahe an der Nulllinie, dass die Balken in unten stehender Abbildung gar nicht sichtbar sind. Möglicherweise wird das Ergebnis des morgigen OPEC-Treffens für die Spekulanten eine kurzfristige Entscheidungshilfe sein. Alles in allem ist der Einfluss von Spekulation auf den Ölpreis im Moment als sehr niedrig einzustufen.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.