Wien/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Der feste US-Dollar setzte die Ölpreise im späten Handel am Donnerstag unter Druck. Heute hält der Ausverkauf an. Brent notierte zuletzt ein Prozent tiefer bei knapp über 75 Dollar/Barrel. Zuvor war die Notierung auch schon unter diese Marke gefallen. US-Leichtöl der Sorte WTI sank auf 66,50 Dollar/Barrel. Im Vergleich zu Donnerstagmittag verloren die beiden Referenzsorten jeweils rund zwei Dollar an Wert. Ein höherer Dollarkurs macht Rohöl für Anleger in anderen Währungsräumen teurer. Die Ansage der Europäischen Zentralbank, die Zinsen bis zum Ende des Sommers 2019 nicht anzuheben, hatte den Euro belastet und den Dollar gestützt.

    Jüngste Äußerungen des saudischen Ölministers Khalid Al-Falih belasteten die Ölpreise zusätzlich. Al-Falih war sich in Pressekonferenz mit dem russischen Kollegen Alexander Nowak einig, die Produktion „graduell“ zu erhöhen. Er bezeichnete dies als „unvermeidlich“. Laut den Rohstoffexperten der Commerzbank bleibt aber weiterhin offen, was unter „graduell“ zu verstehen ist. Saudi-Arabien erwäge angeblich eine Erhöhung um 500.000 bis 1 Million Barrel pro Tag, Russland möchte die Produktion sogar um 1,5 Mio. Barrel pro Tag anheben. Erschwerend komme hinzu, dass mehrere OPEC-Länder, darunter der Iran und Venezuela, eine Produktionsanhebung ablehnten, die die erzwungenen Ausfälle in ihren Ländern ausgleichen solle, urteilten die Analysten.

    In der kommenden Woche wird auf dem OPEC-Treffen in Wien über die bestehende Förderbeschränkung gesprochen. Da das Ölkartell zerstritten ist, bleibt es zum jetzigen Zeitpunkt unklar, ob konkrete Entscheidungen getroffen werden. Freilich bleibt ein Alleingang, vor allem beim Nicht-OPEC-Mitglied Russland jederzeit möglich.

    Laut Commerzbank dürfte ein aktueller Lieferausfall in Libyen einem weiteren Rückgang der Ölpreise entgegenstehen. Gestern hatten offenbar bewaffnete Milizen zwei große Ölhäfen im Osten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Der Hafenbetrieb wurde daraufhin eingestellt. Die daraus resultierenden Lieferausfälle belaufen sich laut Commerzbank derzeit auf 240.000 Barrel pro Tag. Sollten die Unterbrechungen anhalten, könnte sich diese Zahl noch verdoppeln, hieß es.