London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Das Bündnis OPEC+ hatte am Wochenende eine sukzessive Ausweitung der Förderung von Rohöl von 1,2 Millionen Barrel pro Tag beschlossen. Nach Angaben von Analysten soll diese Menge graduell bis Jahresende erreicht werden. Die tatsächliche Förderhöhe wird demnach geringer ausfallen, unter dem Strich werden lediglich um die 600.000 Barrel mehr pro Tag gefördert werden. „Effektiv beträgt die Ausweitung somit durchschnittlich 585.000 Barrel pro Tag“, rechnete Jan Edelmann, Rohstoffexperte der HSH Nordbank, vor. Einige Länder wie Venezuela hätten jetzt schon große Probleme, die vorherige Quote zu erfüllen und könnten nicht mehr produzieren als bisher.

    Diese beschlossene Ausweitung ist im Vergleich zu drohenden Einbußen auf der Angebotsseite fast schon vernachlässigbar. Bereits aktuell ist der Ölmarkt sehr angespannt, mit einer Tendenz zu einem Angebotsüberhang. Nun forderten die USA laut Mitteilung von Dienstagabend andere Länder zur Beendigung ihrer Erdöleinfuhren aus dem Iran auf. Nach ihrem Austritt aus dem Atomabkommen mit dem Iran wollen die Vereinigten Staaten dem Land mit einem Total-Embargo von seiner wichtigsten Einnahmequelle abschneiden. Wie ein Regierungsvertreter ankündigte, plant die US-Regierung mit Hilfe eines strikten Sanktionsregimes, Ölimporte anderer Länder aus dem Iran auf Null zu reduzieren. Dies soll bis zum 4. November erfolgen. Entsprechende Wünsche seien an die Europäer vermittelt worden. Mit China, Indien und der Türkei seien noch keine Gespräche geführt worden.

    Das absehbar geringere Angebot an Rohöl aus dem Iran - die iranischen Ölexporte lagen in den letzten Monaten bei ca. 2,5 Mio. Barrel pro Tag - gesellt sich zu weiteren Risiken auf der Angebotsseite, etwa in dem von der schweren Wirtschaftskrise gezeichneten Venezuela oder dem im Chaos versinkenden Libyen. Analysten der Commerzbank zufolge gibt es dennoch gute Chancen, dass andere Länder in die Bresche springen, um die Lücke zu füllen. „Um diese Menge (Anm. Iran-Exporte) vollständig zu ersetzen, müssten die Länder mit ausreichend freien Förderkapazitäten ihre Ölproduktion entsprechend hochfahren“, schrieben die Experten in einem Kommentar.

    Dazu zählen sie insbesondere Saudi-Arabien, das eigenen Angaben zufolge über 2 Mio. Barrel pro Tag an freien Kapazitäten verfügt, und die mit ihm verbündeten arabischen Golfmonarchien. „Der Puffer im Falle weiterer unvorhergesehener Angebotsausfälle wäre dann weitgehend aufgebraucht“, schränkten die Frankfurter Fachleute ein. Die Auswirkungen auf die Ölpreise wären laut den Analysten dann dramatisch. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass sich alle Abnehmerländer dem Druck der USA beugen. Insbesondere China dürfte sich dem widersetzen.