Vor einem Jahr ging die erste Phase der Erholung an den Rohstoffmärkten zu Ende. Nach einem katastrophalen Selloff zu Jahresbeginn, der etwas von Weltuntergangsstimmung hatte, sprangen Rohstoffaktien innerhalb von drei Monaten um 50-150 % nach oben.

ANZEIGE

Ich hatte mich damals Anfang Februar in den Markt gewagt. Das war nicht jedem geheuer. Die Entscheidung wurde auf meinem Experten-Desktop vor allem als „mutig“ bezeichnet. Mutig ist dabei eher eine Umschreibung von „sind Sie wahnsinnig.“ Nun, der Wahnsinn hat sich ausgezahlt und nun kommt die nächste Gelegenheit.

Die Rohstoffrally ist schon vor einiger Zeit ins Stocken geraten. Seit einem halben Jahr schieben sich die Preise vieler Rohstoffe nur noch seitwärts. Öl ist das beste Beispiel. Entsprechend kommen auch die jeweiligen Aktien unter Druck. Ölaktien haben je nach Segment wieder 10-30 % abgegeben.

Interessanter als Öl sind möglicherweise die Industriemetalle. Diese sind besonders stark von der Entwicklung in China abhängig. Die Grafik zeigt dazu den Preisverlauf von Aluminium, Kupfer, Eisenerz und Zink. Sie alle laufen mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung parallel zum chinesischen Einkaufsmanagerindex.

China verbraucht je nach Rohstoff bis zu 50 % der weltweiten Förderung. China produziert selbst viele Rohstoffe, muss aber nach wie vor große Mengen importieren. Verbraucht werden die Rohstoffe für die Modernisierung der Infrastruktur und auf dem Immobilienmarkt. Die Infrastrukturinvestitionen sind vor allem vom Staat abhängig. Der Immobilienmarkt richtet sich nach der Geldpolitik.

Nach der etwas überraschenden Abkühlung der Wirtschaft 2014 und der plötzlichen Abwertung der Währung ein Jahr später, wurde die chinesische Führung Ende 2015 schwach und startete ein Konjunkturprogramm. Die Wirtschaftsstimmung hat sich schnell und substantiell aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex zeigt das eindrucksvoll.

Rohstoffpreise und Einkaufsmanagerindex verlaufen parallel, wobei der Einkaufsmanagerindex ein Vorlaufindikator ist. Er läuft den Rohstoffpreisen 2 bis 6 Monate voraus. Seit Anfang 2017 zeigt sich, dass sich die Stimmung in China wieder abkühlt. Das große Konjunkturprogramm ist vorbei und die Geldpolitik wird gestrafft.

Inzwischen haben das auch Anleger im Rest der Welt begriffen und reagieren. Rohstoffpreise fallen wieder auf breiter Front. Minenwerte wie Glencore oder Vale sind auf dem Rückzug. Unter hohen Schwankungen ist eine Fortsetzung des Trends zu erwarten. Im Normalfall steigt der chinesische Einkaufsmanagerindex vor den Rohstoffen und somit auch vor den Aktien.

Bevor die Trendumkehr kommt, können noch einige Wochen vergehen. China dürfte die Abkühlung jetzt erst einmal beobachten. Ergibt sich nicht von alleine eine Besserung, muss wieder eingegriffen werden. Dass eingegriffen wird, steht außer Frage. Im Herbst findet der nächste Parteitag statt. Dort wird entschieden, ob Präsident Xi Jinping Anfang 2018 eine zweite Amtszeit von weiteren 5 Jahren bekommt. Läuft die Wirtschaft im Herbst nicht rund, ist ein Machtwechsel wahrscheinlich. Der letzte, der das will, ist der Präsident selbst. Er hat in seiner bisherigen Amtszeit viel getan, um seine Macht einzuzementieren.

China wird also vielleicht noch ein oder zwei Monate tatenlos zusehen wie sich die Lage eintrübt. Spätestens dann ist mit einem Eingriff zu rechnen. Als Anleger bedeutet dies, dass man sich so langsam positionieren kann. Eine Trendumkehr kommt schnell. Man sollte dringend ein paar Aktien auf der Watchlist haben, um frühzeitig reagieren zu können. Besonders stark dürften die Aktien von Freeport-McMoRan und Anglo American reagieren.

Clemens Schmale

Sie interessieren sich für Makrothemen und Trading in exotischen Basiswerten? Dann folgen Sie mir unbedingt auf Guidants!