• WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 65,555 $/Barrel

Zürich (GodmodeTrader.de) - 2018 war bisher ein ereignisreiches Jahr für die globalen Finanzmärkte. Betrachtet man die wichtigsten Ereignisse des Jahres, richtet sich der Blick womöglich auf die Rückkehr der Volatilität, die Folgen eines möglichen Handelskrieges oder die Auswirkungen des Anstiegs der zehnjährigen US-Renditen über die Marke von drei Prozent. Eine weniger beachtete Entwicklung dagegen ist das jüngste Anziehen der Rohstoffpreise, wie Fabien Weber, Portfolio Manager bei GAM Investments, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Per Ende April hätten Weizen, Öl - sowohl Brent als auch West Texas Intermediate - und Mais in Lokalwährungen zweistellig zugelegt. Das wecke Interesse bei Investoren. Zu Recht, denn ein Investment in Rohstoffe könnte sich zu diesem Zeitpunkt durchaus lohnen: „Die verbesserten Fundamentaldaten deuten darauf hin, dass sich die Rohstoffe einem optimalen Umfeld nähern, das auch in den nächsten Jahren noch anhalten könnte“, so Weber.

Denn anders als bei den meisten Anlageklassen beruhten die Rohstoffpreise nicht auf den abgezinsten zukünftigen Gewinnen, sondern auf dem aktuellen Wirtschaftsumfeld. „In der Regel ziehen Rohstoffe in einer späteren Phase des Zyklus an. Diese Zyklizität wird von der Angebots- und Nachfragedynamik und ihrem Bezug zur Verfassung der Weltwirtschaft angetrieben. Wenn die Wirtschaft wächst, werden mehr Rohstoffe verbraucht, die Lagerbestände sinken und die Preise steigen. Obwohl die Welt in den vergangenen Jahren von einer langen Phase des globalen Wachstums profitierte, ließ der daraus resultierende Auftrieb für die Rohstoffe bisher auf sich warten“, erläutert Weber.

Häufig begännen diese Zyklen, wenn die Preise hoch seien und Rohstoffunternehmen die Gelegenheit nutzten um zu investieren, zum Beispiel in neue Minen beziehungsweise Ölquellen. „Diese Investitionen zahlen sich aber nicht sofort aus. Es kann mehrere Jahre dauern, bis das neue Angebot die Märkte erreicht“, so Weber weiter. In dieser Zeit könne sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld völlig verändert haben. Das neue Angebot aus den 2008 eingeleiteten Investitionen habe die Märkte beispielsweise erst 2013/2014 erreicht, heißt es weiter.

„Zu diesem Zeitpunkt war die Weltwirtschaft nicht mehr so stark, die Nachfrage war geringer und die Preise fielen. Bei niedrigeren Preisen fahren die Unternehmen in der Regel ihre Investitionspläne zurück, und im Laufe der Zeit werden die Überschüsse abgebaut. Die Lagerbestände schrumpfen, und es entstehen neue Defizite“, erklärt der Experte. Das aktuelle Umfeld der Anlageklasse habe sich nun von einem Überangebot im Jahr 2015 zu einem Defizit im Jahr 2018 gewandelt.

„Abgesehen von der vorteilhaften Defizitposition sind Rohstoffe unserer Meinung nach derzeit sehr attraktiv bewertet“, so Weber. Fast alle Rohstoffe würden im Jahr 2018 mit Abschlägen zwischen 30 Prozent und 80 Prozent zu ihren Höchstwerten gehandelt. Nur in einigen wenigen Fällen, wie bei Palladium und Bauholz, befänden sich die Preise nahe an ihren Allzeithochs, heißt es weiter.

Laut dem Experten lohnt es sich, folgende Bereiche des Rohstoffmarktes genauer unter die Lupe zu nehmen:

„Die Angebots- und Nachfragedynamik von Industriemetallen ist derzeit attraktiv. Unseren Analysen zufolge herrscht am Markt das größte Unterangebot seit 20 Jahren“, so Weber. Der technologische Fortschritt habe die Nachfrage nach Metallen in den vergangenen Jahren verändert. Ein gutes Beispiel sei die zunehmende Tendenz zu Elektroautos und die Notwendigkeit zur Entwicklung von Batterien, die dieses Wachstum unterstützen. „Lithium und Kobalt profitierten am meisten von dieser Nachfrage. Bei diesen Metallen ist die Angebotslage bereits angespannt. Deshalb streben die Unternehmen danach, direkte Lieferverträge mit den Anbietern abzuschließen, um sich den Nachschub zu sichern, statt sich auf den freien Markt zu verlassen“, erläutert der Experte. Auch andere Metalle, wie etwa Nickel, würden von der Branche genutzt, um die Versorgungsengpässe zu umgehen.

„Obwohl erneuerbare Energieträger immer besser Fuß fassen, hat die Nachfrage nach traditionellen Energiequellen nicht nachgelassen. Die Ölpreise sind in diesem Jahr weiter gestiegen“, sagt Weber. Es sei zu bedenken, dass wichtige Anbieter wie die OPEC versuchen, die Preise zu kontrollieren und die Markterwartungen zu steuern, indem sie Ausblicke publizieren. „Das jüngste Ziel der OPEC bestand darin, die Lagerbestände wieder auf ihren Fünfjahresdurchschnitt zu reduzieren, um das Angebot zu begrenzen und den Trend zu höheren Ölpreisen zu unterstützen. Zusätzlichen Rückhalt erhielt diese Agenda durch die jüngste Meldung, dass sich die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen, sowie durch die schleppendere Produktion in Venezuela. Dies deutet darauf hin, dass die Richtung für die Ölpreise in der nächsten Zeit positiv sein dürfte“, erläutert Weber.

Anders als bei anderen Rohstoffsektoren bleibe die Nachfrage nach Agrarprodukten in der Regel weitgehend stabil, obwohl sie längerfristigen Einflüssen ausgesetzt seien, wie etwa dem Wachstum der Weltbevölkerung und dem Rückgang des verfügbaren Agrarlands. „Das hat zur Folge, dass Bedenken über den Nachschub, die sich in der Regel aus natürlichen Phänomenen ergeben, etwa schwierigen Wetterbedingungen in wichtigen Agrarregionen, einen erheblich größeren Einfluss auf die Preise haben“, so Weber. Zwar habe das Angebot in den vergangenen Jahren dank einer Periode vorteilhafter Wetterbedingungen zugenommen. Doch einige Trockenphasen in der letzten Zeit hätten insbesondere Besorgnis über das Sojabohnenangebot in Argentinien, die Kakaoernte in der Elfenbeinküste und die Weizenproduktion in den USA aufkommen lassen. Dies habe sich vorteilhaft auf die Preise ausgewirkt, heißt es weiter.

„Obwohl es eine Reihe von Gründen gibt, warum Rohstoffanlagen derzeit attraktiv sind, darf man nicht vergessen, dass Rohstoffe als Anlageklasse nicht homogen sind“, sagt Weber. Die Korrelation zwischen den verschiedenen Sektoren könne sehr gering sein, da sie in der Regel von unterschiedlichen Faktoren bestimmt würden. Hard Commodities beispielsweise würden in der Regel von makroökonomischen Kräften getrieben, während Soft Commodities einem geringeren direktionalen Einfluss unterlägen. „Das heißt, dass sich nicht alle Rohstoffarten zur gleichen Zeit im Defizit oder im Überschuss befinden. Dies schafft Alphachancen für einen aktiven Anlageansatz ohne Einschränkungen“, schließt der Experte.

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