London (BoerseGo.de) - Die jüngste Rubel-Abwertung dürfte Russland nicht in Zahlungsschwierigkeiten bringen. Dieser Ansicht ist Diliana Deltcheva, Portfolio Manager Emerging Markets Debt bei F&C Investments. „Die Entscheidung der russischen Zentralbank CBR, den Rubel-Wechselkurs vollständig freizugeben, war gut begründet. Sie hat die Volatilität des Rubels zwar erhöht, aber zugleich den Druck auf die Währungsreserven verringert“, erklärt sie.

Die Rubel-Abwertung verlaufe parallel zum Ölpreis-Verfall, federe diesen ab und habe sogar einen positiven Effekt auf den russischen Staatshaushalt. Die russische Staatsverschuldung sei zudem mit zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts gering und die Währungsreserven ausreichend, um die externen Zahlungsverpflichtungen des Landes für rund ein Jahr abzudecken. „Es ist daher äußerst unwahrscheinlich, dass eine der großen Rating-Agenturen Russland in nächster Zeit das Investment-Grade-Rating entzieht“, schließt die Expertin.

Von den fallenden Ölpreisen ginge zwar weiterhin eine Gefahr aus. „Allerdings senkt ein freier Rubel-Wechselkurs mittelfristig die Abhängigkeit Russlands von den Preisen für fossile Brennstoffe“, betont Deltcheva. Durch eine schwache Landeswährung erhalte der russische Staat mehr Rubel für jeden Dollar Einnahmen aus dem Ölgeschäft und könne seinen internen Zahlungsverpflichtungen so leichter nachkommen. Seit Jahresbeginn habe der Rubel 37 Prozent abgewertet und den Verfall des Brent-Rohölpreises von 35 Prozent damit mehr als abgefedert.

Die russische Zentralbank hatte am 10. November den Rubel-Kurs freigegeben, um die Währungsreserven des Landes zu erhalten. Zuvor waren diese durch die anhaltende Kapitalflucht, Währungskäufe der Banken und Unternehmen sowie den niedrigen Ölpreis unter Druck geraten und seit Jahresbeginn um mehr als 90 Milliarden US-Dollar gesunken. Alleine im Oktober hatte die CBR 30 Milliarden US-Dollar aufbringen müssen, um den Rubel zu stützen. „Die Entscheidung der russischen Zentralbank war ökonomisch richtig, sie hätte sogar schon früher kommen können“, erklärt Diliana Deltcheva.

Die Zentralbank habe nun kurzfristige Geldmarktmittel, so genannte Repo-Fazilitäten installiert, um potenziellen Zahlungsengpässen zu begegnen. Mit rund 421 Milliarden US-Dollar seien die Währungsreserven weiterhin hoch und deckten das Elffache der monatlichen russischen Importe sowie das 3,5-fache der jährlichen externen Zahlungsverpflichtungen der russischen Unternehmen und Banken ab. „Angesichts dieser Währungsreserven kann die Zentralbank die russische Wirtschaft schützen, selbst wenn diese ein bis zwei Jahre sogar vollständig von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten würde“, so Deltcheva.