DAX

    Die Annäherung zwischen Griechenland und seinen internationalen Gläubigern im Schuldenstreit ist offenbar schon wieder Geschichte. Die Geldgeber haben Medienberichten zufolge die neuen Sparvorschläge Athens nicht akzeptiert. Äußerungen von Ministerpräsident Tsipras deuten in diese Richtung. Offenbar stellt sich der Internationale Währungsfonds quer, da die Forderungen zu unkonkret seien und zu sehr auf Steuererhöhungen statt Abgabenkürzungen basierten. Der deutsche Aktienindex hat seine Rally seit Wochenbeginn schlagartig beendet und ist am Vormittag ins Minus abgerutscht. Zuletzt gab der DAX 0,79 Prozent auf 11.452 Punkte ab. Noch ist nicht aller Tage Abend: Eine Einigung im Schuldenstreit ist immer noch möglich. Schließlich haben die Verhandlungen in Brüssel gerade erst begonnen.

    Thema des Tages

    Für die Unruhe am Markt sorgen Aussagen aus griechischen Regierungskreisen, wonach Premier Tsipras seinen Verbündeten mitgeteilt hat, dass die Gläubiger die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht akzeptiert haben. Ein griechischer Regierungsvertreter zitierte Tsipras mit scharfer Kritik an „bestimmten" Gläubigern. Die hätten die betreffenden griechischen Vorschläge abgelehnt. Auf welche der drei Institutionen - EU-Kommission, EZB oder IWF - sich Tsipras bezog, blieb unklar.

    Laut dem Wall Street Journal sind die Hauptstreitpunkte die Themen Steuern und Rentenpolitik, so das Blatt übereinstimmend mit Reuters. Tsipras soll von einem „beispiellosen Vorgang“ gesprochen haben. „Diese befremdliche Haltung kann nur eines von beiden bedeuten: Entweder wollen sie (Anm. die Gläubiger) keine Einigung - oder sie dienen speziellen Interessen in Griechenland, wurde Tsipras laut Reuters zitiert.

    Griechischen Medienberichten zufolge soll der Währungsfonds zahlreiche Sparvorschläge kritisiert haben, da diese die Rezession förderten. Spiegel Online berichtete, die IWF-Vertreter störten sich daran, dass mehr als 90 Prozent der geplanten Mehreinnahmen durch Steuererhöhungen erzielt werden sollen. Deshalb forderten sie Nachbesserungen.

    Laut der Ratingagentur S&P ist der schleppende Fortschritt in den Verhandlungen mit Griechenland ein Zeichen dafür, dass ein Grexit weiterhin möglich ist. Die Ratingagentur geht aber nach wie vor davon aus, dass Griechenland Teil der Eurozone bleiben wird.

    Derzeit stimmen sich EU, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds zu den strittigen Punkten ab. Am heutigen Abend treffen sich dann die Euro-Finanzminister in Brüssel. Sie wollen sich nach einer monatelangen Hängepartie auf ein Spar- und Reformpaket für Griechenland einigen.

    Aktien im Blick

    Berichte, wonach Bundeswirtschaftsminister Gabriel seine umstrittene Abgabe für alte Kohlekraftwerke aufgegeben hat, sorgen bei den Versorgertiteln trotz zwischenzeitlichen Dementis für gute Laune. RWE springen akt. um 2,08 % hoch. Bei E.on fallen die Verluste mit 0,20 % deutlich geringer als beim Dax aus.

    LEG Immobilien geben nach einer Kapitalerhöhung 2,19 % ab.

    Konjunktur

    Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der ifo-Index, geht im Juni den zweiten Monat in Folge zurück. Der Indikator für das Geschäftsklima fiel um 1,1 auf 107,4 Punkte, wie das ifo-Institut mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit Februar. „Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gedämpft“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

    Der französische Ökonom Thomas Piketty fordert für ganz Europa eine Schuldenkonferenz wie nach dem Zweiten Weltkrieg. „Eine Restrukturierung der Schulden ist nicht nur in Griechenland, sondern in vielen europäischen Ländern unvermeidlich", sagte er der „Zeit“.

    Das DIW Berlin senkt seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2015 von +2,2 % auf +1,8 %. Grund für die Revision sei die unerwartet schwache Produktionsentwicklung zu Jahresbeginn. DIW-Präsident Fratzscher sagte: „Die deutsche Wirtschaft erscheint derzeit stärker, als sie tatsächlich ist“. Ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,8 Prozent klinge auf den ersten Blick gut, doch dahinter stünden zahlreiche Sonderfaktoren wie der niedrige Ölpreis oder der für die deutschen Exporteure günstige Euro-Wechselkurs.

    Währungen

    Der US-Dollar gibt am Mittwoch auf breiter Basis einen Teil seiner am Vortag nach gemischten US-Daten und zinsoptimistischen Fed-Kommentaren gemachten Gewinne wieder ab. EUR/USD erholt sich von seinem gestrigen Zweiwochentief bei 1,1129 bis bislang 1,1235 im Hoch. GBP/USD legt nach bullischen Kommentaren des als Falken bekannten BoE-Mitglieds Weale vom gestrigen Tief bei 1,5705 bis bislang 1,5802 zu.

    USD/JPY gibt vom gestrigen Hoch bei 124,18 bislang bis zutiefst 123,65 nach, während USD/CHF nach einem Anstieg des schweizerischen UBS-Konsumindikators bislang bei 0,9276 im Tief notierte. USD/HUF fällt von seinem tags zuvor erreichten Wochenhoch bei 278,95 zurück und notierte bislang bei 275,15 im Tief. Die ungarische Notenbank hat ihren Leitzins auf ein neues Rekordtief von 1,50 Prozent gesenkt.

    Rohstoffe

    Der Goldpreis weitet am Mittwoch seine jüngsten Verluste aus und hat bei 1.173,75 US-Dollar je Feinunze ein Wochentief erreicht. Im Fokus für den Handel mit dem Edelmetall stehen weiterhin die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern sowie die bevorstehende Zinswende in den USA.