Der Fall ist dabei sogar relativ klar. Die nächste Krise ist so sicher wie das Amen im Gebet. Ob sie gleich morgen beginnt oder erst in 10 Jahren, weiß keiner. Janet Yellen, Ex-Fed-Chefin, meinte dazu während ihrer Amtszeit: zu unseren Lebzeiten wird es keine so große Krise mehr geben wie 2008/09 . Hier kommt es wohl vor allem darauf an, wessen Lebzeit man als Maßstab heranzieht. Da blieb Yellen allerdings vage.

Die nächste Krise ist trotz dieser etwas schwammigen Prophezeiung, dass es eben keine Krise geben wird, absehbar. Die Welt befindet sich derzeit (noch) im Aufschwung. Das ist erstmal schön. Es wird mit diesem Aufschwung aber nichts Sinnvolles angestellt. Wieso das so ist, zeigt die Grafik.

Seit der Finanzkrise sind die Staatsschulden deutlich gestiegen. Erst stiegen sie, weil Konjunkturprogramme notwendig waren, dann, weil gerade in Europa Banken nicht ohne Staatshilfe auskamen. Nun ist Ruhe eingekehrt, die Wirtschaft wächst und alles scheint gut. Doch wenn alles so gut läuft, wieso haben dann die meisten Länder noch immer horrende Defizite?

Die Bruttostaatsverschuldung der USA liegt bei gut 100 %. Das Budgetdefizit steigt gerade Richtung 4 % der Wirtschaftsleistung, bei Rekordbeschäftigung wohlgemerkt. Einige Länder haben fast zweistellige Defizite. Dazu gehören Brasilien und Saudi-Arabien. Hier ist die Gesamtverschuldung noch verkraftbar, doch wenn die Defizite nicht bald unter Kontrolle gebracht werden, wandern diese Länder schnell in den „hoffnungslos“-Quadranten.

Länder, die sich dort befinden, sind hochverschuldet und haben hohe Defizite.

Eine Verringerung der Schulden ist fast ausgeschlossen. Es gibt ganz wenige Ausnahmefälle. Vor wenigen Jahren befand sich Irland noch mit über 100 % Verschuldung in einer misslichen Lage. Inzwischen ist das Land weitgehend saniert.

Einige Länder erwirtschaften Überschüsse, sind aber so hoch verschuldet, dass auf Dauer eine Sanierung unrealistisch erscheint. Griechenland befindet sich in einem solchen Rettungsversuch. Dass dieser höchstwahrscheinlich scheitern wird, liegt auf der Hand.

Einige Staaten erwirtschaften Überschüsse und konnten die Verschuldung reduzieren. Dazu gehört auch Deutschland. Die Entschuldung hätte geschickter aufgegleist werden können, etwa, indem man die Investitionen nicht komplett zurückfährt, aber immerhin wird die gute Lage zur Sanierung genutzt. Der nächste Abschwung wird kommen, und dann springt die Verschuldung auch schnell wieder um 10 Prozentpunkte nach oben.

Die Reduktion der Verschuldung über ein knappes Jahrzehnt hinweg ermöglicht es, dass im nächsten Abschwung kein neuer Schuldenrekord aufgestellt werden muss. Mehr aber auch nicht. Länder, die in der aktuellen Hochkonjunktur hohe Defizite ausweisen, werden im nächsten Abschwung einen ausgeprägten Satz nach oben machen.

Die Verschuldung ist in den meisten Ländern schon jetzt aus dem Ruder gelaufen.

Es kümmert aktuell niemanden, weil alles so schön rund läuft. Der Konjunkturzyklus ist aber nicht abgeschafft. Viele Länder, die gerade erst aus dem Krisenmodus herauskommen (Italien etwa), werden vermutlich vor dem nächsten Abschwung nicht mehr genug Zeit haben, um eine Sanierung zu beginnen. Es ist ein Pulverfass sondergleichen und die Zündschnur ist kurz. Das sollte man nie vergessen.