Die vergangene Woche verlief aus Sicht der Rentenmärkte verhältnismäßig ruhig, die Renditen tendierten moderat aufwärts. Die veröffentlichten Konjunkturdaten zwangen die Marktbeobachter zu keiner Neueinschätzung der wirtschaftlichen Verfassung: sie bleibt robust. Zuletzt richteten sich die Blicke vor allem auf die USA, wo am morgigen Dienstag die FED erneut über das aktuelle Zinsniveau beraten wird. Die allgemeine Markterwartung ist eine weiterer Aufschlag um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent.

Euroland: Hoffnung auf mehr deutschen Konsum?

In der Eurozone haben weitere Konjunkturindikatoren den verhaltenen Erholungsprozess bestätigt. Deutschland kommt dabei mehr und mehr eine zentrale Rolle zu. Denn während sich hierzulande die Industrieproduktion im Oktober erneut kräftig ausweitete, ging sie in Frankreich deutlich zurück. Und auch Italiens makroökonomische Verfassung ist wackelig. Beobachter bescheinigen der zweit- und drittgrößten Volkswirtschaft eine jeweils nur geringe Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland kann da indes punkten. Die Lohnstückkosten haben sich hierzulande in den vergangenen Jahren stärker verringert als in den europäischen Nachbarländern. Allerdings um den Preis einer Reduzierung der allgemeinen Kaufkraft, was den Konsum bislang entsprechend dämpfte. Von dieser für einen selbst tragenden Aufschwung so wichtigen Komponente kommen zur Zeit aber durchaus hoffnungsvolle Signale. Deutschlands Einzelhändler sind nach Verbandsangaben mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft zufrieden und liegen über dem Vorjahresniveau. Ähnlich positiv äußerte sich auch der Handelsriese KarstadtQuelle. Ob die gestiegene Kauflust auch nach dem Fest noch anhält, bleibt jedoch abzuwarten. Die anziehende Investitionstätigkeit der Unternehmen und die sachten Fortschritte am Arbeitsmarkt bilden dafür jedenfalls nicht das schlechteste Fundament.

Vor dem Hintergrund der unter dem Strich hoffnungsvollen konjunkturellen Entwicklung in Euroland haben sich die Renditen in der vergangenen Woche leicht erhöht. In Verbindung mit dem geldpolitischen Umschwenken der EZB sind die Zinsen dabei besonders stark im Laufzeitenspektrum bis zwei Jahre gestiegen, also in jenem Bereich, wo Aktionen der Zentralbank die größten Spuren hinterlassen. Daran lässt sich ablesen, dass der Markt nach den ersten 25 Basispunkten von Anfang Dezember bis Mitte 2006 mit mindestens einem weiteren solchen Schritt rechnet. Äußerungen führender Währungshüter nähren diese Erwartung. So sagte beispielsweise Bundesbankpräsident Axel Weber, dass er sich durchaus eine stärkere Normalisierung des Zinsniveaus hätte vorstellen können.

USA: Im Bann der FOMC-Sitzung

Die Ausschläge am amerikanischen Rentenmarkt hielten sich aufgrund der bevorstehenden Notenbanksitzung in engen Grenzen. Zudem waren bedeutende Konjunkturveröffentlichungen Mangelwaren und die wenigen Daten hielten sich im Übrigen auch noch die Waage. So äußerten sich die Einkaufsmanager des Dienstleistungssektors im November etwas verhaltener, während die Industrieaufträge im Oktober zulegen konnten. Die Verabschiedung einer weiteren Steuerreform im Repräsentantenhaus vermochte den Markt ebenfalls nicht in Bewegung zu versetzen. Die Reform sieht Steuererleichterungen in Höhe von 56 Mrd. US-Dollar in den nächsten fünf Jahren vor, wobei es eine echte Finanzierung nicht zu geben scheint. Vielmehr stellt die US-Regierung auf weiterhin solides Wirtschaftswachstum ab, das im gerade abgelaufenen Fiskaljahr (30.09.) für eine Verringerung des Haushaltsdefizits auf 317 Mrd. US-Dollar verantwortlich war, 96 Mrd. weniger als zunächst von der Regierung geschätzt.

Pfandbriefe: AHBR wird verkauft

Etwas mehr Klarheit herrscht nun in Sachen AHBR (vgl. Investment-Ticker vom 31. Oktober). Das zwischenzeitliche Schreckensszenario einer Liquidation bewahrheitet sich nicht. Die Hypothekenbank wird an den Private Equity-Fonds Lone Star verkauft.

Dabei stellen die Verkäufer nach Presseberichten eine Mitgift in dreistelliger Millionenhöhe bereit und auch Lone Star werde nennenswert in die AHBR investieren. Darüber hinaus habe sich der Käufer verpflichtet, das hohe Pfandbrief-Rating zu erhalten, heißt es. S&P stuft diese mit AAA ein. Die von mehreren Banken zur Verfügung gestellte Liquiditätsspritze in Höhe von 2,5 Mrd. Euro will Lone Star laut Presse zügig zurückführen. Details wird der größte in Deutschland aktive Aufkäufer notleidender Kredite voraussichtlich Mitte Januar 2006 nach Vollzug der Transaktion nennen.

Ausblick:

Die aktuelle Woche steht ganz im Zeichen der USA. Wichtige Veröffentlichungen (u.a. Einzelhandelsumsatz, Industrieproduktion) und vor allem die FOMC-Sitzung am Dienstag werden den Markt bewegen. Eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte gilt als sicher. Unsicher sind indes die begleitenden Worte. Nachdem das Protokoll über das letzte Treffen eine kontroverse Diskussion innerhalb des FOMC über das Zinsniveau zu Tag förderte, wird nun gerätselt, ob die Presseerklärung dem bisherigen Muster folgend auch weiterhin die nächsten Schritte ankündigt. Der Markt tendiert eher dazu, dass die Klausel maßvolle Erhöhungen auch weiterhin fester Bestandteil der Stellungnahme sein wird.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 122 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende Dezember 2004. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten- Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.