München (Godmode-Trader.de) - Im Zuge des Konflikts um die Ukraine hat die Europäische Union seit März 2014 nach und nach Sanktionen gegenüber der Russischen Föderation verhängt. Seinerzeitige Gründe waren die Annexion der Krim und Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisierten.

Die Liste der Sanktionen wurde stetig erweitert und zeitlich verlängert, mittlerweile gelten sie gegen 177 Personen und 48 Organisationen. Ihre Vermögen in der EU sind eingefroren und sie dürfen nicht in die EU reisen. Die Sanktionen werden alle sechs Monate überprüft, sie gelten nun bis Januar 2021.

Weitere Maßnahmen sind u. a. Beschränkungen für Exporte nach und Importe von der Halbinsel Krim, und das Verbot für Europäische Investitionsbanken, an Russland neue Kredite zu vergeben. Moskau reagierte auf die EU-Schritte: Im August 2014 verbot Russland die Einfuhr von zahlreichen Lebensmitteln aus der EU, den USA und aus anderen Ländern, die Sanktionen gegen Russland verhängt hatten. Auf die Ausweisung russischer Diplomaten reagierte Russland reziprok und wies dementsprechend eine genauso hohe Anzahl an Diplomaten aus Russland aus. Es verhängte Einreisesperren für einige US-Politiker.

Die Sanktionen haben also eine Kehrseite, sie belasten alle beteiligten Volkswirtschaften. Dies belegt nun eine frische Studie des ifo Instituts unter 862 Unternehmen, derzufolge besonders die deutsche Industrie von den Russland-Sanktionen betroffen ist. „Maschinen- und Autobauer, Chemie und Elektro sowie die Logistik sind am häufigsten beeinträchtigt“, schreiben Jasmin Gröschl, Stellvertretende Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, und ihre Ko-Autorin Feodora Teti in einem Beitrag für die Zeitschrift ifo Schnelldienst. Insgesamt seien ostdeutsche Unternehmen stärker betroffen als westdeutsche. Die Sanktionen führen zu einem höheren bürokratischen Aufwand, der die Geschäfte mit Russland behindert.

Etwa die Hälfte aller befragten Unternehmen schätzen demnach, dass sie von einer Aufhebung der EU-Sanktionen profitieren könnten. Bei der Pipeline Nord Stream 2 sind die ManagerInnen einer Teilgruppe von 196 Befragten gespaltener Ansicht: Eine knappe Mehrheit spricht sich gegen einen Baustopp aus. Gröschl weiter: „Russland ist einseitig von der EU als Zulieferer und als Abnehmer abhängig, während Russland für die EU eine untergeordnete Rolle als Handelspartner spielt.“ Russland importiere aus der EU hauptsächlich Industriewaren, aber exportiere fast ausschließlich Rohstoffe wie Gas und Öl.

Belastungen im Russland-Geschäft entstehen durch zusätzliche Kontrollen, Handelsverbote und unzureichende Finanzierungsmöglichkeiten. Auch Währungsschwankungen, Russlands Streben, Einfuhrgüter zu ersetzen, erhöhte Standards, politische und wirtschaftliche Unsicherheit, Vertrauens- und Reputationsverlust, Regeln für örtliche Zulieferer und erhöhter Wettbewerb aus Drittländern bereiten den deutschen Unternehmen laut ifo im Zusammenhang mit ihrem Russlandgeschäft deutliche Probleme.