London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Der Ausbruch des Coronavirus hat sich über die ganze Welt verbreitet, droht viele Volkswirtschaften hart zu treffen. Russland aber steht derzeit zusätzlich unter Schock. Denn der Ölgigant muss neben der drohenden globalen Rezession den Einbruch der Ölpreise verkraften, die den Haushalt zu einem beträchtlichen Anteil stützen.

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Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in der Welt hat die Regierung in Moskau lange mit strengeren Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, gewartet. Das könnte an den geringen Fallzahlen liegen: 438 bestätigte Covid-19-Fälle meldete das Riesenland (Stand: 23.03.2020) - und bisher keine Toten. Am 30. Januar schloss Russland dann die Landgrenze zu China. Ab dem 20. Februar wurde chinesischen Staatsbürgern die Einreise nach Russland - mit Ausnahmen - verwehrt.

Doch die Maßnahmen werden schärfer: Gerade mussten Fitnessstudios und Schwimmbäder in Moskau vorübergehend geschlossen werden. Und ab Donnerstag dürfen über 65-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Mit Blick auf die Wirtschaft bedeutet das: Die Konsumausgaben werden in den kommenden Wochen und Monaten spürbar schrumpfen. Die Auswirkungen werden durch den Exporteinbruch infolge des Einbruchs der Auslandsnachfrage und der weltweiten Produktion noch verstärkt.

Als vor gut zwei Wochen der Ölpreis in den Keller stürzte, riss er auch den Rubelkurs mit sich. Die russische Zentralbank reagierte sofort und hat eine Reihe gezielter Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditvergabe an den privaten Sektor und zur Erhaltung der Finanzstabilität angekündigt. Bis heute aber hat sich die russische Währung kaum erholt und ist so schwach wie seit 2016 nicht mehr. Aus Sorge über den schwachen Rubel beließ die Notenbank ihren Leitzins bei 6,00 Prozent.

Unterdessen ist der Einbruch des Ölpreises eher nervig für die Regierung denn ein einschneidende Tatsache. Was für den Haushalt zählt, ist der Ölpreis in Rubel. Eine schwächere Währung trägt dazu bei, die Auswirkungen des Rückgangs der auf Dollar lautenden Ölpreise auf die Steuereinnahmen der Regierungen gering zu halten.

Da Russland im April ein Referendum über eine Verfassungsänderung durchführen wird, um Präsident Putin eine weitere zweijährige Amtszeit (bis 2036) zu ermöglichen, ist davon auszugehen, dass die Regierung sich ihre Wahlvolk mit fiskalischen Geschenken gefügig halten will. Gleichwohl bleiben die Aussichten für die russische Wirtschaft sehr unsicher. Im zweiten Quartal und auch im Gesamtjahr dürfte eine tiefe Rezession kaum zu vermeiden sein.