In vier Jahren wurde eine Bankenkrise zu einer Staatsschuldenkrise und jetzt haben wir in den USA und Europa eine Situation, die offenbar an den Märkten noch nicht richtig wahrgenommen wird. Die Staaten haben hohe Schulden. Ob sie zu hoch sind – mag sein - aber sicherlich zu hoch in den Augen der Märkte, und es gibt großvolumige Verkäufe von Staatsanleihen derjenigen Länder, deren Schulden von den Märkten als zu hoch eingeschätzt werden. Der Politik sind die Hände gebunden, wenn es darum geht, die Märkte zu beruhigen. Die Banken können sich auch schon lange nicht mehr selbst helfen, wenn es hart auf hart kommt. Die Zentralbanken finden sich jetzt in der Rolle wieder, als die einzigen noch verbleibenden Felsen in einer immer stürmischeren Brandung wahrgenommen zu werden.

    Was war denn die Reaktion der Politiker, als sich Gerüchte breit machten über eine Abstufung des US-Kreditratings und als die Börsen wieder einbrachen? Nun, da hieß es aus dem Kanzleramt, Bundeskanzlerin Merkel gedenke, ein Telefonat mit Sarkozy zu führen. Außerdem sollten die Finanzminister mal miteinander telefonieren. Und was hat die Telefoniererei gebracht? Nix. Es muss eine schmerzhafte Erfahrung für die Politiker in diesen Tagen sein, zu erfahren, dass die Finanzmärkte solche Bluffs nicht kaufen. Investoren haben mittlerweile mitbekommen, dass der Cocktail aus Konjunkturpaketen, Niedrigzinsen, außerordentlichen geldpolitischen Maßnahmen und sonstigen Stimuli nicht das Wirtschaftswachstum erzeugt hat, was man eigentlich relativ zu den massiv gestiegenen Schulden erwarten könnte. Das scheinbar unerschöpfliche Vertrauen in den Staat als immer solventen Schuldner ist zerstört.

    Das sieht man auch am Goldmarkt. Der Preis des Edelmetalls hat in der vergangenen Woche in mindestens acht wichtigen Weltwährungen neue Rekordhochs erreicht. John Taylor, Chef des weltgrößten Hedgefonds FX Concepts, prognostizierte schon Mitte des Jahres einen Anstieg des Goldpreises bis 1800 Dollar bis Oktober, sah aber damals auch schon einen danach folgenden Absturz des selbigen zurück bis auf 1100 Dollar. Der wehrte Herr begründet seine Prognose damit, dass es zu einer harten Rezession in den USA und Europa kommen wird, was zur Repatriierung von großen Mengen an Kapital aus ausländischen Märkten zurück in den US-Dollar-Raum führen würde. Dies würde auch dazu führen, dass die riskanten Aktiven wie die Rohstoffe verkauft werden müssten. In diesem Fall – und Taylor erwartet eine stärkere Rezession als im Jahr 2008 – würde auch Gold unter die Räder kommen.

    Sicherlich, wenn es jetzt wirklich zu einem massiven Zusammenbruch von allem kommen würde, dann wären auch viele Hedgefonds und andere Marktteilnehmer, die Gold mit Hebel handeln, gezwungen, den Verkaufsknopf zu drücken. Das könnte Gold binnen kurzer Zeit um 300-500 Dollar nach unten drücken. Ein solcher Kursrückgang würde aber nur den Zentralbanken in Russland oder Asien die Möglichkeit geben, große Mengen Gold noch günstig zu kaufen.

    Von Seiten der Privatanleger könnte es in einem solchen Umfeld tatsächlich zu massiven Verkäufen kommen. Viele könnten fälschlicherweise auf die Idee kommen, Gewinne bei dem einzigen Asset, das noch angestiegen ist, mitzunehmen, um Liquidität freizumachen – sprich: Gold also zu verkaufen. Das haben sie bereits getan, als der Goldpreis zu Jahresbeginn neue Rekordpreise erreichte und dann seitwärts lief. Und sie werden es vermutlich wieder tun, besonders, wenn der Preis damit beginnt, zu schnell zu fallen.

    Aber ein solches Szenario – eine harte und tiefe Rezession – ist nicht mein „Basisszenario“ für die kommenden Monate. Jetzt, wo alle ängstlich sind, ist es wieder Zeit, sich am Markt einzudecken. Jetzt, wo alle verkaufen, sollten sie mit einem Lächeln zugreifen. Die Kurse werden an Weihnachten weit höher stehen als heute – also höher als 5500 Punkte im DAX, $7700 beim Kupfer und $82 beim Öl.

    Schöne Grüße

    Ihr Jochen Stanzl

    Herausgeber Rohstoff-Report.de