Die USA sind pleite. So könnte man zumindest den US-Haushaltsstreit interpretieren. Doch die Börsianer vertrauen darauf, dass sich die US-Politiker noch einigen werden. So schloss der Dow Jones am Freitag wieder leicht erholt – die 15.000er-Marke konnte verteidigt werden. Auch das Tief einer langen weißen Wochenkerze von Anfang September bei 14.927 Punkten wurde bislang nicht unterschritten. Damit ist noch kein klarer Stimmungsumschwung oder eine Trendwende auszumachen.

    Wochenkerzen DOW JONES

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    Charttechnische Warnsignale liegen jedoch vor. So bildete sich im September eine Monatskerze mit nur kleinem Kerzenkörper und Docht aus. Der Dow Jones prallte im September zum dritten Mal am Widerstand bei ca. 15.542 Punkten nach unten ab. Zudem zeigen sich seit April 2013 kleine Monatskerzen und abwechselnd weiß-schwarze Monatskerzen. Dies muss als eine Phase der Unsicherheit im Markt bezeichnet werden. Unsicherheit ist nun auch oftmals ein Vorläufer für eine Trendwende.

    Monatskerzen DOW JONES

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    In den letzten Monaten hat sich eine Seitwärts-Zone zwischen ca. 15.542 Punkten und 14.434 Punkten herausgebildet. Würde diese Zone verlassen werden, so ergibt sich ein Richtungssignal. Nach oben besteht aus Sicht der Trendanalyse dann weiteres Aufwärtspotential bis ca. 17.500 Punkten, der oberen Begrenzung eines Aufwärtstrend-Kanals. Fällt dagegen der Dow Jones aus der Range nach unten heraus, so würde ein weiteres Verkaufssignal durch den Bruch des seit Oktober 2011 bestehenden Aufwärtstrends generiert werden. Kurzfristig negativ wäre es, wenn innerhalb der oben beschriebenen Range zudem die letzten beiden Monatstiefs vom August und September bei ca. 14.760 auch per Daily- oder Weekly-Close unterschritten werden. Da auch seit dem 19. September der Dow Jones vermehrt schwarze Tageskerzen ausbildet, ist das negative Szenario einzuplanen.

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    Wochenkerzen DAX – Ohne Dynamik

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    Vor drei Wochen konnte der DAX das bis dahin gültige Allzeit- und Jahreshoch bei 8.556 Punkten nach oben knacken. Ein Ausbruch über die obere Begrenzung eines Aufwärtstrend-Kanals gelang jedoch nicht. Der DAX pausiert in den letzten drei Wochen. Dynamik nach oben fehlt. Kurze Dochte nach oben weisen zudem auf Widerstand hin. Die Verschnaufpause in den letzten drei Wochen ist jedoch als normal zu bewerten. Denn nach den kräftigen Zugewinnen in den letzten Wochen war der Index kurzfristig überkauft. Negativ wäre nun ein Rückfall unter ca. 8.400 Punkten sowie folgend unter 8.200 Punkten. Das aktuelle Unvermögen des Marktes, nach dem Ausbruch über die Range vom Juli/August weiter nach vorn zu laufen, muss allerdings als Warnsignal betrachtet werden. Ein Abprall am aktuellen Niveau sollte daher eingeplant werden.


    Relevant für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte ist jedoch auch die Entwicklung der lang- und mittelfristigen Zinsen. Würden die Zinsen steigen, so schmälert dies auch die Gewinne der Unternehmen. Achten Sie daher bitte in den kommenden Wochen auf die Zinsentwicklung. Nachfolgend eine Analyse zum Bund-Future, der 10jährigen Rendite sowie des REX Gesamt Kursindex:

    Vorab muss festgestellt werden, dass der Rentenmarkt derzeit leicht widersprüchliche Signale aus der Perspektive der Chartanalyse liefert. So sind steigende Zinsen ausgehend vom Kursverlauf der 10jährigen Rendite zu erwarten, der Bund-Future dagegen knackte einen Abwärtstrend und signalisiert damit kurzfristig wieder fallende Zinsen. Dagegen verläuft der REX-Gesamt Kursindex noch im Abwärtstrend-Kanal.

    Insgesamt betrachtet zeigt aber die Richtung eher nach oben – steigende Zinsen sind für die kommenden Wochen und Monate einzuplanen. Ein Indiz hierfür ist die Zinskurve der 10jährigen Rendite für Deutschland. Diese stieg ausgehend von einem Tief Anfang Mai 2013 bei ca. 1,17% in den letzten Wochen deutlich an bis Anfang September 2013 die runde Marke von 2% erreicht wurde. Mit diesem Anstieg wurde auch eine Range verlassen, die von Mai 2012 bis Juni 2013 bestand. Der Ausbruch aus dieser Range, einer volatilen Seitwärtsbewegung, war ein Kaufsignal.

    10jährige Rendite

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    Somit sind steigende Zinsen wahrscheinlich. Aus charttechnischer Sicht besteht hier ein Kursziel bis ca. 2,5%. Der gegenwärtige Rückgang der 10jährigen Rendite im September ist lediglich als Pullback zu werten. Ein Pullback ist ein technisch bedingter Rücklauf der Kurse an ein vorheriges Ausbruchsniveau. Dieser Rücklauf kann sich noch fortsetzen bis ca. 1,75% bis max. 1,7%. In diesem Bereich wäre wiederum auf Verkaufssignale im Bund-Future zu achten. Das dargestellte Szenario eines ansteigenden Zinses aus Sicht der 10jährigen Rendite wird hinfällig, sofern der Zins deutlich unter 1,7% fällt und somit wieder in die vorherige Range zurückkehrt.

    Wochenchart Bund-Future – indikativ, einfach zusammengesetzter Kontrakt

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    Der Bund-Future hingegen konnte einen kurzfristigen Abwärtstrend Mitte September knacken. Der Anstieg seit Anfang September zeigt allerdings im einfach zusammengesetzten Kontraktverlauf der Wochenkerzen der japanischen Charttechnik, den Candlesticks nun Bremsspuren an. Der Bund-Future ist an einem relevanten Widerstands-Niveau angelangt.

    Tageschart Bund-Future – indikativ, einfach zusammengesetzter Kontrakt

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    Auch stellen sich als Widerstands-Linie die eher mittel- und langfristigen gleitenden Durchschnitte im Tageschart einem weiteren Anstieg in den Weg. So wurde zwar ein kurzfristiger 38-Tage gleitender einfacher Durchschnitt in der letzten Woche nach oben verlassen. Der Bund-Future notiert jedoch noch deutlich unterhalb des mittelfristigen 90-Tage und unterhalb des langfristigen 200-Tage gleitenden Durchschnitts. Damit verläuft der Bund-Future per Definition in einem Bärenmarkt, in einer Abwärtsbewegung. Diese Sichtweise ausgehend vom Bund-Future unterstützt wiederum die Annahme, dass die Erholung in der 10jährigen Rendite im September lediglich einen Pullback darstellt. Im Bereich des mittel- und langfristigen gleitenden Durchschnitts des Bund-Futures wäre daher auf Verkaufssignale zu achten. Einen weiteren Hinweis auf die mögliche Entwicklung der Zinsen gibt der Kursverlauf des REX Gesamtkursindex.

    Tageschart REX Gesamt Kursindex

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    Der Kurs des REX bildete seit Ende April 2012 ebenfalls eine Range zwischen ca. 132,5 bis knapp 136% aus. Zudem verläuft dieser Index seit Ende April 2013 innerhalb eines Abwärtstrend-Kanals. Per Definition ist innerhalb eines Abwärtstrend-Kanals von fallenden Kursen auszugehen. Die Erholung im September 2013 im Index hat somit bislang nur korrektiven Charakter. Die Abwärtstrend-Linie wird zwar gegenwärtig getestet, ist jedoch bislang nicht nachhaltig verlassen worden. In Verbindung mit den obigen Annahmen eines Pullbacks in der 10jährigen Rendite sowie einem nun erreichten kräftigen Widerstands-Niveaus im Bund-Future bestünde damit die Möglichkeit, dass der Abwärtstrend im REX Gesamtkursindex nicht nachhaltig gebrochen wird und in Bälde wieder die Abwärtsbewegung – und somit steigende Zinsen – wieder aufgenommen werden.

    Hoffnung für Zins-Bären

    Lediglich eine Hoffnung gibt der Kursverlauf des REX Gesamtkursindex den Bullen im Bund-Future und Befürwortern fallender Zinsen. So rutschte der REX im August 2013 unter die untere Begrenzung der Range. Ein negatives Signal. Dieses Signal wurde jedoch in den letzten Wochen wieder negiert, da der Index wieder in die Range zurückkehrte. Der Ausbruch könnte sich somit als Fehlsignal entpuppen. Deutlich steigende Kurse wären hieraus ableitbar. Sollte daher wider Erwarten der REX Gesamtkursindex den Abwärtstrend verlassen sowie vor allem über ein Niveau von 134,5% ansteigen können, so dürfte sich die Range der letzten Monate auch weiter fortsetzen.

    Auch der Bund-Future sollte dann natürlich den gegenwärtig bevorstehenden Widerstandsbereich nach oben verlassen können. Die 10jährige Rendite dürfte wieder unter 1,75% fallen.

    Steigende Zinsen sind jedoch zu favorisieren

    Das wahrscheinlichste Szenario ist jedoch aus gegenwärtiger Sicht ein baldiges Ende der Erholung und wieder ansteigende Zinsen. Die Dynamik der Erholung im September fußte zudem noch auf der Überraschung der Marktteilnehmer, dass die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm als auch die gegenwärtige Zinspolitik weiter beibehält. So mussten Shortpositionen im Bund-Future glattgestellt werden. Dieser Umstand dürfte nun im Markt jedoch abgearbeitet sein.

    Jeder Hinweis aus den US-Konjunkturdaten als auch in den europäischen Daten in den kommenden Wochen, dass die bisherige lockere Geldpolitik der Notenbanken in den folgenden Monaten angezogen wird, dürfte auch zu einer entsprechenden Reaktion auf die Entwicklung der Zinskurve in Deutschland führen.

    Fazit:

    Die Risiken fallender Aktienmärkte bei steigenden Zinsen, auch wenn diese Entwicklung moderat in kleinen Schritten erfolgen sollte, sind noch nicht vom Tisch. Die Aktien-Indizes zeigen Warnsignale an. Solange allerdings auch im DAX die Marke von 8.400 Punkten nicht deutlich unterschritten wird, ist aus langfristiger Sicht im DAX der Bullenmarkt intakt.

    Ich wünsche Ihnen schönes Wochenende.

    Ihr Stefan Salomon

    Chartanalyst GodmodeTrader.de

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