Laut dem saudischen OPEC-Gouverneur Al Aama werden die Erdöl-Exporte im Juli in-line mit den Ausfuhren im Juni sein und im August sogar um 100.000 bpd sinken, da man den Markt nicht mit Öl übersättigen wolle.

    Die Rethorik ist verwunderlich, denn zuvor war immer wieder per informierten Kreisen kommuniziert worden, dass Saudi-Arabien seine Preise senkt und die Produktion deutlich hochfahren will.

    Wahrscheinlich ging den Arabern der jüngste Sell-Off etwas zu schnell und sie versuchen deshalb irgendwo im Bereich um 70 Dollar einen Boden einzuziehen, aber vielleicht liegt dem Rückzieher auch anderes zugrunde..

    Saudi-Arabien kann sich aufgrund seiner einmaligen Situation den unfassbaren Luxus erlauben seinen Strombedarf durch die direkte Verbrennung von Erdöl zu decken.

    Wie der folgende Chart illustriert steigt dadurch im Sommer, wenn die Klimaanlagen 24 Stunden am Tag laufen, der Erdölverbrauch für die Stromerzeugung auf Werte deutlich oberhalb von 600.000 bpd an.

    Um es in den Kontext zu setzen: 32 Millionen Menschen verbrauchen dann Pi mal Daumen die Produktion Libyens um kühlen Kopf zu bewahren.

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    Könnte es nun sein dass - Obacht, an dieser Stelle driftet der Artikel ausnahmsweise deutlich ins Spekulative ab - dass die Saudis plötzlich feststellen, dass sie den eigenen Bedarf bei einer Ausweitung der Exporte nicht mehr decken können?

    Auffallend an dem Chart ist der Mai-Wert, der mit 412.000 bpd signifikant sowohl unter historischen Durchschnitt (665.000 bpd), als auch unter dem Vorjahreswert (604.000 bpd) liegt.

    Es ist zwar richtig, dass Riad die Energiekosten für seine Einwohner seit Anfang 2018 teilweise verdreifacht hat, und dass zunehmend auf Gas als Brennstoff für die Kraftwerke umgestellt wird, aber ob dadurch eine derartig massive und dauerhafte Einsparung zu erklären ist?

    Wenn sich der Erdölbedarf für die Stromversorgung im Juni und Juli nur wieder annähernd seinem Durchschnitt angleichen würde, dann müsste plötzlich ein Mehrbedarf von 200.000 bpd gedeckt werden - ein Volumen, welches die deutlich gealterte Industrie Saudi-Arabiens vor große Probleme stellen würde. Spekulation aus.

    Ob diese halsbrecherische Argumentation belastbar ist oder nicht - unabhängig davon wird in Erdöl-Kreisen und den einschlägigen Foren landauf, landab immer stärker diskutiert, ob Saudi-Arabien wirklich noch das Power-House ist, welches es einmal war, und wie viel Reservekapazität überhaupt noch vorhanden ist.

    Entschuldigung übrigens für die Clickbait-Überschrift, vermeide ich normalerweise und soll auch nicht wieder vorkommen ;).