• Dow Jones - Kürzel: DJIA - ISIN: US2605661048
    Börse: NYSE / Kursstand: 17.084,49 Punkte

San Mateo (GodmodeTrader.de) - Der Ölpreisverfall und die Schaukelbewegungen der Schwellenmärkte fordern ihren Tribut vom unlängst liberalisierten saudischen Aktienmarkt (auch Tadawul genannt), der Ende August nach einem Höchststand vom April 2015 in Bärenmarktterritorium abdriftete. Die Schwierigkeiten anderer rohstoffreagibler Schwellenmärkte sind allerdings ungleich größer, wie Bassel Khatoun, Head of MENA Equities bei Franklin Templeton Investments, schreibt.

Sicherlich spielten die Preise im Ölgeschäft für die saudische Wirtschaft eine wichtige Rolle. Immerhin entfielen darauf 45 Prozent der Gesamtwirtschaft und 90 Prozent der Staatseinnahmen. Dennoch dürfte Saudi-Arabien relativ stark aus der aktuellen Volatilität hervorgehen, ungeachtet des Ölpreisrutschs der letzten Monate. Die saudische Bevölkerung sei jung und wachse. Rund 60 Prozent der Bürger seien unter 30 – und ihre Ausgaben kämen einem breiten Spektrum von Branchen zugute, von Telekommunikations- bis zu Finanzdienstleistungen, heißt es.

Da Energie ein im Vergleich zur breiteren Wirtschaft nur kleiner Teil der Tadawul sei, könne der saudische Aktienmarkt Anlegern Engagement in solchen wachstumsstarken Bereichen bieten. Das unterscheide ihn längerfristig von seiner rohstofflastigen Vergleichsgruppe. Die Tadawul sei zwar bis vor Kurzem noch für ausländische Direktinvestitionen unzugänglich gewesen, doch in der Investmentwelt der Region gelte sie längst als der größte, liquideste Handelsplatz des Nahen Ostens, mit der breitesten Auswahl an Sektorchancen und einer Größe und Bedeutung, die der etablierter Schwellenmärkte wie Russland und Südafrika vergleichbar sei, heißt es weiter.

„Saudi-Arabien hat als letztes G20-Land seinen Aktienmarkt für ausländische Anleger geöffnet – wenn auch mit Einschränkungen. Dadurch haben globale Investoren jetzt Zugang zu einer der unseres Erachtens attraktiveren Investment-Storys des Schwellenländeruniversums und einem wichtigen Einfallstor zur größten Volkswirtschaft des Nahen Ostens. Die schlagendsten Argumente für Anlagen in Saudi-Arabien sind für uns die vorteilhaften demografischen Voraussetzungen und die nach wie vor hohen Staatsausgaben. Dass eine wachsende Mittelschicht versorgt werden muss, schafft günstige Rahmenbedingungen für Nachfragesteigerungen in vielen Wirtschaftssegmenten – von Konsumprodukten und Gesundheit bis zu Telekommunikations-Dienstleistungen. Außerdem will die saudische Regierung in diesem Jahr noch viel investieren, trotz fallender Ölpreise. Darin zeigt sich ihre Entschlossenheit zur Diversifizierung, um vom Öl unabhängiger zu werden, und zu fiskalischen Anreizen für die breitere Wirtschaft“, so Khatoum.

Die Wirtschaft wachse weiter, und zwar in den Nicht-Öl-Sektoren sogar robuster als im großen Ölsektor. Für 2015 werde das BIP-Wachstum im Nicht-Öl-Bereich vom Internationalen Währungsfonds auf 4,6 Prozent geschätzt, für den Ölsektor dagegen auf 0,9 Prozent. Anders als in anderen ölexportierenden Ländern (wie Russland, der Iran, Venezuela und Nigeria) erscheine die saudische Wirtschaft unseren Analysen zufolge fundamental ausgesprochen solide, heißt es weiter.

„Wir gehen davon aus, dass die spätere Aufnahme Saudi-Arabiens in Aktienindizes weltweit längerfristig erhebliche Mengen neues ausländisches Kapital anlockt. Der Indexanbieter MSCI könnte bereits im Juni 2016 nach Rücksprache mit Investoren eine Eignung Saudi-Arabiens prüfen, sodass die Tadawul eine Aufnahme in den MSCI Emerging Market (EM) Index für 2017 anpeilen könnte. Bei Aufnahme läge die Gewichtung des Landes im MSCI EM Index schätzungsweise bei 1,7 Prozent…Sobald in der Vermögensklasse der Schwellenländeraktien wieder Ruhe eingekehrt ist, wird das globale Anlegerpublikum unseres Erachtens merken, dass die Öffnung des saudischen Aktienmarkts für institutionelle Anleger eine einzigartige Chance darstellt, an der zunehmenden Entwicklung des Landes, der MENA-Region und ihrer Märkte zu partizipieren“, so Khatoum.