• Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
    Börse: Forex Capital Markets / Kursstand: 63,64800 $/bbl.

New York/ Wien (Godmode-Trader.de) - Am Ölmarkt scheinen die beiden Protagonisten Saudi-Arabien und Russland vor dem nächsten OPEC+-Treffen erneut auf eine Kollision zuzusteuern. Riad drängt die anderen Mitglieder öffentlich, weiterhin „extrem vorsichtig" zu sein, obwohl sich die Preise zuletzt wieder deutlich erholt haben. Das Königreich habe signalisiert, dass man es vorziehen würde, wenn die Allianz die Fördermenge im Großen und Ganzen konstant halten würde, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Moskau habe hingegen angedeutet, dass es immer noch eine Angebotssteigerung avisiert.

Die Positionen gleichen denen vor den vergangenen OPEC+-Meetings. Die Saudis haben dieses Mal aber ein neues Verhandlungsmittel zur Hand - 1 Mio. bpd an freiwilligen Förderdrosselungen. Das Königreich hat sich verpflichtet, diese zusätzlichen Kürzungen nur im Februar und März vorzunehmen, und es gibt auch Anzeichen dafür, dass Riad die Zügel weiter straff halten will und dies möglicherweise als Druckmittel für eine Einigung mit Moskau einsetzt.

Die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Verbündeten (OPEC+) halten derzeit immer noch 7 Mio. Barrel pro Tag vom Markt zurück, das sind etwa sieben Prozent des weltweiten Angebots. Die Strategie zahlte sich aus: Die Preise haben zuletzt das erste Mal seit gut einem Jahr wieder die Marke von 65 Dollar touchiert und liegen aktuell nicht weit davon entfernt.

Nach den meisten Schätzungen haben die Kürzungen dazu geführt, dass die Ölnachfrage die Produktion in diesem Jahr bisher überstieg. Die Angebotslücke wurde in der vergangenen Woche sogar noch größer, als der Wintereinbruch in Teilen des USA einen Einbruch der US-Produktion um zeitweise bis zu 40 Prozent auslöste.

Wenn sich die OPEC+ am 4. März trifft, wird sie darüber diskutieren, ob sie dem Markt im April mehr Rohöl zur Verfügung stellen wird. Es soll dabei zu zwei wichtigen Entscheidungen kommen: Erstens muss die Gruppe als Ganzes bestimmen, ob sie bis zu 500.000 Barrel pro Tag dem Markt wieder zusätzlich zur Verfügung stellt, ihre Kürzungen damit lockert. Zweitens muss Saudi-Arabien über das weitere Procedere der zusätzlichen 1 Mio. Barrel pro Tag an freiwilligen Kürzungen eine Entscheidung treffen. Experten halten eine gewisse Lockerung durchaus für denkbar. Ob sich Riad aber komplett das Heft aus den Händen nehmen lässt, darf bezweifelt werden. Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman warnte seine Verbündeten jüngst vor Selbstgefälligkeit. „Das Fußballspiel wird noch gespielt, und es ist zu früh, einen Sieg gegen das Virus zu verkünden", sagte er. „Der Schiedsrichter muss erst noch den Schlusspfiff geben."

Die weltweiten Lagerbestände liegen aber weiterhin deutlich über dem Fünfjahres-Durchschnitt und könnten laut der Internationalen Energieagentur IEA im nächsten Quartal wieder anschwellen, sollte das Angebot ausgeweitet werden.

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