Wirtschaft und Aktienmarkt sind ein und dasselbe. In den letzten Monaten wurde gern das Gegenteil behauptet, aber man kann Wirtschaft und Aktienmarkt nicht trennen. Die Lage in den letzten sechs Monaten war allerdings außergewöhnlich und so muss man gewisse Einschränkungen in den Aussagen machen.

Der Aktienmarkt lief der Wirtschaft aus mehreren Gründen davon. Anleger blicken in die Zukunft. Wenn erwartet wird, dass die Wirtschaft in einigen Monaten wieder besser läuft, steigen die Kurse heute. Genau das war im Frühjahr zu beobachten. Zunächst war unklar, ob und wann die Krise ein Ende finden würde. Nach Wochen des Chaos war absehbar, dass der Lockdown befristet sein würde und Konjunkturpakete der Wirtschaft helfen würden.

In der Zwischenzeit profitierten Unternehmen wie Microsoft und Zoom, die das Arbeiten von zu Hause erleichtern. Da diese Unternehmen hohe Marktkapitalisierungen haben, zogen sie den Markt mit nach oben. Heute, sechs Monate später, ist die Lage eine andere. Das, was Anleger im Frühjahr einpreisten, müsste sich jetzt materialisieren.

Tatsächlich hat die Wirtschaft wieder Tritt gefasst. Es war absolut korrekt, dass ein rascher Rebound eingepreist wurde. Die Wirtschaft ist im abgelaufenen Quartal in fast allen Regionen zwischen 5 % und 10 % gewachsen. Was für die Börse nun zählt ist der Ausblick auf die nächsten sechs Monate.
Dieser ist nur wenig überzeugend. Das US-Verbrauchervertrauen bleibt auf tiefem Niveau. Das Verbrauchervertrauen repräsentiert die Wirtschaft. Letztlich ist das, was konsumiert wird auch das, was als Umsatz und Gewinn bei Unternehmen ankommt. Das gilt auch für Unternehmen, die Homeoffice ermöglichen. Sie profitieren nur, wenn auch viele Menschen von zu Hause aus arbeiten.

Bei rekordhoher Arbeitslosigkeit und immer neuen Ankündigungen von Massenentlassungen wird die Nachfrage nach Homeoffice kaum noch steigen, sondern möglicherweise gegenüber der Lockdown Zeit zurückgehen. Auch Microsoft und Zoom sind kein ewiges Bollwerk gegen eine schlecht laufende Wirtschaft.

Daher fragen sich viele Anleger, ob sich die enorme Divergenz zwischen Verbrauchervertrauen und Aktienmarkt bald schließt. Dies kann auf zwei Arten erfolgen. Das Sentiment kann steigen oder der Aktienmarkt fallen.

Betrachtet man wie sich die Lagebeurteilung und die Erwartungen entwickeln, spricht alles für fallende Kurse (Grafik). Bisher blicken Anleger durch die schwierige Lage hindurch. Nun steht der Welt ein schwieriger Winter bevor. Die Lage dürfte sich wieder eintrüben. Es ist offen, ob Anleger das Durchhaltevermögen haben auch durch diese schwierigen Zeiten hindurchzublicken.

Persönlich gehe ich davon aus, dass Anleger zumindest einmal während dieser Zeit nervös werden. Ein Rücksetzer von 10 % ist absehbar. Wie die letzten Rücksetzer auch ist das eine Kaufgelegenheit.

Clemens Schmale


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