In den beiden vergangenen Wochen hatten wir in der Weekend-Edition auf www.godmode-trader.de erläutert, warum der gerade laufenden Börsenhausse schon bald die Luft ausgehen wird. Im ersten Fall basierte unsere Prognose auf einigen fundamentalen Entwicklungen. Dem folgte der langfristige Blick auf einige charttechnische Aspekte. Nachfolgend nochmals unsere Erläuterungen:

http://www.godmode-trader.de/nachricht/Hausse-fuer-Blinde,a3104098.html
http://www.godmode-trader.de/nachricht/Crashwarnung,a3108667.html
An dieser Stelle noch eine Ergänzung: Beide Artikel, wie auch der vorliegende, sind ausdrücklich die Redaktonsmeinung des Antizyklischen Börsenbriefs. Die meisten Kollegen, auch hier bei Godmode-Trader, werden die Lage anders beurteilen - und zwar weitaus positiver.

Das ist im Übrigen ein sehr gutes Zeichen, denn es führt uns zu einem der wichtigsten Wesensmerkmale der antizyklischen Vorgehensweise: Wer sich daran orientiert, der ist gut beraten, nur dann eine gravierende Gegenposition zur Konsensmeinung einzugehen, wenn die Dinge wirklich eindeutig sind. Und das sind sie jetzt. Das erkennt man unter anderem daran, dass die große Masse wie betäubt weiter steigende Kurse erwartet.

Setzen wir unsere, nennen wir es mal „Serie der Unannehmlichkeiten“ also fort. Sehen Sie sich hierzu bitte die folgenden drei Kursverläufe an.

Beginnen wir ganz unspektakulär. Beim Blick auf die folgende Abbildung fragen Sie sich bitte selbst, ob sie diese „Aktie“ kaufen würden. Die Antwort wird bei den meisten Börsianern sehr eindeutig ausfallen: Nach dem fulminanten Anstieg würden die meisten Anleger nach einem Rücksetzer einsteigen. Vor allem all jene, die den Trend als ihren guten Freund bezeichnen.

Grafik Nummer zwei zeigt die gleiche „Aktie“, allerdings in der etwas längeren Betrachtung der vergangenen drei Jahre auf Wochenbasis. Auch beim Blick auf diesen Kursverlauf wird das Urteil der überwiegenden Mehrheit eindeutig ausfallen: Nach dem Sprung über die bedeutende Widerstandszone im Bereich von 24 Punkten - dort verläuft die waagrechte rote Linie - wird die Mehrzahl vollkommen zurecht dafür plädieren, dass man hier jetzt beherzt zugreifen sollte.

Zu guter Letzt ein Blick auf den langfristig bedeutsamen Point & Figure Chart. Wir betrachten wieder die gleiche „Aktie“. Auch diesmal gibt es keinen Raum für Interpretationen: Ende Mai kam es bei der rätselhaften "Aktie" auf dem Point & Figure Chart zu einem „Triple Top Breakout“, einem bedeutenden Kaufsignal. Das heißt, der Trend ist jetzt auch in der sehr langfristigen Perspektive aufwärts gerichtet. Das Kursziel, und das ist nicht ganz unbedeutend, notiert bei 42,5 Punkten.

Leider ist es in Wahrheit keine Aktie, die hier gerade ihren Weg zu immer neuen Höhen beginnt. Bei den drei soeben gezeigten Grafiken handelt es sich um die Verzinsung für zehnjährige US-amerikanische Staatsanleihen. Und das Kursziel von 42,5 Punkten bedeutet, dass Käufer von zehnjährigen US-amerikanischen Schuldpapieren längerfristig eine Rendite von 4,25 Prozent fordern werden - sofern der Anleihemarkt nicht vorher zusammenbricht...

Höchst alarmierend ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen: Erstens können nur unverbesserliche Träumer annehmen, dass die USA bei einer Verschuldung von mehr als 16 Billionen US-Dollar eine Verzinsung von mehr als vier Prozent stemmen können. Zweitens konkurrieren die Anleihemärkte mit den Aktienmärkten um das Kapital der Anleger. Steigen an den Anleihemärkten die Renditen, dann werden die Aktienmärkte zunehmend in den Hintergrund gedrängt - und die Aktienkurse fallen.

Was sich hier vor unseren Augen abspielt, das ist genau das, was die US-Notenbank mit ihrer Politik des billigen Geldes und den fortgesetzten Anleihekäufen unter allen Umständen verhindern wollte: In den USA beginnen die Zinsen zu steigen, obwohl sie das eigentlich gar nicht „dürften“.

Aber die Anleihemärkte, die um ein Vielfaches größer sind als die Aktienmärkte, fragen eben nicht danach, was sie dürfen und was nicht. Vielmehr urteilen sie mit unbestechlicher ökonomischer Logik. Und dieses Urteil bedeutet messerscharf, dass das Spiel mit dem Feuer in Form (zu) niedriger Zinsen in den USA jetzt zu Ende geht – ganz ähnlich wie in Japan. Im Umkehrschluss heißt das, dass die Anleihemärkte nicht mehr bereit sind, die ausufernden Schulden der Vereinigten Staaten zu Minizinsen zu finanzieren.

Im Verbund mit den übrigen Entwicklungen warnen uns die drei gerade gezeigten Grafiken deshalb, dass die Anleihemärkte der seit dem 6. März 2009 laufenden Börsenhausse in naher Zukunft das Genick brechen werden. In der vergangenen Woche haben wir einen Vorgeschmack darauf erhalten, was das bedeutet. Sehen wir uns dazu den S&P 500 an:

Am Donnerstag, 20. Juni, wurde der gleitende 50-Tage-Durchschnitt mit frappierender Leichtigkeit nach unten durchschlagen. Wie ein heißes Messer ein Pfund Bergbauernbutter durchschneidet, so rutschten die Kurse ohne jede Gegenwehr durch diese bedeutende Unterstützungslinie. Die in der kommenden Woche anstehende Gegenbewegung bietet eine günstige Gelegenheit, die Beine in die Hand zu nehmen und sich in Sicherheit zu bringen.

Denn was beim S&P 500 wie an allen übrigen Weltbörsen ansteht, das wird kein gemütliches Kaffeekränzchen. Insbesondere für jene Schlaumeier nicht, die sich in den vergangenen Monaten bis über beide Ohren verschuldet haben, in der Hoffung, die "Inflation" werde die Schulden schon irgendwie ausradieren. Diese Milchmädchenrechnung wird nicht aufgehen und auch viele Häuslebauer in Deutschland werden das noch schmerzhaft zu spüren bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Sie sollten daher unsere Crashwarnung von vergangener Woche nicht auf die leichte Schulter nehmen: Das Ergebnis des sehr bedeutenden Signals, das die Anleihemärkte in den USA jetzt aussenden, wird höchst unerfreulich ausfallen.

Denn auf die durch eine historisch beispiellose Geldflut verursachte „Börsenhausse“ wird selbstverständlich ein historisch einmaliges Desaster folgen. Wenn die Exzesse der vergangenen Jahrzehnte korrigiert werden, und unsere Beobachtungen sprechen dafür, dass diese deflationäre Korrektur in diesem Moment vor unseren Augen beginnt, dann bleibt kein Stein auf dem anderen. Betroffen sein werden die Aktienmärkte, aber auch Immobilien und natürlich die Edelmetalle.

Folgt man der fundamentalen Analyse, betrachtet bedeutende langfristige charttechnischen Aspekte, sieht sich dazu die ausgelassene Stimmung unter den Börsianern an und berücksichtigt schließlich das faustdicke Warnsignal, das jetzt von den Anleihemärkten herüberschwappt, dann kommt man zu dem Schluss, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren eine deflationäre Katastrophe ansteht, die alles in den Schatten stellen wird, was lebende Generationen gesehen haben...

Unsere Meinung zum aktuellen Börsengeschehen ist deshalb vollkommen eindeutig: Im Mai 2013 haben die Aktienmärkte ihr Hoch gesehen. Und zwar nicht für einige Wochen sondern für einige Jahre.

Es liegen turbulente Zeiten vor uns. Schnallen Sie sich an...

In der Juni-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs sind wir den Dingen auf den Grund gegangen und haben dabei einige bemerkenswerte Entdeckungen gemacht...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de