Ob die Virus-Pandemie es verdient hat als waschechter schwarzer Schwan bezeichnet zu werden ist umstritten, denn das Virus - um nicht zu sagen der Vogel - war ja Monate im Voraus sichtbar, wurde aber wohl falsch eingeschätzt.

    Wie dem auch sei - der Ölmarkt, der traditionell sehr schlecht bei der Einpreisung von Extremereignissen performt, wurde von der Entwicklung überrollt was dazu führte, dass Erdöl seit Anfang des Jahres fast 70 Prozent an Wert verloren hat.

    Kann es da überhaupt noch schlimmer kommen? Es kann, wie das Drama um den gestern vorerst gescheiterten OPEC-Deal gezeigt hat.

    Die weltweiten Erdöllager agieren als Puffer, welche die Auswirkungen einer Überproduktion auf den Preis abfedern können. Ist die Kapazität aber irgendwann ausgereizt, dann bricht sich die fundamentale Situation schlagartig Bahn in das Preisgeschehen.

    Die globale Situation in der Lagerhaltung ist schwer zu durchschauen, deshalb wenden wir uns zuerst der transparenten Situation in den USA zu:

    Die Nachfrage nach Benzin bricht dort seit drei Wochen sturzflugartig ein, wie der beigefügte Chart darstellt.

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    Die US-Produzenten reagieren darauf seit der letzten Woche mit scharfen Maßnahmen und haben die Produktion um 600.000 Barrel pro Tag zurückgefahren.

    Dieser Cut kann nur ein zaghafter Anfang sein, denn seit 14 Tagen füllen sich die US-Lager zwischen 14 und 15 Millionen Barrel pro Woche.

    Wie der nächste Chart darstellt befindet sich die Lagerhaltung (ex strategische Reserve) mit rund 480 Millionen Barrel zwar noch im erträglichen Rahmen, aber bei der gegenwärtigen Explosivität des Pegelanstiegs liegt der Spitzenwert von 530 Millionen Barrel aus dem Jahr 2017 nur noch wenige Wochen entfernt.

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    Die Maximalkapazität für unverarbeitetes Leichtöl liegt in den USA bei etwa 600 Millionen Barrel, also ist nach oben durchaus noch acht Wochen Luft, bevor andere Lageralternativen wie zum Beispiel Tanker aktiviert werden müssen.

    Grundsätzlich ist die Situation in den USA aber weniger problematisch, da der Energiekomplex des Landes marktwirtschaftlich organisiert ist, und deshalb in der Lage ist sich flexibel und spontan anzupassen. Der globale Markt ist hingegen politisch bestimmt und die Frage aller Fragen wird sein, ob sich die gespaltene OPEC+ gemeinsam zu substanziellen Förderkürzungen durchringen kann.

    Sollte dies nicht möglich sein, wird die weltweite Lagerkapazität bald erschöpft sein, was dann zwangsläufig zu einer zweiten Schockwelle am Markt führen wird.