Beim Versuch, die chinesische Währung Yuan zu stabilisieren, muss die Notenbank auf die Devisenreserven zurückgreifen. Diese lagen einmal bei 4 Billionen Dollar. Heute sind es gerade einmal noch 3 Billionen.

Die Reserven hat China durch den Handel aufbauen können. Das Land hat vor allem mit den USA einen gigantischen Handelsbilanzüberschuss. Zuletzt erreichte dieser über 300 Mrd. Dollar. Diese Überschüsse flossen in den vergangenen Jahren in die Reserven. Spätestens seit 2014 ist das anders.

China wächst nicht mehr so wie früher. In der Folge hat sich das Sentiment eingetrübt. Viele verlieren ihre Zuversicht und wollen ihr Geld wegen der wirtschaftlichen Abkühlung ins Ausland schaffen. Die Währung steht dadurch unter Abwertungsdruck. Es hilft auch nicht, dass China mit schätzungsweise 277 % der Wirtschaftsleistung verschuldet ist.

Ein Großteil der Schulden liegt bei den Unternehmen. Sie halten mehr als die Hälfte aller Schulden. Bei gedämpftem Wachstum, stagnierendem Handel und massiven Überkapazitäten ist das eine Mischung, die Angst macht. Explodiert dieser Schuldenberg, dann ist der Yuan schnell nichts mehr wert. Wer kann, diversifiziert sein Vermögen in Fremdwährung.

Die Notenbank und die Regierung halten dagegen und intervenieren auf dem Devisenmarkt, um die Währung zu stabilisieren. Das kostet Reserven. Ein Großteil der Dollarreserven wird in US-Staatsanleihen gehalten. Grafik 1 zeigt die Entwicklung der Nettokäufe Chinas. In den guten Jahren kaufte China teils mehr als 100 Mrd. netto an neuen US-Anleihen. Das ist Geschichte.

Überraschenderweise hat das dem Dollar selbst wenig geschadet. Der Dollar Index steht so hoch wie lange nicht. Ebenso haben die Nettoverkäufe wenig Einfluss auf die Zinsen. Das mag überraschend sein, denn die Zinsen sind in den USA zuletzt gestiegen. Nach der Wahl Trumps explodierten die Zinsen förmlich. Im Dezember kaufte China allerdings netto US-Anleihen. Auch der Rest der Welt langte zu. Der Bestand wurde international um knapp 40 Mrd. ausgebaut.

Es gibt ohnehin eine überraschende Korrelation zwischen Dollar Index und den Nettokäufen von US-Anleihen aus dem Ausland. Grafik 2 zeigt diesen Zusammenhang. Man kann sagen: kaufen ausländische Anleger US-Anleihen, fällt der Dollar. Verkaufen sie Anleihen, steigt der Dollar.

Eigentlich würde man das Gegenteil erwarten, denn wenn Anleihen verkauft werden, strömt für gewöhnlich ausländisches Kapital aus den USA heraus. Wichtig sind hier Ursache und Wirkung. Weil der Dollar aufwertet und die Zinsen steigen, wird Geld abgezogen. Die Dollaraufwertung und ein begleitender Zinsanstieg sorgen für Stress.

Viele Staaten und Unternehmen verschulden sich in Zeiten niedriger Zinsen in Dollar. Steigen die Zinsen, wollen sie die Kredite zurückzahlen. Ebenso intervenieren nach wie vor viele Staaten auf dem Devisenmarkt, um ihre Währungen bei einer Dollaraufwertung zu stützen, um Kapitalabfluss zu beschränken.

Betrachtet man die enormen Verkäufe von US-Anleihen und die ersten Anzeichen einer Trendwende, dann muss man fast zu der folgenden Schlussfolgerung kommen: die Dollaraufwertung ist bald vorbei. Persönlich halte ich das für durchaus plausibel und für das realistischste Szenario.

Clemens Schmale

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