Die große Frage der EZB-Sitzung im Juni ist, ob das Tempo der PEPP-Käufe, das nach der Sitzung im März erhöht wurde, wieder gesenkt wird. Die damalige Entscheidung war von der Notwendigkeit getrieben, den Aufwärtsdruck auf die EWU-Renditen zu dämpfen, den die Reflationserwartungen in den USA verursacht hatten. Auch in diesem Quartal stiegen die EWU-Renditen weiter an. Aber dieses Mal war der Hauptgrund eine Verbesserung der europäischen nominalen Wachstumserwartungen, weshalb die EZB wahrscheinlich dazu schwieg. Hinter diesem Schweigen verbirgt sich eine tiefe Meinungsverschiedenheit zwischen den „Falken“ und den „Tauben“. Erstere begrüßen einen Anstieg der realen Renditen aufgrund der verbesserten Aussichten und würden das Kaufprogramm gerne so schnell wie möglich beenden. Demgegenüber würden die gemäßigten Stimmen der „Tauben“ es vorziehen, alle nominalen Renditekurven niedrig und flach zu halten, bis es substanzielle Fortschritte in Richtung des Inflationsziels der EZB gibt. Um dies zu erreichen, würden sie gerne einen beträchtlichen Teil der in das PEPP eingebauten Flexibilität beibehalten (in Bezug auf die Möglichkeit, vorübergehend vom Kapitalschlüssel abzuweichen, sowie Emittenten- und Emissionslimits).

Grundsätzlich bedeutet diese Meinungsverschiedenheit, dass es schwer ist, die Entscheidung über das Tempo der PEPP-Käufe vorherzusagen. Dennoch haben die EZB-Ratsmitglieder, die eher der Mitte zugeordnet werden können, zuletzt signalisiert, dass das Grundtempo im dritten Quartal beibehalten werden könnte, was sich beruhigend auf die EWU-Renditen ausgewirkt hat. Der Grund für die Andeutung eines gleichbleibenden Tempos könnte sein, dass die EZB im Frühherbst das Ergebnis ihrer strategischen Überprüfung bekannt geben wird. Diese Überprüfung wird wahrscheinlich Änderungen des Inflationsziels sowie der Instrumente, die der EZB zur Erreichung dieses Ziels zur Verfügung stehen, mit sich bringen. Vor Abschluss der Überprüfung ist es für die EZB sehr schwierig, dem Markt einen klaren Hinweis für die Erwartungen an die zukünftige Geldpolitik zu geben. In dieser Hinsicht besteht ein erhebliches Risiko, dass eine Verringerung des Tempos der PEPP-Käufe vor diesem Zeitpunkt als falkenhaftes Signal gewertet wird, das dann zu einer ungerechtfertigten Verschärfung der finanziellen Bedingungen führen könnte.