Das Thema Preismanipulationen am Silbermarkt rückt heute ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Edelmetallinvestoren. Gestern klagte Bart Chilton, Beamter bei der US-Terminbörsenaufsicht CFTC förmlich Preismanipulationen am Silbermarkt an und forderte die Behörde auf, ihre schon zwei Jahre andauernden Ermittlungen zu einem Ende zu bringen und zu handeln.

    In der CFTC-Anhörung, die der Erörterung von Möglichkeiten diente, wie der Rohstoffterminmarkt mit neuen Regeln besser reguliert werden könnte, sagte Chilton, dass Marktteilnehmer „wiederholt“ und „betrügerisch“ versucht hätten, den Silbermarkt „mit List und Tücke zu kontrollieren.“ Chilton sei davon überzeugt, dass es Verstöße gegen Regulierungsvorgaben der CFTC gegeben habe, was streng verfolg werden sollte. CFTC-Vorsitzender Gary Gensler lehnte es nach der Anhörung vor der Presse ab, sich zu den Ermittlungen seiner Behörde am Silbermarkt und zu den Kommentaren Chiltons zu äußern.

    In den vergangenen 36 Jahren, in dem es die CFTC gibt, initiierte sie mehr als drei Dutzend Ermittlungen wegen Preismanipulationen, nur eine jedoch führte zu einer Verurteilung. Alle andren verliefen im Sande. Um Klagen in der Vergangenheit gewinnen zu können, musste die CFTC beweisen, dass der Angeklagten tatsächlich vorsätzlich einen Marktpreis manipuliert hat. Nach der Reform des Finanzsystems unter Barack Obama sind diese Beweispflichten gelockert worden.

    Die Ermittlungen der CFTC am Silbermarkt sind in den letzten Wochen energischer verfolgt worden. Das Vollstreckungsteam der CFTC hat in den vergangenen Wochen nach Informationen des „Wall Street Journal“ (WSJ) ein Paket mit Informationen darüber an Kommissare und Anwälte der CFTC verteilt, die erste Ergebnisse der Ermittlungen zeigen. Diese könnten darauf hindeuten, dass es tatsächlich Manipulationen am Silbermarkt gegeben habe, spekuliert das „WSJ“. In den vergangenen Tagen hätten die Kommissare damit begonnen, zu erörtern, wie man in dieser Sache weiter verfahren wolle.

    Der Silbermarkt stand schon einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden, als die Brüder Hunt aus Texas zusammen mit anderen den Silbermarkt zwischen 1979 und 1980 manipulierten. Große Silberkäufe haben den Silberpreis nach oben getrieben. Die Hunts dementierten jegliche Vorwürfe. Nelson Bunker Hunt musste im Jahr 1989 eine Strafe von zehn Millionen Dollar zahlen. Heute leitet er ein Energie-Explorations-Unternehmen, das seiner Familie gehört. Er selbst dementiert bis heute, den Silbermarkt manipuliert zu haben. Er selbst ist heute nicht mehr im Silbermarkt engagiert, sagt er.

    Heute stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit Andere. Früher in diesem Jahr wurde bekannt, dass die CFTC sich auf eine Beschwerde eines Händlers gegen die US-Großbank J.P. Morgan konzentriere. Sie handle mit großen Silbermengen und manipuliere den Silbermarkt, so der Vorwurf des Händlers, dem sich die CFTC annahm. In den vergangenen Monaten wurden Mitarbeiter der Großbank von der US-Behörde befragt. Außerdem wurden Experten, Analysten, Händler und Produzenten aus der Industrie zu Anhörungen geladen.

    J.P. Morgan und HSBC sind seit eh und je große Marktteilnehmer im Silbermarkt. Im wöchentlichen Report „Commitment of Traders“, den die CFTC immer Freitags veröffentlicht, steht geschrieben, dass weniger als vier Marktteilnehmer eine Short-Position von 24,3% des gesamten Open Interest bei Silber halten. Für Silberexperten steht fest, dass sich die HSBC und J.P. Morgan zu diesen Marktteilnehmern gehören. Beide Großbanken lehnen es ab, sich zu der Situation zu äußern.

    Jochen Stanzl - Chefredakteur Finanznachrichten Boerse-Go.de