Wer Aktien kauft, wird dadurch zum Miteigentümer börsennotierter Unternehmen und profitiert davon, wenn diese Unternehmen Gewinne erwirtschaften und die Gewinne in Form von Dividenden an die Anleger ausschütten oder in das eigene Geschäft reinvestieren, um damit künftig noch mehr Gewinne erzielen zu können.

Für Anleger besteht der Sinn und Zweck des Aktienmarktes also eigentlich nicht in der Möglichkeit, kurzfristige Kursgewinne zu erzielen, sondern sich an Unternehmen zu beteiligen, die Gewinne erzielen und damit ihre Anteilseigner wohlhabender machen. Schon deshalb liegt es eigentlich auf der Hand, dass die Aktien von hochprofitablen Unternehmen auf Dauer besser abschneiden sollten als Aktien von Unternehmen, die gar nicht oder kaum profitabel sind.

Bemisst man die Profitabilität eines Unternehmens an seiner operativen Gewinnmarge, also dem Anteil vom Umsatz, der nach Abzug der Kosten als operativer Gewinn übrig bleibt, so zeigt sich, dass Aktien von profitablen Unternehmen auf Dauer tatsächlich besser performen als Aktien von Unternehmen, die nicht oder nur wenig profitabel sind.

Nach einer statistischen Untersuchung des US-Vermögensverwalters Gerstein Fisher erzielten Anleger mit den Aktien hochprofitabler Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich bessere Renditen.

Ausgewertet wurden an der NYSE gehandelte US-Aktien im Zeitraum vom 1. Januar 1967 bis zum 31. Oktober 2017. Setzten Anleger in diesem Zeitraum auf die 30 Prozent der profitabelsten Unternehmen, also die Unternehmen mit der höchsten operativen Gewinnmarge, konnten sie eine Rendite von 11,35 Prozent pro Jahr einfahren. Der Leitindex S&P 500 brachte es hingegen nur auf eine Performance von 10,33 Prozent pro Jahr, während die Aktien der 30 Prozent am wenigsten profitablen Unternehmen nur um 8,38 Prozent zulegten.

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Quelle: Gerstein Fisher

Auf lange Sicht gilt also: Aktien von Unternehmen mit hoher Profitabilität (= hohe operative Gewinnmarge) schneiden besser ab als der Gesamtmarkt und als Aktien von Unternehmen mit geringer Profitabilität.

Doch erstaunlicherweise kehrte sich diese Outperformance seit dem Jahr 2012 in ihr Gegenteil um. Die Aktien der am wenigsten profitablen Unternehmen brachten es auf eine jährliche Rendite von 15,77 Prozent, während es der S&P 500 nur auf 15,49 Prozent und die Aktien der profitabelsten Unternehmen nur auf 14,77 Prozent brachten.

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Quelle: Gerstein Fisher

Ein Paradebeispiel ist die Entwicklung der FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) in den vergangenen Jahren. Diese großen Tech-Konzerne sind in Bezug auf die von ihnen erzielten Gewinne allesamt höher bewertet als der Gesamtmarkt. So hat etwa Amazon nach der Auswertung von Gerstein Fisher nur einen Anteil von 4,8 Prozent an der Profitabilität seines Marktsektors, dafür aber einen Anteil von 12,6 Prozent an der Marktkapitalisierung.

Die Untersuchung von Gerstein Fisher zeigt, dass Anleger in den vergangenen Jahren vor allem auf Aktien von Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial gesetzt haben. Anleger kauften diese Aktien wohl in der Hoffnung auf eine hohe Profitabilität in der Zukunft - und ignorierten dabei offenbar völlig, wie profitabel diese Unternehmen in der Gegenwart sind.

Durch den zunehmenden Anteil des passiven Investierens könnte dieser Trend noch verstärkt worden sein, vermutet Gerstein Fisher. Denn beim Kauf eines Indexfonds stecken Anleger automatisch mehr Geld in Aktien von Unternehmen, die bereits eine hohe Marktkapitalisierung erreicht haben, während die Profitabilität der jeweiligen Unternehmen keine Rolle spielt.

Doch die übertriebene Kursperformance der FAANG-Aktien, die in keiner Beziehung zur fundamentalen Entwicklung steht, dürfte sich mittel- bis langfristig wieder umkehren. Dies zeigt sich auch mit Blick auf die Technologieblase zur Jahrtausendwende. Auch damals entfernten sich die Bewertungen bestimmter Aktien immer weiter von einem fundamental gerechtfertigten Niveau. Das böse Erwachen für die Anleger folgte dann mit dem Platzen der Spekulationsblase.

Fazit: Auf lange Sicht schneiden Aktien von Unternehmen mit einer hohen operativen Gewinnmarge besser ab als der Gesamtmarkt und als Aktien von Unternehmen mit geringer Profitabilität. Doch seit dem Jahr 2012 hat sich diese Outperformance in ihr Gegenteil vergekehrt. Anleger setzten in den vergangenen Jahren vor allem auf Highflyer wie die FAANG-Aktien und stellten sich nicht die Frage, wie profitabel diese Unternehmen heute eigentlich sind. Mittel- bis langfristig dürfte sich diese Entwicklung aber wieder umkehren.


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