Technologischer Fortschritt ist eigentlich eine gute Sache. Gäbe es diesen Fortschritt nicht, dann würden wir noch immer in Höhlen ohne fließendes Wasser, Heizung, Fernseher, Computer usw. leben. Technologie hat den Lebensstandard massiv gesteigert. Die heutigen Verhältnisse sind überhaupt kein Vergleich zu denen vor 100 Jahren. Welchen Lebensstandard die meisten bevorzugen, muss man vermutlich gar nicht fragen.

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Trotzdem beschleicht viele ein ungutes Gefühl. Roboter können immer mehr. Sie können immer komplexere Arbeitsabläufe bewältigen. Viele Jobs mit manueller Arbeit werden wegfallen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Doch nicht nur dort sind Roboter eine Gefahr für den Menschen als Arbeitnehmer.

Maschinen werden immer intelligenter. Es handelt sich zwar um keine „echte“ Intelligenz – bis IBMs Watson Jeopardy gewinnen konnte, gingen unzählige Stunden der Programmierung voraus – doch wer lange genug programmiert und experimentiert, kann Software recht gewieft erscheinen lassen.

Es stehen nicht nur Jobs mit manueller Arbeit im Feuer, sondern auch viele Bürojobs. Computer können Recherchen schneller erledigen. Inzwischen ist so manches Programm besser darin, Patienten zu diagnostizieren als der Mensch. So ist es absolut nachvollziehbar, dass einige von einem radikalen Jobkahlschlag ausgehen. Je nach Studie sind zwischen 20 % und 80 % aller Arbeitsplätze betroffen.

Bei solchen Szenarien drängt sich die Frage auf: was machen wir dann mit all den Menschen, wenn sie nicht mit Maschinen konkurrieren können?

Wie gehen wir mit der Massenarbeitslosigkeit um? Wie finanzieren wir überhaupt diese Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit?

Die Antwort auf diese Fragen ist überraschend einfach. Wir müssen fast nichts tun. Das Problem, welches viele heraufbeschwören, existiert nämlich gar nicht. Es ist nur Panikmache und hat wenig mit der Realität zu tun. Wieso das so ist, wird in einem sehr guten Research erklärt.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie sind beruhigend. Obwohl viele Analysten Horrorszenarien aufzeigen, ist die Angst absolut unbegründet. Es wird häufig von einer exponentiellen Entwicklung beim technologischen Fortschritt gesprochen. Mit anderen Worten: der Fortschritt könnte von heute auf morgen Millionen an Jobs beseitigen. In der Realität ist der Wandel sehr viel langsamer und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich die Entwicklung nun explosionsartig beschleunigt.

Historisch gab es für einzelne Berufsgruppen immer wieder Schocks. So waren einmal zehntausende Menschen in einer Berufsgruppe beschäftigt, die es heute nicht mehr gibt. Bevor das Aufstellen von Kegeln automatisiert wurde, mussten Menschen die Kegel immer wieder aufrichten. Mit der Erfindung der Automatisierung dieses Prozesses, fielen all diese Jobs innerhalb kurzer Zeit weg.

So ging es mehreren Berufsgruppen. Es war einmal sehr lukrativ im Bahngeschäft tätig zu sein, ob als Lokführer, Bremser etc. (Grafik 1). Viele dieser Jobs fielen weg als das Automobil seinen Siegeszug begann und immer weniger Menschen die Bahn nutzten. Zudem ermöglichte Technologie den Wegfall bestimmter Jobs. Einen Bremser gibt es schlichtweg nicht mehr. Heute kann der Lokführer bremsen. Es braucht kein zusätzliches Personal mehr dafür.

Die Jobs im Eisenbahngeschäft gingen zwar verloren, doch dafür wurden in der Automobilindustrie sehr viele neue Jobs geschaffen (Grafik 2). Die Entwicklung in der Autoindustrie glich die Entwicklung bei der Eisenbahn mehr als aus. Netto wurden Jobs geschaffen.

Bisher ist es der Wirtschaft immer gelungen wegfallende Jobs zu ersetzen. In über 150 Jahren ist es bisher nicht passiert, dass dies nicht gelungen wäre. Es gibt eigentlich keinen Grund, übermäßig besorgt zu sein. Tatsächlich ist der technologische Wandel derzeit so langsam wie selten zuvor.

Der Wandel hat mehrere Folgen. Jobs fallen weg, weil etwas automatisiert werden kann. Heute arbeiten immer noch viele Menschen in der Herstellung von Autos, aber weniger und auch anders als noch vor 50 Jahren. Technologie hat die Herstellung effizienter gemacht. Es werden weniger Menschen für den gleichen Job gebraucht. Effizienzsteigerungen sind ein Grund für den Wegfall von Jobs.

Ein anderer Grund ist die Vollautomatisierung. Man braucht schlichtweg niemanden mehr, um z.B. Kegel aufzustellen oder einen Fahrstuhl mehr zu betätigen. Ein weiterer Grund für Jobabbau ist eine Veränderung der sozialen Normen und der Kultur. Heute beschäftigt kaum noch jemand Hausangestellte. Das ist eher exotisch. Vor 100 Jahren war dies für die Oberklasse absolute Normalität.

Durch diese Gründe wandelt sich die Arbeitnehmerschaft. Grafik 3 zeigt dazu die Austauschrate für jedes Jahrzehnt seit 1850. Die Austauschrate beschreibt wie viele Menschen sich innerhalb eines Jahrzehnts einen neuen Job in einer anderen Berufsgruppe suchen mussten, weil ihr eigener Job wegfiel. Auf den ersten Blick sieht man, dass die Austauschrate derzeit historisch niedrig ist. Technologie drängt so wenige Menschen in neue Berufsgruppen wie noch nie in den letzten 150 Jahren.

Technologie ersetzt Jobs. Daran gibt es keinen Zweifel. Grafik 3 zeigt wie viele Jobs im Verhältnis zum Jobabbau neu geschaffen werden. Derzeit liegt dieser Satz bei 60 %. Für 10 wegfallende Jobs werden 6 neu geschaffen. Netto fallen Jobs weg, dafür werden neue in ganz anderen Bereichen geschaffen, quasi in einem Zweitrundeneffekt.

Wenn die Historie eines zeigt, dann sicherlich, dass man (momentan) keine Angst vor Massenarbeitslosigkeit haben muss. Der Wandel ist nicht neu. Es gab ihn schon immer und zwar häufig sehr viel dynamischer als heute.

Clemens Schmale

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