In der vergangenen Woche war unter Anlegern eine leichte Nervosität zu spüren. Das ist kein Wunder. In den USA erreichte die Rendite der T-Notes (10-jährige Anleihe) den höchsten Stand seit einem Jahr. Zuletzt war die Rendite am 26. Februar 2020 so hoch. Das war kurz bevor sich Schockwellen durch das globale Finanzsystem arbeiteten.

Das Bemerkenswerte an der Zinsentwicklung ist, dass Notenbanken die Leitzinsen nicht anrühren und so bald nicht anrühren werden. Zusätzlich werden pro Monat global fast 200 Mrd. in Anleihenkäufe gesteckt. Trotzdem steigen die Zinsen. Das sollte Anleger durchaus beunruhigen, vor allem bei einer Anlageklasse.

Bei dieser Anlageklasse handelt es sich um Long-Duration-Aktien. Duration beschreibt, wie sensitiv Anlagen auf Zinsänderungen reagieren und ist eigentlich ein Konzept für Anleihen. Steigt der Zins, fällt der Kurs einer Anleihe. Um wie viel der Kurs fällt, wenn der Zins z.B. um 0,5 % steigt, wird durch die Duration beschrieben.

Bei bestimmten Aktien kommt ein ähnliches Konzept zur Anwendung, nämlich dann, wenn Unternehmen aktuell kein Geld verdienen bzw. erst irgendwann in der Zukunft Umsätze generieren. Ein Beispiel sind Biotechunternehmen, die Medikamente entwickeln, die vielleicht erst in 10 Jahren auf den Markt kommen. Der Umsatz liegt weit in der Zukunft.

Je länger man auf Umsatz warten muss, desto größer ist der Effekt von Zinsen. Der Unternehmenswert ist ja der abgezinste zukünftige Cashflow. Steigende Zinsen ist für diese Unternehmen ein Problem. Die Bewertung sollte sinken.

Das gilt auch für jedes andere Unternehmen. Im Gegensatz zu z.B. Biotechunternehmen haben diese aber bereits Umsatz und steigende Zinsen fallen nicht vom Himmel. Sie sind ein Zeichen für einen besseren Wirtschaftsausblick. Umsätze dürften schneller steigen als zunächst angenommen.

Daher sind Zinsen und Aktien generell positiv korreliert (Grafik 1). Steigen die Zinsen auf Jahressicht, steigen auch Aktien. Bei Zinsen ist es wie bei allem anderen auch: Die Dosis macht das Gift.


Ein Blick auf die längere Zeitreihe zeigt, dass die Korrelation nicht immer positiv ist. In den 70er und 80er Jahren war sie negativ. Auch ein kleiner Zinsschock 1994 führte zu einer Korrektur am Aktienmarkt. Der Zinsanstieg auf Jahressicht ist in den kommenden Wochen zudem enorm, da die Zinsen vor einem Jahr besonders niedrig waren (Grafik 2).


Es ist schwer zu sagen, wo die Grenze zwischen einem guten Zinsanstieg (der Ausblick hellt sich auf) und Zinsschock liegt. Noch ist der Zinsanstieg verkraftbar. Das Tempo des Zinsanstieg sollte sich aber dringend reduzieren. Geht es in diesem Tempo weiter, ist der Zinsschock nicht mehr fern.

Clemens Schmale


Tipp: Als Abonnent von Godmode PLUS sollten Sie auch Guidants PROmax testen. Es gibt dort tägliche Tradinganregungen, direkten Austausch mit unseren Börsen-Experten in einem speziellen Stream, den Aktien-Screener und Godmode PLUS inclusive. Analysen aus Godmode PLUS werden auch als Basis für Trades in den drei Musterdepots genutzt. Jetzt das neue PROmax abonnieren!