Dieser Frage dürften wir in den kommenden Monaten noch öfter begegnen. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Ganz unmittelbar wären da zum Beispiel die Präsidentschaftswahlen am Sonntag in der Alpenrepublik zu nennen. Norbert Hofer von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) liegt in den Umfragen derart haushoch in Führung, dass alles andere als ein klarer Wahlsieg eine faustdicke Überraschung wäre.

Man sieht sie bereits vor sich, die Schlagzeilen der Massenmedien, die vielleicht schon in der kommenden Woche entsetzt fragen könnten, was denn in die Österreicher gefahren sei. Ob sie denn noch zu retten sind, einem „solchen Mann“ das wichtigste Amt im Staate zu übertragen?

Tatsächlich ist der österreichnische Bundespräsident von herausragender Bedeutung, und keineswegs zum Grüßaugust degradiert, wie der Bewohner von Schloss Bellevue hier zu Lande: In Österreich ist der Bundespräsident nicht nur Oberbefehlshaber über die militärischen Streitkräfte. Gleichzeitig hat er die Befugnis, die Regierung nach eigenem Ermessen zu entlassen. Im Gesetzestext heißt es dazu:

„Zur Entlassung des Bundeskanzlers oder der gesamten Bundesregierung ist ein Vorschlag nicht erforderlich“.

Das erklärt natürlich die nackte Panik, die sich in den Tagen vor dem Urnengang nicht nur in Österreich breit gemacht hat und die unversehens den treuen Parteisoldaten von der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ), Christian Kern, ins Wiener Kanzleramt gespült hat. Natürlich verteilt da nicht nur die BILD-Zeitung ordentlich Vorschusslorbeeren.

Doch die eifrige Steigbügelhilfe des Mainstream könnte sich als Bumerang erweisen. Dann nämlich, wenn Norbert Hofer seine „Drohung“ wahrmachen und sich nach der Stichwahl vom Sonntag als Österreichischer Bundespräsident an der Schweiz ein Vorbild nehmen sollte.

Die dort praktizierte direkte Einflussnahme der Wähler auf den Demokratieprozess gefällt Hofer nämlich offenbar so gut, dass längst auch bei der Europäischen Union die Alarmglocken klingeln.

Nicht auszudenken, wenn sich der Virus einer direkten Demokratie von der Schweiz zuerst auf Österreich und später auf den ganzen Kontinent ausbreiten würde. Wer rettet denn dann beispielsweise den nicht demokratisch legitimierten EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz und all die anderen hochbezahlten Würdenträger in Brüssel oder Straßburg? Gute Frage.

Fragen ganz ähnlicher Art, wenn auch in einem völlig anderen Kontext, stellen sich beim Blick auf das Börsengeschehen von dieser Woche:

Hier geht es beispielsweise darum, ob denn der Bayer-Konzern noch zu retten ist, allen Ernstes die Übernahme von Monsanto anzustreben? Ausgerechnet Bayer und ausgerechnet Monsanto! Soll da etwa zusammenkommen, was zusammengehört? Nach dem Motto: Gleich und Gleich gesellt sich gern?

Eigentlich sollte man annehmen, dass ein Unternehmen wie Bayer aus der eigenen wechselvollen Geschichte gelernt hat.

Doch der Konzern, der den Aufstieg der Nationalsozialisten inklusive des daraus resultierenden Massenmordes an den Juden seinerzeit noch unter der Bezeichnung IG Farben maßgeblich unterstützt und mitfinanziert hat, ist sich nicht zu schade, heute die Übernahme von Monsanto anzustreben, jenem Konzern, der wie kein anderer für die Zerstörung unseres Planten steht, für Geld und Profitgier, ausgetragen auf dem Rücken ausgerechnet der Menschen, die unsere Lebensmittel produzieren.

Und die Moral von der Geschicht`

Vor einiger Zeit hatte mich ein Kollege einmal auf die „herausragenden Chancen“ bei den Aktien einiger Uran-Produzenten hingewiesen. Meine Antwort, dass mir diese Chancen vollkommen gleichgültig sind, weil ich nicht in Firmen investiere, deren Produkte zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen geeignet sind, fand der Kollege wohl ziemlich deplaziert. Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.

Damit kann ich sehr gut leben, denn ich hatte lediglich darauf hingewiesen, dass moralische und ethische Grundsätze auch an der Börse ihre Berechtigung haben. Vielleicht gerade an einem Ort, wo die Jagd nach Rendite dem einen oder anderen schon mal den Verstand vernebelt.

Würde ich Bayer-Aktien besitzen, ich würde sie spätestens nach dieser Woche verkaufen. Denn wer mit Unternehmen wie Monsanto fusionieren möchte, der hat nach meiner ganz persönlichen Auffassung nicht alle Tassen im Schrank und jedenfalls in meinem Depot nichts verloren.

Auch der Hinweis auf einige salbungsvolle Artikel von BILD oder Süddeutscher Zeitung werden mich da nicht umstimmen, denn der Zweck heiligt eben nicht jedes Mittel. Auch nicht an der Börse.

Das führt uns zurück zur eingangs gestellten Frage: Natürlich sind wir noch zu retten. Vorausgesetzt, der Groschen fällt noch rechtzeitig...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.