Neben dem Smart Money gibt es auch das Dumb Money (dummes Geld). Das ist etwas abfällig und bezeichnet Kleinanleger. Trotz der Abfälligkeit ist die Bezeichnung nicht einfach nur eine Beleidigung. Langfristig tendieren Kleinanleger an der Börse dazu Geld zu verlieren, obwohl der Markt über lange Strecken steigt. Nicht zuletzt deswegen empfehlen Investmentgrößen wie Warren Buffett Kleinanlegern einfach einen marktbreiten ETF zu kaufen und diesen zu halten.

Aktives Trading verbrennt unterm Strich nur Geld, anstatt welches zu generieren. Da sind die Kosten, die mit dem Trading verbunden sind und viele psychologische Fallen. Am Ende wird kein oder sehr wenig Geld verdient.

Das Smart Money hingegen verdient Geld, meistens zumindest. Deswegen wäre es gut zu wissen, was es eigentlich tut. Ganz genau kann man das nicht eruieren. Es gibt aber Hinweise. Ein Hinweis ist der Smart Money Flow Index.

Die Idee des Index beruht auf einer einfachen Beobachtung. Privatanleger sind eher zu Börsenbeginn aktiv, Börsenprofis eher am Ende des Handelstages. Das hat viele Ursachen. Eine ist der normale Tagesablauf. Während man im Büro sitzt, Taxi fährt, an der Fleischtheke bedient usw. ist Trading schwierig.

Am Abend wird evaluiert, was der Markt getan hat. Oftmals sind die Börsen dann schon geschlossen. Gab es während des Tages einen Abverkauf, werden Orders gegeben, am nächsten Tag zu verkaufen. Die ersten 30 Minuten sind daher von Orders geprägt, die von Kleinanlegern in den Markt gestellt werden.

Die Profis sehen sich das in Ruhe an. Am Tagesende wird dann gekauft oder verkauft und in der letzten halben Stunde des Handelstages besonders intensiv. Für den Fall, dass weiter verkauft wird, geht der Selloff zur Handelseröffnung am nächsten Tag häufig weiter, weil Kleinanlegern den Profis folgen. Diese nutzen dann den Tag, um billig zu kaufen. Kleinanleger tun das gleiche am nächsten Tag. Das nutzen die Profis, um ihre Positionen mit Gewinn loszuschlagen.

Das ist etwas überspitzt, aber vom Prinzip her funktioniert es so. Dieses Prinzip wird vom Smart Money Flow Index abgebildet (Grafik 1). Der Index läuft dem Markt häufig voraus. Divergenzen zum Markt sind ein Hinweis auf eine Trendumkehr.


In diesem Jahr hat sich der Index nach der Februarkorrektur nicht mehr erholt. Stattdessen ist die Divergenz immer größer geworden. Jetzt entlädt sich das Ganze als neuerliche Korrektur. Dabei ist der Index inzwischen soweit gefallen, dass man wieder Werte wie 2009 und 2002 hat. Damals waren es gute Einstiegspunkte. Bevor man aber kauft, sollte auch der Smart Money Index drehen.

Es gibt natürlich auch Kritik an diesem Index, der eigentlich ganz gut funktioniert. Die letzte halbe Stunde des Handelstages wird auch immer mehr von Privatanlegern genutzt, wenn auch nur indirekt. ETFs nehmen ihr Rebalancing vor und immer mehr Privatanleger halten ETFs. Dem Index wird daher die Aussagekraft von manchen bereits abgesprochen. Bedenkt man, dass über vier Fünftel nicht in ETFs stecken, lässt das aber noch viel Platz für das Smart Money.

So massiv wie der Index eingebrochen ist, wäre es verwunderlich, wenn der Markt jetzt noch einmal 30 % fallen würde. Wenn wir tatsächlich schon im Bärenmarkt sind, dann wird dieser vermutlich gar nicht so schlimm. Zu viele institutionelle Investoren haben im letzten halben Jahr verkauft und warten nur darauf, wieder zu kaufen.

Autor: Clemens Schmale