Starinvestor Warren Buffett warnt nicht erst seit gestern vor der hohen Bewertung der Aktienmärkte. Anteile an qualitativ hochwertigen Unternehmen gebe es kaum noch zu attraktiven Preisen, beklagt sich Buffett schon seit Jahren. Gleichwohl ist Buffett überzeugt davon, dass niemand die kurzfristige Richtung der Aktienmärkte vorhersagen kann – er selbst eingeschlossen.

    WERBUNG

    Wie wappnet sich also Buffett gegen Rückschläge am Markt, wie sie aktuell auftreten? Ein Blick in das Depot von Berkshire Hathaway, der von Warren Buffett geleiteten Investmentholding, zeigt es. Erst am Samstag hat Berkshire Hathaway seine Bilanz für das zweite Quartal vorgelegt. Die Bilanz verrät nicht nur, wie sich das Geschäft von Berkshire Hathaway im zweiten Quartal geschlagen hat, sondern zeigt auch ungefähr, wie Buffett zuletzt am Markt positioniert war. Und sie zeigt, wie Buffett sich vor Börsenturbulenzen wappnet, wie sie aktuell auftreten.

    Am Ende des zweiten Quartals hatte Berkshire Hathaway einen rekordhohen Bestand an Cash und kurzfristigen Staatsanleihen von 122,4 Milliarden Dollar im Portfolio. Damit hat sich der Barbestand gegenüber dem Jahreswechsel noch einmal um rund 10,5 Milliarden Dollar erhöht.

    Buffetts Rezept, um sich vor Rückschlägen nach langen Bullenmärkten zu schützen, ist denkbar einfach: Bereits auf dem Weg zu immer neuen Höchstständen baut er zunehmend Cashreserven auf. Brechen dann irgendwann die Kurse tatsächlich ein, ist Buffett bestens gerüstet, um im großen Stil Aktien zu kaufen. So wie während der Finanzkrise. Wenn die Medien voll sind von Berichten über den bevorstehenden Weltuntergang und die Kurse am Boden liegen, ist nach Buffett der beste Zeitpunkt gekommen, um in den Markt einzusteigen (siehe: So funktioniert Warren Buffetts Goldregen-Strategie).

    Weniger begabte Investoren machen es genau umgekehrt: Je länger die Märkte steigen, desto zuversichtlicher werden sie und desto größere Summen wetten sie auf weiter steigende Kurse. Dabei setzen sie oft auch irrational hohe Hebel ein, um von den Kursgewinnen zu profitieren. Kollabiert dann der Markt irgendwann, haben sie keine Chance, den Verlusten zu entgehen und müssen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt wieder aussteigen.

    Auch wenn der Cashbestand von Berkshire Hathaway im ersten Halbjahr merklich gestiegen ist: Der Bestand an Aktien im Depot ist noch stärker gestiegen, und zwar von 172,8 Milliarden Dollar auf 200,5 Milliarden Dollar. Hauptgrund für den Anstieg waren die Kursgewinne, die der US-Aktienmarkt im ersten Halbjahr 2019 zu verzeichnen hatte. Buffett hat also seine Cashreserven aufgebaut, ohne im großen Stil Aktien zu verkaufen. Den Angaben zufolge verkaufte Berkshire im zweiten Quartal netto Aktien für rund eine Milliarde US-Dollar. Daneben trugen Dividenden sowie Gewinne im operativen Geschäft von Berkshire Hathaway zum Anstieg der Cashreserven bei.

    Mitte August muss Berkshire Hathaway seine Positionen in US-Wertpapieren zum Ende des zweiten Quartals 2019 veröffentlichen. Alle Investoren mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Mio. Dollar müssen dies jeweils 45 Tage nach dem Ende eines Quartals tun. Welche Aktien Berkshire Hathaway im zweiten Quartal gekauft hat und welche Papiere verkauft wurden, erfahren Sie an dieser Stelle.

    Lesen Sie auch: