Die Europäische Zentralbank (EZB) bestimmt nicht nur die Geldpolitik in der Eurozone, sondern sie hat auch einen sehr großen Einfluss auf die Finanzmärkte in Europa und weltweit. Aus diesem Grund müssen Mitglieder des EZB-Rats und des EZB-Direktoriums auch mögliche Interessenkonflikte offenlegen, die sich daraus ergeben könnten, dass sie an Firmen beteiligt sind.

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    Die Pflicht zur Offenlegung bezieht sich sowohl auf börsennotierte Unternehmen als auch auf nicht-börsennotierte Unternehmen. Aktien sind nichts anderes als Anteilsscheine an Aktiengesellschaften. Besitzt ein Mitglied der EZB-Führungsriege also Aktien, so muss er dies offenlegen. Ebenfalls offenlegen muss er, wenn über einen Investmentfonds oder einen ETF indirekt Aktien bzw. andere Firmenanteile hält. Anleihen, Zertifikate oder sonstige Wertpapiere, die keine Beteiligungen an Unternehmen darstellen, müssen hingegen nicht offengelegt werden.

    EZB-Präsident Mario Draghi hält keine Unternehmensbeteiligungen

    EZB-Präsident Mario Draghi, der seit 2011 an der Spitze der EZB steht und sein Amt im Herbst an seinen Nachfolger übergeben wird, besitzt keinerlei Firmenanteile, weder an börsennotierten Unternehmen noch an nicht börsennotierten Unternehmen. Dies zeigt der folgende Screenshot aus dem entsprechenden EZB-Bericht. Ob Draghi Staatsanleihen oder sonstige Wertpapiere hält, ist nicht bekannt und muss auch nicht offengelegt werden. Ebenfalls aus dem Screenshot (Haken in der Box rechts unten) geht aber hervor, dass Draghi mehr als 100.000 Euro auf einem Bankkonto besitzt. Denn auch dies muss offengelegt werden, sofern die Bank unter den einheitlichen europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) fällt. EZB-Präsident Mario Draghi hat also viel Geld auf einem Bankkonto geparkt. Das ist insofern unklug, als durch die Inflation die reale Kaufkraft dieses Geldes beständig abnimmt.

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    Neben Beteiligungen an Unternehmen enthält der EZB-Bericht auch andere mögliche Interessenkonflikte. Ein sehr interessanter möglicher Interessenkonflikt wird allerdings von dem EZB-Bericht nicht benannt, da er nicht Draghi selbst, sondern seinen Sohn Giacomo betrifft. Giacomo Draghi war früher Zinshändler bei Morgan Stanley und ist heute als Portfolio Manager beim Hedgefonds LMR Partners tätig. Giacomo Draghi hat also beruflich viel mit den Finanzmärkten zu tun und könnte womöglich auch monetär profitieren, sollte er im Voraus zum Beispiel von wichtigen EZB-Entscheidungen erfahren. Eine Untersuchung der EU im Jahr 2012 ergab allerdings, dass kein Interessenkonflikt vorliegt. Der folgende Screenshot stammt aus dem Profil von Giacomo Draghi beim sozialen Netzwerk Linked In.

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    Bundesbank-Chef-Weidmann besitzt zwei ETFs

    Auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der als möglicher Nachfolger von EZB-Präsident Mario Draghi gehandelt wird, besitzt direkt keine Aktien. Allerdings besitzt Weidmann Anteile an zwei börsengehandelten Indexfonds (ETFs), die ihrerseits Aktien enthalten. Auch dies wird im EZB-Bericht offengelegt, wie der folgende Screenshot zeigt.

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    Bei den ETFs handelt es sich keineswegs um exotischen Geldanlagen, vielmehr bilden sie einfach die beiden Indizes DAX und MSCI All Country World Index nach.

    • Der DAX enthält die 30 größten und nach Streubesitz-Marktkapitalisierung am meisten gehandelten Aktien am deutschen Aktienmarkt.
    • Der MSCI All Country World Index bildet einen sehr breiten Aktienkorb von Unternehmen aus insgesamt 52 Industrie- und Schwellenländern nach und deckt damit etwa 85 Prozent der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung des weltweiten Aktienmarktes ab. Zum Stichtag 30. April waren im ETF insgesamt 2.771 Aktien enthalten. Da der Index nach Marktkapitalisierung gewichtet ist, hatten US-Aktien zuletzt einen Anteil von gut 55 Prozent am Index. Die größten Einzelwerte waren die Aktien von Microsoft, Apple und Amazon.

    Jens Weidmann legt sein Geld also sehr einfach, aber keineswegs unklug an, nämlich möglichst breit diversifiziert in den weltweiten Aktienmarkt. Da er zu Deutschland ein besonderes Verhältnis hat, besitzt er auch einen ETF auf den DAX und deckt damit den deutschen Aktienmarkt noch einmal besonders ab. In welchem Volumen und in welcher Gewichtung Weidmann Anteile der beiden ETFs hält ist nicht bekannt, ebensowenig wie die Frage, ob es sich um Einmalinvestments oder möglicherweise Sparpläne handelt, bei denen in regelmäßigen Abständen Geld in die jeweiligen ETFs investiert wird.

    Da nicht bekannt ist, zu welchen Zeitpunkten Weidmann Geld in die ETFs investiert hat, kann auch nicht berechnet werden, wie viel Geld der Bundesbank-Chef damit in den vergangenen Jahren verdient hat. Ziemlich klar ist aber, dass Weidmann vom kräftigen Anstieg der Aktienmärkte in den vergangenen Jahren profitiert haben dürfte. Das zeigen auch die folgenden beiden Charts der ETFs, die Weidmann besitzt.

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