• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 12.774,26 Pkt
  • MDAX - Kürzel: MDAX - ISIN: DE0008467416
    Börse: XETRA / Kursstand: 27.546,52 Pkt
  • SDAX - Kürzel: SDXP - ISIN: DE0009653386
    Börse: XETRA / Kursstand: 12.638,91 Pkt
  • TecDAX - Kürzel: TDXP - ISIN: DE0007203275
    Börse: XETRA / Kursstand: 3.098,28 Pkt

Auch als Konsequenz aus dem Wirecard-Debakel könnten die Regeln für den DAX sowie MDAX, SDAX und TecDAX nachhaltig geändert werden. Der zur Deutschen-Börse-Tochter Qontigo gehörende Indexanbieter Stoxx hat eine sogenannte Marktkonsultation gestartet, in deren Rahmen sich die Marktteilnehmer bis zum 4. November zu den geplanten Änderungen äußern können.

Konkret schlägt der Indexanbieter die folgenden Veränderungen vor:

  • Einführung eines Profitabilitätskriteriums: Unternehmen müssten vor einer Aufnahme in den DAX nachweisen, dass sie profitabel sind. Damit hätten beispielsweise die Aktien von Delivery Hero nicht in den DAX aufgenommen werden können. International gibt es teilweise ähnliche Regeln: Im US-Index S&P 500 etwa müssen Unternehmen mindestens vier Quartale lang schwarze Zahlen geschrieben haben, bevor sie in den Index aufgenommen werden können. Sind die Unternehmen einmal im Index enthalten, können sie dort allerdings auch verbleiben, wenn sie keine schwarzen Zahlen mehr schreiben.
  • Pflicht zur fristgerechten Veröffentlichung von Finanzberichten: Unternehmen im DAX müssten künftig fristgerecht ihre Quartalsberichte vorlegen und Unternehmen in MDAX, SDAX und TecDAX fristgerecht ihre testierten Jahresberichte veröffentlichen. Werden diese Vorschriften nicht eingehalten, sind Sanktionsmöglichkeiten geplant, bis hin zum Ausschluss aus dem Index über die sogenannte Fast-Exit-Regel. Die geplante Änderung ist auch eine Konsequenz aus dem Wirecard-Debakel. Der Zahlungsdienstleister hatte längere Zeit keine Berichte mehr veröffentlicht, weil die Bilanzprüfer ihren Segen versagten. Unter den neuen Regeln hätte Wirecard möglicherweise bereits längere Zeit vor dem Kollaps aus dem Index ausgeschlossen werden können.
  • Halbjährliche statt jährliche Veränderungen der Indexzusammensetzung: Die reguläre Prüfung der Indexzusammensetzung könnte halbjährlich statt jährlich erfolgen. Damit könnte die Zusammensetzung schneller auf Veränderungen am Kapitalmarkt reagieren. Bisher gibt es nur bei besonderen Ereignissen auch unterjährige Veränderungen (Fast-Exit-Regel).
  • Verzicht auf Börsenumsatz als Kriterium: Bei der Zusammensetzung der Indizes könnte künftig, wie international üblich, nur noch die Free-Float-Marktkapitalisierung maßgeblich sein und nicht wie bisher zusätzlich auch der Börsenumsatz. Allerdings könnte eine Mindestliquidität der Aktien eingeführt werden, um zu verhindern, dass illiquide Titel in die Indizes aufgenommen werden.
  • Aufstockung des DAX auf 40 Mitglieder und Schrumpfung des MDAX auf 50 Komponenten: Der DAX könnte eventuell von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt werden. Der MDAX würde entsprechend von 60 auf 50 Komponenten schrumpfen. Am SDAX (70 Mitglieder) würde sich nichts ändern. "Es ist kein Geheimnis, dass ich persönlich die Ausweitung des DAX 30 auf einen DAX 40 begrüßen würde", sagte Deutsche-Börse-Vorstandschef Theodor Weimer. Vorläufig wird aber nur die "Marktmeinung zur optimalen Anzahl von Konstituenten für DAX, MDAX und SDAX erhoben (30/60/70 oder 40/50/70)", wie es heißt.
  • Daneben sind zahlreiche weitere Änderungen geplant: Unternehmen mit Umsätzen von mehr als 10 Prozent mit kontroversen Waffen sollen aus den Indizes ausgeschlossen werden. Alle Unternehmen müssten künftig über einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat verfügen. Außerdem wäre die Zugehörigkeit zum Premiumsegment Prime Standard künftig nicht mehr maßgeblich für eine Aufnahme in die Indizes. Stattdessen wäre die Notierung im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse Voraussetzung für die Index-Mitgliedschaft.

Mit den Vorschlägen zieht die Deutsche Börse ihre Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal. Vor allem die Einführung eines Profitabilitätskriteriums bei der DAX-Aufnahme und die Pflicht zur fristgerechten Vorlage von Finanzberichten könnten das Vertrauen der Anleger erhöhen und sind deshalb aus Anlegersicht zu begrüßen.


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