Während im Laufe des vergangenen Jahres Börsengänge mit Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) ein Rekordniveau erreicht haben, stehen die PIPEs bisher noch im Schatten der Aufmerksamkeit. Tatsächlich ist ein PIPE oftmals ein fester Bestandteil eines SPAC. Denn die vom SPAC aufgebrachten Anfangserlöse decken typischerweise nur etwa 25 bis 35 Prozent des Finanzierungsbedarfes für die Übernahme ab. Der Rest wird in der Regel über PIPEs beschafft.

Ein PIPE kommt üblicherweise im De-SPAC-Prozess zum Einsatz: Die Mantelgesellschaft hat sich ein Zielunternehmen ausgesucht und verhandelt mit den Eigentümern über die Bewertung und Transaktionsstruktur. Danach wird bei ausgewählten institutionellen Investoren die Werbetrommel gerührt. Die potenziellen PIPE-Investoren werden anschließend „Over-the-Wall“ gebracht: Sie bekommen privaten Zugang zu dem SPAC-Sponsor, zum Managementteam des Zielunternehmens und zum Datenraum. Dieser enthält typischerweise eine Investorenpräsentation, historische Finanzdaten und Managementprognosen. Der Due-Diligence-Prozess dauert bis zu vier Wochen.

Damit ist ein PIPE fast identisch mit einem traditionellen IPO – mit einer Ausnahme: In PIPEs lässt sich nur auf Einladung investieren, während IPOs allen Investoren offenstehen. Aus Sicht von Lazard-Studienautorin Desiree Sauer sind PIPEs vor allem aus zwei Gründen attraktiv: „Es gibt ein großes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage: Durch den Hype der SPACs ist der Hunger nach PIPE-Kapital größer denn je“, sagt die Expertin. Sie schätzt die Nachfrage nach PIPE-Kapital in den kommenden zwei Jahren auf über 200 Milliarden US-Dollar. „PIPE-Investoren, die traditionell Preisnehmer für Deals waren, werden damit zunehmend zu Preissetzern“, erläutert die Lazard-Expertin.

Noch ein zweiter Grund mache PIPEs zu einem lohnenden Investment: „Es gibt Informationsasymmetrien, die durch den SPAC-Prozess entstehen – diese lassen sich mit PIPEs gezielt nutzen“, sagt Sauer. Denn PIPE-Investoren erhielten frühzeitigen Zugang zu Unternehmensfinanzen und Management der antizipierten Übernahme.

Lazard erwartet daher, dass es weiterhin gute Gelegenheiten geben wird, in hochwertige und gleichzeitig attraktiv bewertete Deals über PIPEs zu investieren. Mit der eigenen PIPE-Strategie strebt Lazard eine Mindestrendite von zirka 14 bis 16 Prozent pro Jahr an. Dabei kann die Investmentbank auf ein eigenes Team aus 26 Fachleuten zurückgreifen, das zirka 32 Milliarden Euro in US-Aktien verwaltet.