• Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
    Börse: Forex Capital Markets / Kursstand: 67,00500 $/bbl.

New York (Godmode-Trader.de) - Während der schwindelerregende Einbruch des Ölpreises (im Falle von WTI im Frühjahr 2020 sogar in den negativen Bereich) für viele Marktteilnehmer noch recht frisch ist, tauchen nun erste Spekulationen auf, dass die Ölpreise bis Ende 2022 wieder die Marke von 100 Dollar/Barrel anpeilen werden.

Die aserbaidschanische Socar Trading SA prognostiziert, dass die Refenzsorte Brent in den kommenden 18 bis 24 Monaten einen dreistelligen Wert erreichen könnte, auch die Bank of America sieht aufgrund verbesserter Fundamentaldaten und globaler Stimulierungsmaßnahmen ein Potenzial für einen Anstieg auf über 100 Dollar je Barrel in den nächsten Jahren, wie Bloomberg berichtet. Spekulanten würden eifrig mitmischen und am Optionsmarkt verstärkt darauf wetten, dass der Ölpreis bis Dezember 2022 die im Fokus stehende Marke erreichen wird.

Diese Ansichten sind extrem bullisch, doch sie unterstreichen das gewachsene und gefestigte Vertrauen in den Ölmarkt, nachdem Brent nach seinem pandemiebedingten 18-Jahres-Tief im vergangenen April um mehr als 200 Prozent gestiegen ist.

Doch geben die fundamentalen Daten eine solch optimistische Prognose überhaupt her? Freilich hat sich die Nachfrage zuletzt erholt, vor allem in Asien. Auf der Angebotsseite stützt das gekappte Angebot des aus 23 Mitgliedern bestehenden Ölstaatenverbunds OPEC+. Aktuell verzichtet die OPEC+ auf eine Mehrproduktion von rund 7 Mio. Barrel täglich. Auch halten unterdurchschnittliche Investitionen der US-Frackingindustrie das dortige Angebot in Schach.

All diese Faktoren haben Rohstoffguru Jeff Currie von Goldman Sachs aktuell dazu bewogen, seine Ölpreisprognose für das dritte Quartal um 10 Dollar auf 75 Dollar/Barrel anzuheben. Übrigens ein Niveau, auf das Saudi-Arabien gezielt hinaus will. Denn erst in dieser Ölpreisgegend erreicht das Königreich einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Dazu ist Riad (noch) bereits, auf Marktanteile zu verzichten und hält freiwillig Öl vom Markt zurück.

Freilich dürfen die Risiken für eine lange Seitwärtsbewegung der Preise oder auch Rücksetzer unter 60 Dollar/Barrel nicht übersehen werden. Ab dem Frühjahr dürften die Länder der OPEC+-Allianz angesichts höherer Ölpreise ihre Produktion wieder anheben wollen. Auch dürfte Saudi-Arabien seine freiwilligen Drosselungen ohne Beteiligung anderer Länder wohl kaum bis zum Sankt-Nimmerleinstag beibehalten. Das OPEC-Kartell verfügt zudem über genügend Reservekapazitäten, um ein etwaiges Defizit zu decken, sollte die Nachfrage nach einer weltweiten Erholung von der Pandemie anziehen. Und ob die Nachfrage perspektivisch in Zeiten einer strengeren Klimaschutz-Regulierung nachhaltig auf altbekannte Niveaus zurückkehren wird, darf ohnehin bezweifelt werden.

Optionswetten auf einen Ölpreisanstieg über 100 Dollar für den Brent-Kontrakt für Dezember 2022 sind laut Bloomberg in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen. Dieser Schwelle kommt eine ganz besondere Bedeutung zu, immerhin notierte Erdöl zu Beginn des letzten Jahrzehnts mehrere Jahre lang um dieses Niveau herum, als die Nachfrage aus den Schwellenländern stark zulegte. Diese Ära endete 2014, als US-Schieferfirmen bewiesen, dass sie massive Mengen zu weitaus niedrigeren Kosten fördern können.

Die Prognosen für einen Brent-Ölpreis von um die 100 Dollar sind aktuell meilenweit vom Konsens entfernt. Der Median der von Bloomberg zusammengestellten Analystenprognosen geht davon aus, dass Brent bis 2025 unter 65 Dollar/Barrel verbleiben wird.

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