In diesem Zusammenhang kann ich nur sehr diesesInterview mit Prof. Dr. Fabian Schär vom Center for Innovative Finance der Universität Basel empfehlen.

In meinem heutigen Artikel möchte ich mich jedoch auf ein bestimmtes Thema aus der weiten Welt der dezentralisierten Finanzmärkte befassen, nämlich dem Thema Staking/Yield Farming. Bevor ich jedoch gleich näher darauf eingehe, eine kleine Warnung vorweg. Es ist in Deutschland immer noch strittig, ob und wenn ja, wie, sich die steuerliche Situation der Kryptos dadurch verändert, wenn man Zinsen kassiert.

Vorab eine Warnung: Klären Sie die steuerliche Lage ab!

Um konkreter zu werden: Laut aktueller Gesetzeslage in Deutschland sind Kursgewinne, die man mit Kryptowährungen erzielt, steuerfrei, wenn man die Coins/Tokens direkt kauft und mindestens ein Jahr lang hält. Nutzt man Staking/Yield Farming und erhält dadurch Zinsen, könnte sich diese Haltefrist bis zur Steuerfreiheit auf bis zu zehn Jahre verlängern. Zudem müssen natürlich auch die Zinsen möglicherweise versteuert werden (hier gelten entsprechende Freibeträge à Sparerpauschbetrag).

Sollten Sie nach diesem Artikel daher auf den Geschmack kommen und Staking oder Yield Farming betreiben, sollten Sie vielleicht vorher mit Ihrem Steuerberater sprechen. Wobei das Problem ist, dass es hier bis dato noch keine einheitliche Regelung gibt. Wenn Sie daher vier Experten fragen, werden Sie im Zweifel fünf verschiedene Meinungen hören. Aber vielleicht kann Ihr Steuerberater wenigstens schon mal mit dem zuständigen Finanzamt ausloten, wie man die Lage dort bewertet.

Was hat es denn nun mit Staking und/oder Yield Farming auf sich?

Proof-of-Work (PoW) vs. Proof-of-Stake (PoS): Was ist Staking?

Beginnen wir mit dem Staking, denn das ist einfacher. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie bei einer Kryptowährung neue Coins erzeugt werden können (es gibt mehr, zum Beispiel auch Baking, aber das ist dann im Prinzip nur eine Sonderform des Staking). Entweder setzt man einen Mining-Algorithmus ein, der auf dem Prinzip des Proof-of-Work (PoW) oder einen, der auf dem Prinzip des Proof-of-Stake (PoS), basiert.

Beim Bitcoin (BTC) hat sich Satoshi Nakamoto für Proof-of-Work entschieden. Die Miner arbeiten also daran, einen neuen Block der Blockchain hinzuzufügen und wer das als erster schafft, bekommt eine Belohnung. Zu Beginn lag diese bei 50 neuen Bitcoins für jeden neu erzeugten Block, nach den drei Halvings sind es inzwischen nur noch 6,25 Bitcoins für jeden neu erzeugten Block. Nicht nur, aber auch dadurch, ergibt sich, dass es niemals mehr als maximal 21 Millionen Bitcoins geben kann.

Beim Proof-of-Stake – Ethereum (ETH) wird in den nächsten Jahren von Proof-of-Work zu Proof-of-Stake umgestellt – ist der Ansatz ein anderer. Hier wird die Belohnung an die Halter der Kryptowährung („Stakeholder“) verlost, wobei man mehr Lose im Topf hat je mehr Coins man hält. Hintergrund ist hier die Annahme, dass diejenigen, die große Bestände halten, sich durch schlechtes Verhalten selbst am meisten schaden, so dass man davon ausgehen kann, dass sich große Stakeholder schon aus Eigeninteresse korrekt verhalten.

Proof-of-Stake (PoS) spart Energie

Da bei Proof-of-Work ungefähr die Hälfte der verrichteten Arbeit am Ende sinn-/zwecklos ist, ist hier der Stromverbrauch deutlich höher. Dies ist bei Proof-of-Stake so nicht der Fall, was auch zur Entscheidung, Ethereum (ETH) umzustellen, beigetragen hat. Allerdings kann man auch den Proof-of-Stake-Ansatz kritisch sehen. So wird hier ja quasi manifestiert, dass die Reichen immer reicher werden, da ja gerade diejenigen, die große Stakes halten, auch am ehesten die Belohnung erhalten. Höre ich da die Linkspartei schon aufschreien?

Was ist also nun Staking. Nun, im Prinzip nichts anderes wie, dass Sie (möglichst) große Bestände einer Kryptowährung kaufen und halten. Manchmal bekommt man dann die Belohnung automatisch, manchmal muss man sie noch in bestimmte Staking Pools einzahlen. Aber letztlich könnte man Staking mit der Geldanlage auf dem Sparbuch vergleichen, außer eben, dass sie keine Euros, sondern Kryptowährungen anlegen und dass sie in der Regel nicht zu einer festen Anlage gezwungen sind (gibt es auch, dann gibt es auch mehr Zinsen!).

Und was ist nun Yield Farming?

Nun, der Begriff kommt im Prinzip aus der Landwirtschaft. Denn Landwirte bauen verschiedene Pflanzen auf einer bestimmten Fläche an, sie betreiben also (im Englischen) „farming“. Nachdem sie sich lange um ihre Pflanzen gekümmert haben, kommt irgendwann die Erntezeit. Und wie sollte es auch anders sein, wird dieser Ertrag auch gemessen und in Relation zum Aufwand gesetzt. Daraus errechnet sich dann eine Rendite, im Englischen: „yield“ genannt.

Genau dies können Sie nun in die Welt der Kryptowährungen übertragen. Denn per Definition ist Yield Farming eine Strategie, die es Menschen ermöglicht, einen fixen oder auch variablen Zins zu erhalten, indem sie in einen bestimmten (DeFi-)Markt investieren. Z.B. die Bereitstellung von Liquidität bei dezentralen Exchanges (DEX).

Welche Risiken gibt es?

Nun, die steuerliche Seite habe ich ja bereits eingangs thematisiert. Darüber hinaus gibt es im Wesentlichen noch zwei weitere Risiken. Erstens können, noch eher beim Yield Farming als beim Staking, gewisse Kosten entstehen. Wenn man daher nur wenig Geld anlegt, kann es passieren, dass der Ertrag trotz gar nicht so mickriger Zinsen nicht einmal diese Kosten deckt. So wird das Yield Farming am Ende zu einem Verlustgeschäft, das man sich besser erspart.

Zudem basiert das gesamte DeFi-System auf Smart Contracts. Wenn diese Smart Contracts Schwachstellen haben, bietet das Angriffsmöglichkeiten für Hacker. Zwar werden oftmals spezielle Unternehmen mit der Prüfung von Smart Contracts („Audit“) beauftragt. Jeden Bug aber kann man kaum entdecken, wie man als Anwender von Software wie Microsoft Windows sicherlich selbst schon bemerkt haben dürfte.

Zu guter Letzt kam es in den vergangenen Wochen gleich zwei Mal vor, dass sich neue DeFi-Projekte als „Scam“ (Betrug) entpuppt haben: MeerKat und TurtleDEX. Konkret handelte es sich dabei um sogenannte „Rugpull Exit Scams“. Nicht einmal, dass die Projekte zuvor von Experten der weltgrößten Krypto-Börse Binance geprüft worden waren, konnte dies verhindern. Seien Sie also, bei aller Euphorie, bitte immer vorsichtig.

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