• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Börse: FOREX / Kursstand: 1,0652 $

Oftmals sind die einfachsten Lösungen die besten. Das gilt auch für das US-Handelsbilanzdefizit. Nur: die Regierung beschäftigt sich nicht mit der einfachen Lösung. Stattdessen wird über Grenzausgleichssteuern, Zölle, Neuverhandlungen von Handelsabkommen und plumper Druck auf andere Länder gesprochen.

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Keine dieser Lösungen ist gut, weil sie das Problem nicht beseitigen. Vielmehr dürften sie das Problem verschärfen. Zölle und Ausgleichssteuern machen ausländische Produkte zwar zunächst teurer, doch dafür dürfte der Dollar in ähnlichem Ausmaß langfristig an Wert gewinnen. Am Ende bleiben ausländische Produkte so attraktiv wie vor den Maßnahmen.

Die Zölle würden für eine Dollaraufwertung sorgen. Das macht amerikanische Produkte im Ausland nicht gerade attraktiver. Sie wären endgültig nicht mehr konkurrenzfähig. Das löst keine Probleme, es verschärft sie.

Wieso über komplexe Gesetze, Steuern und Handelsabkommen überhaupt diskutiert wird, kann man nur mit Verwundern zur Kenntnis nehmen. Die Lösung liegt nämlich auf der Hand und wäre auch mehr oder minder einfach umzusetzen.

Es geht dabei um den Wechselkurs des Dollars. Ist der Dollar stark, weitet sich das Handelsbilanzdefizit aus. Wertet der Dollar ab, schließt sich die Lücke zwischen Importen und Exporten. Die US-Regierung verfolgt seit langem eine Politik des starken Dollars. Sie bekennt sich zu einer starken Währung. Das ist kontraproduktiv.

Anstatt einen starken Dollar zu befürworten, müsste die Regierung auf einen schwachen Dollar setzen. Das gilt für die USA mehr als für jedes andere Land. Durch den Dollar als Weltreservewährung ist die Nachfrage nach Dollar kontinuierlich hoch. Das hält den Dollar auf hohem Niveau. Länder mit Währungen, die keinen so großen Stellenwert haben, zeigen ein anderes Bild.

Grafik 1 zeigt dazu das Auslandsvermögen Großbritanniens, welches stark negativ ist. Es ist negativ, weil Großbritannien wie die USA ein hohes Defizit haben. Um dieses Defizit zu finanzieren, muss sich das Land im Ausland verschulden. Dies geschieht, indem andere Länder Vermögenswerte und Anlagen in Großbritannien kaufen, z.B. Anleihen.

Im Normalfall sehen Defizitländer eine kontinuierliche Abwertung ihrer Währung. Im Fall von Großbritannien trifft dies zu, obwohl das Pfund eine Reservewährung ist (aber mit geringerer Bedeutung). In Ländern, deren Währungen praktisch gar keinen Reservestatus haben, sieht das anders aus. Indien ist so ein Land. Die Rupie wertet unter leichten Schwankungen konsequent ab.

Die Abwertung ist ein natürlicher Effekt der Defizite. In den USA funktioniert dieses Prinzip jedoch nicht, weil die Nachfrage nach Dollar so hoch ist. Der Dollar bleibt dadurch tendenziell eine überbewertete Währung.

Grafik 2 zeigt das Auslandsvermögen der USA und den Dollar-Wechselkurs. Im Gegensatz zu Großbritannien zeigt sich keine kontinuierliche Abwertung mit steigenden Defiziten. Das ist ein Problem. Je stärker und je länger eine Währung überbewertet ist, desto größer wird das Defizit.

Soll das Defizit abgebaut werden, muss der Dollar schwächer werden. Über die Zinspolitik ist das derzeit nicht machbar. Die US-Wirtschaft braucht keine Negativzinsen. Es würde nur zu Ungleichgewichten führen. Stattdessen müsste die Notenbank klassisch im Markt intervenieren und Dollar verkaufen, was das Zeug hält. Die Regierung kann das nicht verordnen, sodass die Chancen für einen solchen Schritt gering sind.

Umsetzbar ist eine Dollarabwertung nur, wenn sich die wichtigsten Währungsräume genau darauf einigen. In den 80er Jahren gelang das schon einmal. Die US-Notenbank würde vermutlich gerne mitziehen, wenn es ein internationales Einverständnis für eine Abwertung gäbe.

Die Defizite kann man beseitigen. Ob das überhaupt Sinn macht, sei dahingestellt. Die USA sind in Dollar verschuldet. Ein Währungsrisiko gibt es nicht. Andere Länder, die ihre Defizite in Fremdwährung finanzieren müssen, sind regelmäßig mit Wirtschaftskrisen konfrontiert. Nicht selten folgt eine massive Abwertung der Währung inklusive Staatsbankrott. In den USA kann das nicht geschehen. Das schlimmste, was passieren kann, ist eine Abwertung des Dollars, wenn die Welt einmal genug vom Dollar hat. Schlimm ist das nicht, denn das würde das Problem dann auf natürliche Art und Weise lösen.

Clemens Schmale

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