Die Warnungen vor einem Ende des Bullenmarktes an der Wall Street häufen sich. Doch nun hat sich mit Paul Tudor Jones eine Hedgefonds-Legende zu Wort gemeldet, die sogar noch eine Intensivierung des Bullenmarkts bei US-Aktien erwartet.

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Zwar sieht auch Paul Tudor Jones die steigenden Zinsen mittel- bis langfristig als Risiko für den US-Aktienmarkt. Jones verweist aber in einem Interview mit dem US-Finanzsender CNBC darauf, dass sich die Realzinsen, also die Zinsen abzüglich der Inflation, in den USA weiter im negativen Bereich befinden. Nimmt man als kurzfristigen Realzins die Differenz aus dem effektiven Fed-Leitzins und der Inflationsrate auf Jahressicht, so liegen die kurzfristigen Realzinsen in den USA aktuell bei -1,0 Prozent.

Angesichts des starken Wachstums bei vielen Unternehmen im Tech-Sektor seien die Zinserhöhungen bei einem derart niedrigen Zinsniveau fast zu vernachlässigen, sagte Jones. "Wenn man viele Tech-Unternehmen hat, die mit 20 Prozent pro Jahr wachsen, was für eine Rolle spielt da eine Zinserhöhung um 1,00 Prozent?"

Im dritten und vierten Quartal dürften die Zinsen deutlich zulegen, was aber den Aktienmarkt vorerst nicht bremsen werden, so Jones. "Und ich denke, dass der Aktienmarkt auch die Möglichkeit hat, Ende des Jahres viel höher zu steigen. ... Ich kann sehen, dass die Dinge besonders am Jahresende nach den US-Zwischenwahlen verrückt werden ... auf der Oberseite", sagte Jones.

Das dritte und vierte Quartal könnten "fantastische Tradingzeiten" werden, so Jones. Vorher dürfte es aber eine "Sommerflaute" geben. Er selbst habe aktuell kaum noch Makropositionen am Markt, so Jones. "Ich kann mich nicht erinnern wie viele Jahre es her ist, dass meine Positionen so gering waren", sagte Jones.

Mittel- bis langfristig erwartet Jones, dass der aktuelle Bullenmarkt bei US-Aktien mit einer "Blow-Off-Rally" enden könnte. Darunter versteht man einen extrem starken und sich beschleunigenden Anstieg vor dem Crash. Auslöser für den Einbruch dürften laut Jones dann steigende Zinsen sein. Aktuell befinde sich der US-Aktienmarkt ungefähr da, wo er sich im Jahr 1999 oder wo sich der japanische Aktienmarkt im Jahr 1989 befunden habe. Auch damals hatten starke fiskalische Impulse den Markt in die Höhe schießen lassen, bevor es zum bösen Erwachen kam.

"Ich denke, dass es mit viel höheren Preisen enden wird und die Fed dazu gezwungen sein wird, es abzuschalten", so Jones. "Wenn man den Aktienmarkt im Verhältnis zum BIP betrachtet, sind wir auf einem Niveau, das historisch in einigen anderen Ländern zu einer Blow-Off-Rally und dann zu einer Art wirtschaftlichem Abschwung führte. ... Es ist eine alte Geschichte, die wir wahrscheinlich wiederholen werden."

Heute startet mit dem Goldman Sachs JUST U.S. Large Cap Equity ETF ein von Paul Tudor Jones in Kooperation mit Goldman Sachs entwickelter ETF, der in Unternehmen investiert, die sich sozial, ökologisch und ökonomisch vorbildlich verhalten. Um entsprechende Unternehmen zu identifizieren, werden zahlreiche Kennzahlen ausgewertet, die sich laut Jones zu sieben "Treibern" verdichten lassen.

"Der erste Treiber ist: Wie bezahlt und behandelt das Unternehmen seine Mitarbeiter? Das sind 23 Prozent. Der zweitwichtigste ist: Wie werden Kunden behandelt? Das sind 19 Prozent. Und der drittwichtigste Punkt mit 17 Prozent ist, ob das Unternehmen qualitativ hochwertige, billige und sozial förderliche Produkte herstellt", sagte Jones. Weitere Kriterien seien, ob das Unternehmen ökologisch nachhaltig wirtschafte, ein gutes Verhältnis zur Gesellschaft habe und im Inland neue Jobs schaffe. Das unwichtigste Kriterium mit 6 Prozent sei, wie Aktionäre und das Management behandelt würden.

Schon eine sehr grobe Auswertung habe gezeigt, dass Unternehmen, die sich sozial, ökologisch und ökonomisch vorbildlich verhalten, eigentlich immer auch Outperformer am Aktienmarkt seien.

"Ich denke, es wird ein wirklich großer ETF werden. Ich denke, er wird dem S&P und dem Nasdaq Konkurrenz machen", so Jones.


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