Anleger gewannen im April die Zuversicht, dass sich die Wirtschaft schnell wieder erholen würde. Den Optimismus kann man nur bewundern. Mit jedem Tag, der verstreicht, wird offensichtlicher, dass es länger dauern wird. Das gilt nicht nur für die eigentliche Öffnung der Wirtschaft. Diese findet in Phasen statt. Vor dem Winter ist kaum mit einer kompletten Normalisierung zu rechnen.

Es gilt aber auch für die, die die Wirtschaft am Laufen halten. Ohne die Bürger, die konsumieren, können noch so viele Geschäfte geöffnet sein. Es hilft nichts, wenn nicht eingekauft wird. Kurzfristig hat sich Nachfrage aufgestaut. Das gilt vor allem für Dienstleistungen (z.B. Friseur) und saisonale Güter (z.B. Gartenmaterial und Pflanzen).

Nach diesem einmaligen Nachfrageschub sieht es düster aus. Das liegt vor allem daran, dass die Perspektiven für Konsumenten düster sind. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant an. Das wissen wir. Bisher wurde danach mit einem ebenso starken Rückgang gerechnet. Das kann man vergessen. Stattdessen dürfte die Arbeitslosigkeit längere Zeit hoch bleiben.

In den USA ist nicht vor Ende 2021 mit einstelligen Arbeitslosenraten zu rechnen. In Spanien dürfte die Quote Ende 2021 fast vier Punkte höher sein als im Februar 2020. In Frankreich dürfte die Quote sogar permanent ein höheres Niveau erreichen (Grafik 1).


Wer keine Arbeit hat, hat auch weniger Geld für den Konsum. Wer Einkommen hat, spart es. In den USA schoss die Sparquote auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten (Grafik 2). Es sind also einerseits weniger Beschäftigte und damit weniger Einkommen, das ausgegeben werden kann und andererseits wird mehr Einkommen gespart. Das wirkt nicht nach einem schnellen Rebound.


Das sehen auch Banken so. In den USA wird kräftig vorgesorgt. Die Vorsorge für faule Kredite steigt schneller als zur Zeit der Finanzkrise. Die Vorsorge steigt in Rezessionen immer. In einer normalen Rezession wie etwa 2001-2002 ist der Anstieg moderat. Von moderat kann derzeit keine Rede sein. Es wird so viel in die Reserven geschaufelt wie nur möglich.


Eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist von zwei Faktoren abhängig. Einerseits muss die Wirtschaft offen sein und andererseits müssen die Konsumenten davon auch Gebrauch machen. Beim ersten hapert es schon und beim zweiten deutet alles darauf hin, dass Konsumenten nur sehr zurückhaltend davon Gebrauch machen.

Das ist auch für die Börse wichtig. Am Ende kaufen Anleger Aktien, um am Gewinn der Unternehmen teilzuhaben. Dieser Gewinn kommt vom Konsum. Dieser bleibt auf absehbare Zeit eingeschränkt. Aus fundamentaler Sicht werden neue Allzeithochs lange nicht erreicht werden.

Clemens Schmale


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