Staaten weltweit entgehen jährlich hohe Milliardenbeträge an Steuereinnahmen, weil Bürger und Unternehmen ihr Geld vor dem Fiskus in Sicherheit bringen. Wenn man sein Geld schon vor der Steuer schützen will, dann natürlich dort, wo wenig Steuern anfallen.

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Das Ausmaß der Steuerflucht wurde eindrucksvoll durch die Panama und Paradise Papers unterstrichen. Es ist ein grundlegendes und globales Problem. Die meisten Unternehmen nutzen Gesetzeslücken für die Steueroptimierung bzw. verschieben ihre Gewinne einfach dorthin, wo die Steuersätze niedrig sind.

Ein beliebtes Instrument, um Gewinne zu verschieben, sind Lizenzgebühren. So erwirtschaftet ein Unternehmen beispielsweise in Deutschland hohe Umsätze und letztlich auch Gewinne, doch Steuern fallen kaum an. Das liegt daran, dass die Muttergesellschaft z.B. in Irland sitzt und der deutschen Tochtergesellschaft hohe Lizenzgebühren aufbrummt. Diese Kosten schmälern den Gewinn, sodass weniger Steuern anfallen. Das ist ganz legal, wenn auch leicht zu durchschauen und moralisch fragwürdig.

Bei Privatpersonen ist die Sache nicht so einfach. Hier geht es auch meist nicht darum Einkommenssteuern zu sparen, sondern Steuern auf Kapitaleinkünfte. Wer hier sparen will, muss sein Geld ins Ausland schaffen und hoffen, dass der heimische Fiskus davon nichts mitbekommt. Früher war das recht einfach machbar. Das Bankgeheimnis machte es möglich. Mit immer mehr Transparenz und Datenaustausch wird das Verstecken von Vermögen schwieriger.

Transparenz trocknet Steueroasen langfristig aus. Bis es soweit ist, vergeht jedoch noch viel Zeit und Steueroasen haben für viele auch noch einen ganz anderen Sinn als Steuerhintergehung. Eine Studie zeigt auf wie viel des Privatvermögens im Ausland gelagert wird. Die Grafik zeigt einzelne Beispiele.

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Die Daten sind nicht mehr ganz frisch (ungefähr 10 Jahre alt), doch sie zeigen ein interessantes Bild. Es gibt Länder, die relativ niedrige Werte ausweisen und solche, bei denen fast das gesamte Vermögen im Ausland liegt. Dass der Wert für China niedrig ist, überrascht nicht. Hier sorgen Kapitalverkehrskontrollen dafür, dass viele ihr Vermögen schlichtweg nicht verschieben können.

Auffällig ist, dass viel reiche Länder vergleichsweise wenig Vermögen verschieben. Das liegt wohl kaum an niedrigen Steuern. Norwegen ist für seine hohen Steuern bekannt. Trotzdem wird wenig Vermögen ins Ausland geschafft. Das kann man von Ländern wie Venezuela nicht gerade sagen.

Es geht also um mehr als nur Steuersätze. Es geht auch um Sicherheit. Die Motivation für wohlhabende Russen ist eine andere als für wohlhabende Amerikaner. Bei letzteren geht es vermutlich um Steuervermeidung. Bei ersteren um Sicherheit. Wer weiß schon, wann der Staat kommt, das Vermögen beschlagnahmt und einen ins Gefängnis steckt?

Je stabiler und zuverlässiger Staaten auf politischer Ebene sind, desto unwahrscheinlicher ist die Vermögensflucht. In Ländern wie Deutschland gibt es zwar die Stabilität, dafür sollen Steuern hinterzogen werden. Die Motivation für die Nutzung von Steueroasen ist durchaus verschieden. Für den deutschen Finanzminister ist das nur ein geringer Trost. Steueroasen dienen aber nicht nur der Steuerflucht, sondern auch der Sicherheit gegen willkürliche Staatsgewalt.

Das ist natürlich überhaupt keine Entschuldigung. Es kann nicht sein, dass Menschen mit hohem Einkommen alle Leistungen beanspruchen, dafür aber weniger zahlen als andere. Würde jeder seine Steuern zahlen, könnten die Einkommenssteuern vermutlich generell sinken. Dann fällt auch das Argument weg, dass die Steuern generell zu hoch seien.

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