Die Stimmung an den Ölmärkten ist schon seit Wochen ziemlich mies. Der Abverkauf wurde getrieben von der Erwartung einer deutlich steigenden Ölproduktion außerhalb der OPEC-Länder, der geringen Besorgnis über die geopolitische Situation und dem Eindruck, dass die OPEC sich einem fallenden Ölpreis nicht in den Weg stellen werde. Die schwache Hurrikansaison in den USA und ein schwacher El Nino, der die Erwartung eines milden Winters in den USA und Europa nährt, trugen ihren Teil zum Abverkauf bei.

    Die Stimmung ist gekippt. Kursziele jenseits der 100 Dollar Marke für das Fass Erdöl rücken in weite Ferne, Solar-, Bioenergie- und Windkraftaktien sind „out“. Die Diskussionen über Ethanol, Biodiesel und gar über die Verflüssigung von Kohle haben sich beruhigt. Ernüchterung macht sich breit. US-Präsident George W. Bush sprach in seiner Aufsehen erregenden Rede Anfang des Jahres davon, dass die USA „abhängig“ vom Erdöl aus dem Mittleren Osten seien, eine klare Botschaft für die OPEC-Staaten. Sie reagieren nun sehr unsicher, was die Beschließung von Fördermengenkürzungen anbelangt. Eigentlich wurde in der letzten Woche der Beschluss gefasst, die Fördermenge um 1,2 Millionen Barrel zu drosseln. Gerüchten zufolge soll die OPEC diesen Beschluss nun wieder rückgängig machen wollen. Unter anderem äußerte sich die Internationale Energieagentur kritisch zu diesem Beschluss, der das Ölangebot genau vor der verbrauchsstarken Winterzeit drosseln würde.

    Mit dieser Kritik hat sie wohl auch im Auge, dass die USA bald ihre strategischen Ölbestände weiter auffüllen müssen. Im Vorfeld der Kongresswahlen im November hat die US-Regierung die Auffüllung der strategischen Lager gestoppt, wohl um das Ölangebot auf dem Markt künstlich zu erhöhen und die Wähler mit günstigen Benzinprisen im Vorfeld der Wahlen zufrieden zu stellen. Daher könnte es ein guter Zeitpunkt sein, Erdöl nach den Kongresswahlen am 7. November zu kaufen, da danach die Wiederauffüllung der Lagerbestände höchstwahrscheinlich wieder beginnen wird. Noch immer fehlen 11,7 Millionen Fass Erdöl, um die strategischen Reserven der USA wieder auf Normalmaß von 700 Millionen Barrel bringen zu können.

    Angesichts der Erwartung eines milden Winters in den USA steht Heizöl möglicherweise vor weiteren Preisrückgängen. Eine so genannte „bärische Flagge“ hat sich im Heizölchart ausgebildet, die weitere Preisabgaben ankündigt (siehe Chart). Sollte der Erdölpreis nach oben drehen, so wird das jedoch auch an Heizöl nicht spurlos vorüber gehen. Wie immer empfiehlt sich also das Setzen von Stopps.

    Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur des Rohstoff-Report

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