London (Godmode-Trader.de) - Je länger die Politik mit dem Klimaschutz wartet, desto größer ist das Risiko kollabierender Vermögenswerte, wenn die Regierungen zu einer verspäteten Vollbremsung gezwungen werden. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des britischen Analysehauses Carbon Tracker. Die Länder hätten sich im Pariser Klimaschutzabkommen dazu verpflichtet, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, aber die derzeitige Politik fahre einen Kurs, der zu einer Erwärmung von mindestens 2,8 bis 3,0 Grad führe. „Ölfirmen, die zukünftige Investitionen „business as usual" angehen, riskieren, dass der Wert ihrer neuen Projekte durch eine härtere Politik halbiert wird“, heißt es in der Analyse.

Der wachsende öffentliche Druck - teilweise von einer Zunahme alarmierender extremer Wetterereignisse getrieben - und sinkende Kosten für saubere Technologien werden die Gesetzgeber letztendlich zu entschlossenem Handeln zwingen, so der Think Tank. Andrew Grant, leitender Öl- und Gasanalyst und Autor der Studie, sagte: „Wir wissen nicht, wann und wie eine unvermeidliche politische Reaktion kommen wird, und wieweit es für Energieunternehmen schwierig wird, zu planen. Diese riskieren jedoch, mit Milliardenkosten zurückzubleiben, wenn sie davon ausgehen, dass die Regierungen keine energischen Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels ergreifen werden. Wenn sie sich im Voraus vorbereiten und ihre Investitionen an den Klimazielen ausrichten, werden sie unter allen Umständen die höchsten Renditen bei geringstem Risiko erzielen“.

Das Expertenhaus kam demnach zu dem Ergebnis, dass die meisten Ölfirmen wichtige Faktoren wie den CO2-Preis und andere regulatorische Maßnahmen aktuell nicht in ihren neuen Projekten einpreisen. Ölfirmen, die nur investieren, um das angenommene Nachfragewachstum zu befriedigen, tragen ein immer größeres Risiko, dass ihre Investments hinten raus nichts mehr wert sind, wenn sie notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels hinausschieben.

Die Experten warnten auch Investoren davor, eine höhere Rendite einzufordern, um das Risiko auszugleichen, wenn Unternehmen kostenintensive Projekte verfolgen, die sich auf höhere Ölpreise stützen. Von den großen Ölkonzernen wären ExxonMobil, ConocoPhillips und Chevron am stärksten dem Preisverfall ausgesetzt.

Grundlage der Berechnungen ist das von den Vereinten Nationen entwickelte IPR-Szenario (Inevitable Policy Response). Die IPR geht davon aus, dass bis 2025 zwangsläufig eine harte Reaktion der Politik auf den Klimawandel erfolgen wird. Der Bericht bewertet die Auswirkungen eines geistigen Eigentumsrechts im Jahr 2025, das „aufgrund der Verzögerung energisch, abrupt und ungeordnet" ist und zu einem starken Rückgang der Ölpreise führt, und wie sich dies auf den Wert der Projekte auswirken könnte, die von 2019 bis 2025 geplant sind. Grant: „Die Auswirkungen werden wahrscheinlich für Projekte, die kurz vor der ersten unvermeidlichen politischen Reaktion in Betrieb genommen werden, am größten sein. Wenn die Produzenten im Vorfeld eines solchen Ergebnisses konservativ planen würden, würde dies natürlich die Auswirkungen verringern“.

Die Analysten weisen in ihrer Studie darauf hin, dass Ölkonzerne, die mit einer erhöhten Sensibilität auf die Entwicklung des Ölpreises reagieren, auch ein höheres Risiko ausweisen. Dementsprechend seien solche risikoreichen Unternehmen weniger wert, da mit ihnen höhere Kosten verbunden werden. „Wir sind der Ansicht, dass Ölgesellschaften mit höheren Kosten und höherem Risiko beim Energiewechsel eher unterdurchschnittlich abschneiden und damit ein größeres Potenzial zur Zerstörung des Shareholder Value haben."

„Die Politik muss jetzt ein Signal senden, sonst kommt das Big Oil seine Anleger teuer zu stehen“, fordert Experte Grant.