Wird die japanische Notenbank beim Zinsentscheid am Freitag die Märkte erneut enttäuschen und keine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik ankündigen? Obwohl sich die Bank of Japan zuletzt deutlich zurückgehalten hat mit Äußerungen, die auf eine weitere Lockerung hindeuten, preisen die Märkte neue Maßnahmen der japanischen Notenbank ein. Dabei ist aber überhaupt nicht klar, um welche neuen Maßnahmen es sich überhaupt handeln könnte. Denn der Bank of Japan gehen so langsam die Möglichkeiten aus:

    • Die Einführung von "Helikoptergeld" (direkte Geldspritzen der Zentralbank an den Staat oder die Bürger) wurde von BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda erst in der letzten Woche mit klaren Worten abgelehnt. Für Helikoptergeld gebe es weder eine Notwendigkeit noch eine Möglichkeit, sagte Kuroda am vergangenen Donnerstag der BBC. (Link: Bank of Japan sieht keine Notwendigkeit für Helikoptergeld)
    • Eine volumenmäßige Ausweitung der Anleihenkäufe der Bank of Japan scheint relativ unwahrscheinlich. Denn schon bei der jetzigen Geschwindigkeit der Geldmengenausweitung von 80 Billionen Yen pro Jahr drohen der japanischen Notenbank in den kommenden Jahren die Wertpapiere auszugehen, die sie überhaupt kaufen kann. Schon jetzt hält die japanische Notenbank 33,9 Prozent alle japanischen Staatsanleihen in ihrer Bilanz. Beim jetzigen Tempo der Wertpapierkäufe dürften es 2018 schon mehr als 50 Prozent sein. Mehr kann die Bank of Japan eigentlich nicht kaufen, ohne die gigantische Marktmanipulation offenkundig werden zu lassen und eine dramatische Währungskrise auszulösen.
    • Die Ausweitung der Käufe von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und Immobilientrusts (REITS) scheint ebenfalls unwahrscheinlich, obwohl genau das von einigen Banken erwartet wird. Denn bereits jetzt besitzt die Bank of Japan mehr als die Hälfte des gesamten ETF-Volumens in Japan!
    • Negative Einlagezinsen hat die Bank of Japan im Januar 2016 eingeführt. Die Einlagezinsen könnten zwar weiter in den negativen Bereich gesenkt werden, doch das würde die Ertragssituation der japanischen Banken (um die es ohnehin nicht gut bestellt ist), weiter belasten. Würde auch der eigentliche Leitzins in den negativen Bereich gesenkt, könnte das die Banken zwar entlasten, dürfte der Öffentlichkeit aber nur schwer vermittelbar sein. Denn dann müssten die Banken weniger an die Zentralbank zurückzahlen, als sie sich von ihr leihen. Die Notenbank würde also gewissermaßen Geld drucken und kostenlos an die Banken verteilen.

    Fazit: Die Bank of Japan hat aktuell kaum noch realistische Möglichkeiten, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Mehr als "kosmetische Maßnahmen" dürfte es deshalb beim morgigen Zinsentscheid nicht geben. Der große Wurf ist nicht zu erwarten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Konjunkturpaket der japanischen Regierung mit umgerechnet 241 Milliarden Euro noch viel größer ausfallen soll als bisher erwartet. Die Regierung weiß vielleicht schon, dass mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik nicht mehr zu rechnen ist.

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    Ende Juni hielt BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda eine Rede an der Elitehochschule Keio-Universität in Tokio. Die Rede hörte sich stellenweise wie eine Rechtfertigung des Notenbankgouverneurs an. Der Tenor: Die Bank of Japan hat in den vergangenen Jahren bereits sehr viel getan. Die folgende Grafik aus der Präsentation von Kuroda zeigt die wichtigsten Maßnahmen der Notenbank, die damit zusammenhängende Ausweitung der Geldbasis (rote Kurve) und den Bestand japanischer Staatsanleihen in der BoJ-Bilanz (blaue Kurve). "Mehr können wir nicht mehr tun" sagte Kuroda zwar nicht, aber dem einen oder anderen Zuhörer dürfte dieser Satz durchaus in den Sinn gekommen sein.

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    Insgesamt dürfte es also sehr wahrscheinlich sein, dass die Märkte morgen früh enttäuscht auf die Entscheidungen der Bank of Japan reagieren werden. Bei vier der fünf letzten Zinssitzungen der japanischen Notenbank schloss der Nikkei im Minus. Bei den beiden letzten Terminen betrugen die Kursverluste sogar drei Prozent oder mehr und führten auch in Deutschland im DAX anfänglich zu deutlichen Kursverlusten. Am 16. Juni betruf das Minus zur DAX-Eröffnung knapp zwei Prozent.

    Termin der BoJ-Zinssitzung Kursveränderung im Nikkei 225 (Schlusskurs)
    16. Juni 2016  -3,0 %
    28. April 2016  -3,6 %
    15. März 2016  -0,7 %
    29. Januar 2016  +2,8 
    18. Dezember 2015  -1,9 

    Der Yen könnte seine Aufwertung fortsetzen, was gleichbedeutend mit Kursverlusten im Währungspaar USD/JPY ist. Das bedeutet auch für den DAX nichts Gutes, denn der DAX weist seit Jahren eine hohe Korrelation mit diesem Währungspaar auf (Link: Der DAX hat ein Yen-Problem).

    Hohe Korrelation zwischen DAX und USD/JPY