Steigende M&A-Aktivitäten und positive Konjunkturdaten ließen die Zuversicht in ein weiteres Wachstum der US-Wirtschaft auf aktuellem Niveau steigen und bescherten den US-Aktienmärkten in dieser Woche Zugewinne. So gab Oracle Pläne zum Kauf von PeopleSoft bekannt, während Sprint und Nextel ihren Zusammenschluss ankündigten. Wie erwartet, hob die US-Notenbank (Fed) die Zinsen auf 2,25% an. Der Begleitkommentar wurde als positiv für die Märkte gewertet, und auch die Einzelhandelsumsätze sowie die Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung fielen positiv aus. Zum Teil zunichte gemacht wurden die Zugewinne jedoch durch einen Bericht, aus dem ein Anstieg der Inflation hervorging, sowie durch die Nachricht, dass Fannie Mae möglicherweise seinen Gewinn auf Anordnung der SEC um 9 Mrd. US$ höher ausweisen muss. Auch Bedenken hinsichtlich der Medikamentensicherheit in der Gesundheitsbranche drückten auf die Stimmung.

Positive Berichte zur US-Wirtschaft verhalfen den japanischen Aktienmärkten zu Kursgewinnen. Exporteure führten die Liste der Gewinner an, nachdem die Einzelhandelsumsätze in den USA für positive Überraschung gesorgt hatten und die Fed bekräftigte, dass sie an ihren gemäßigten Zinsschritten festhalten werde. Laut dem Gouverneur der Bank von Japan, Fukui, wird die japanische Wirtschaft auf Wachstumskurs bleiben, auch wenn die Tankan-Umfrage zum Geschäftsklima etwas anderes signalisiert. Als Reaktion auf diese Äußerung legten japanische Werte zu. Der Nikkei stieg um 3% und der breiter gefasste Topix um 2,5%.

An den europäischen Aktienmärkten schlossen die meisten Leitindizes im Plus. Sie profitierten vor allem von der Aussicht auf anziehende M&A-Aktivitäten. Das laufende Quartal hat sich gemessen am Volumen als das an Fusionen und Übernahmen reichste Quartal seit dem dritten Quartal 2000 erwiesen, während die Unternehmen gleichzeitig über umfangreiche Barreserven verfügen. Als positiv für die Märkte erwies sich auch das starke Ergebnis des deutschen Ifo-Geschäftsklimaindexes.

In Großbritannien brach der Kurs von Astra-Zeneca ein, nachdem aus einer Studie hervorging, dass sein Medikament gegen Lungenkrebs keine signifikante Verlängerung der Lebensdauer bewirkt. Dies bescherte der gesamten Gesundheitsbranche Kurseinbrüche. Finanzwerte verbesserten sich, nachdem HBOS und Lloyds besser als erwartete Prognosen vorlegten. Das Schlusslicht bildete Cairn Energy, dessen Kurs um 24% in die Knie ging, nachdem man einräumen musste, dass es nicht gelungen war, neue Ölreserven zu erschließen.

Die Kurse an den asiatisch-pazifischen Märkten legten als Reaktion auf gute Nachrichten zur US-Wirtschaft zu, die insgesamt als positiv für asiatische Exporteure gewertet werden. Sämtliche Leitindizes schlossen im Plus, Ausnahmen bildeten die Indizes in Neuseeland und China.

In Lateinamerika verbesserte sich der brasilianische Bovespa-Index, denn die rückläufige Teuerungsrate heizte die Spekulationen darüber an, dass die Zinsen bei 17,75% ihren Höhepunkt erreicht haben und im neuen Jahr fallen könnten.

An den aufstrebenden Märkten Europas wurden anfängliche Kursgewinne in Russland durch die anhaltenden Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung bei Yukos zunichte gemacht. So hatte das staatliche Gasunternehmen Gazprom die Abgabe eines Übernahmeangebots für die Kernsparte von Yukos bekannt gegeben, obwohl dies per US-Gerichtsverfügung unzulässig ist.

An den Staatsanleihemärkten kletterten die Renditen von US-Treasuries nach oben, nachdem die Inflation stärker als erwartet gestiegen war, denn dies lässt vermuten, dass es angesichts der Notwendigkeit, die Inflation zu bremsen, keine Verschnaufpause bei den Zinserhöhungen geben wird. Für weiteren Aufwärtsdruck auf die Renditen sorgten die positiven Beschäftigungs- und Absatzzahlen.

An den Devisenmärkten verbilligte sich der US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Yen, obwohl das US-Leistungsbilanzdefizit im dritten Quartal auf 164,7 Mrd. US$ und damit weniger als befürchtet angestiegen war. Den Angaben des US-Finanzministeriums zufolge ist der Zustrom ausländischen Kapitals in die USA rückläufig, was die Nachfrage nach US-Dollar bremst.

An den Rohstoffmärkten konnte Gold einen Teil seiner jüngsten Verluste wettmachen, während Kupfer sich angesichts der Anzeichen für ein Abschmelzen der Vorräte verteuerte. Öl verteuerte sich als Reaktion auf die Nachricht, dass die Heizölvorräte schwinden und für die USA ein harter Winter vorausgesagt wird.

Stützen Fundamentaldaten den US-Dollar?

Unterstützung für den US-Dollar kommt derzeit vermehrt von Seiten der Fundamentaldaten: So arbeitet das Zinsgefälle gegenüber der Eurozone erstmals seit drei Jahren wieder zu Gunsten der USA, der Wachstumsabstand gegenüber Japan dürfte sich 2005 weiter vergrößern, nachdem er 2004 geschrumpft war, und die Bewertungen sind insgesamt günstig. Während die „positive“ Seite der Dollar-Schwäche in Form reflationärer Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zur Kenntnis genommen wird, werden die „negativen“ Auswirkungen kaum beachtet. Hierbei denken wir vor allem an die Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne in Europa, Australien und dem Fernen Osten im Vergleich zu 2004, wenn die Währungsabsicherungen auslaufen, oder daran, dass US-Dollar- (sowie dollargekoppelte) Transaktionen an Wert einbüßen, wenn sie in Landeswährung ausgewiesen werden.

Fusionen und Übernahmen ziehen an

Eine der häufig gestellten Fragen lautete 2004, ob Firmen mit zunehmendem Cashflow Fusionen und Übernahmen wohl verstärkt als Option ins Auge fassen würden. Nun, da sich das Jahr dem Ende nähert, ziehen Fusionen und Übernahmen merklich an. So beläuft sich das in der letzten Woche angekündigte Transaktionsvolumen unter Beteiligung von Nextel, Guidant und Veritas beispielsweise auf annähernd 80 Mrd. US$. Seit Jahresbeginn liegen die Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 1,9 Billionen US$ um annähernd 50% über der Gesamtzahl für 2003. Ob diese Trends jedoch für die Aktienmärkte positiv sind oder nicht, hängt vor allem davon ab, ob die Fusionen und Übernahmen durch Barmittel oder Aktientausch finanziert werden. Von den erwähnten Deals soll einzig der Veritas-Symantec-Deal rein über Aktientausch abgewickelt werden, während alle anderen zumindest eine Barmittelkomponente beinhalten. Eine Rückkehr zu der Ende der 90er Jahre beliebten Finanzierung per Aktientausch würde den Aktienmärkten keinen zusätzlichen Kapitalzustrom bescheren und wäre daher eine wenig willkommene Entwicklung. Als Negativbeispiel dient das Jahr 2000 mit den höchsten jemals gemessenen M&A-Aktivitäten (fast 3 Billionen US$), die sich jedoch alles andere als positiv auf die Aktienmärkte auswirkten.

Quelle: Merrill Lynch Investment Managers (MLIM)

Merrill Lynch Investment Managers (MLIM) wurde 1976 gegründet und ist mittlerweile eine der größten Investmentfirmen der Welt. Das verwaltete Vermögen beträgt rund 500 Mrd. US-Dollar (per 31. Dezember 2003). Als das Tochterunternehmen für Vermögensverwaltung von Merrill Lynch verfügt MLIM über eine breite Auswahl an prämierten Anlagefonds und umfassenden Einblick in die Märkte.