Neulich war ich auf einer Veranstaltung, die sich mit dem Thema Wirtschaftsordnung und Geldsystem befasste. Im Grundsatz ging es dabei um die Frage, was wir alle in Zukunft besser machen könnten. Im Verlauf der Diskussion wurde unter anderem deutlich, warum derzeit so viele Menschen linke oder „grüne“ Parteien wählen:

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Viele Zeitgenossen verstehen offenbar die Wirkungs-Mechanismen unseres Geldsystem nicht oder nur ansatzweise, haben aber immer stärker das Gefühl, dass da „irgendetwas“ nicht stimmt in der Finanzwelt. Auch deshalb suchen offenbar immer mehr Menschen Zuflucht bei jenen Parteien, von denen sie sich „Rettung“ vor dem „bösen Kapitalismus“ erhoffen. Man kann ihnen das nicht einmal verübeln, denn wer die übergeordneten Zusammenhänge nicht verstanden hat, der wird die vermeintlich einfachste und naheliegende Lösung bevorzugen.

Was wohl erst los sein wird, wenn die sich abzeichnende globale Schulden- und Finanzkrise einige Gänge höherschaltet und jene Probleme offensichtlich werden, die das alles beherrschende Thema dieser Tage, die „Klimabedrohung“, weit in den Schatten stellen?

Was werden die Menschen dann tun, wie werden sie reagieren? Werden sie dann erst recht den Heilsversprechungen sozialistischer Parteien auf den Leim gehen? Einige wollen die Antwort auf diese Fragen offenbar lieber nicht abwarten und machen schon heute Nägel mit Köpfen. Sie wandern aus:

In den vergangenen Jahren, speziell seit der illegalen Grenzöffnung durch die Bundesregierung im September 2015, haben so viele Millionäre Deutschland verlassen, wie nie zuvor. Noch gravierender ist die Millionärsflucht in Frankreich.

Jürgen Fritz stellt dazu die folgende Frage:

„Die Exilanten zieht es vor allem nach Australien, USA, Kanada, Vereinigte Arabische Emirate, Neuseeland oder Monaco. In Länder also mit weniger Umverteilung, sprich weniger Zwangsenteignungen. Die Millionäre wandern nicht aus nach Frankreich oder Schweden, wo noch extremere Umverteilungen durchgeführt werden. Was aber passiert mit einer Gesellschaft, deren Hauptleistungsträger zunehmend abwandern, während sie gleichzeitig mit solchen geflutet wird, die sehr stark oder sogar vollständig auf Transferleistungen angewiesen sind und von diesen leben?

Der Bevölkerungsgruppe, die sich das alles nicht mehr mitansehen möchte, kann man wohl am ehesten zutrauen, dass sie verstanden hat, was in Politik und Wirtschaft derzeit im Wortsinne systematisch falsch läuft. Den anderen könnte man raten, sich endlich eingehender mit der Thematik zu befassen. An aktueller Literatur, die das Thema Geldsystemkrise aufgreift, herrscht derzeit ja kein Mangel.

Einen großen Wurf könnte erneut etwa Professor Max Otte gelandet haben. Nach seiner legendären Crashprognose aus dem Jahr 2006, zwei Jahre vor der Finanzkrise von 2008, hat Otte jüngst nachgelegt. In seinem aktuellen Werk prognostiziert der Ökonom für die kommenden Jahre nicht weniger als einen „Weltsystemcrash“:

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Nicht alle finden das gut, wie hier nachzulesen ist.

Auch Marc Friedrich und Matthias Weik stellen unserem Wirtschafts- und Finanzsystem katastrophale Noten aus. Nach Ansicht der beiden Querdenker steht der Welt der „Größte Crash aller Zeiten“ bevor. Betroffen davon sei jedoch nicht allein das Geldsystem. Die gesamte Gesellschaft werde unter den Entwicklungen massiv zu leiden haben. Was ja auch nachvollziehbar ist…

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Unter dem Titel "Deutschland vor Wirtschaftssturm" schreibt Daniel Stelter:

"Den Notenbanken ergeht es wie Johann Wolfgang von Goethes „Zauberlehrling“. In ihrem Bemühen, Turbulenzen an den Finanzmärkten und Rezessionen zu bekämpfen, haben sie alles getan, um das Kreditwachstum und damit die Nachfrage zu befeuern. Sie haben das Monster erst geschaffen, das sie nun seit Jahren mit immer noch mehr Geld vorgeben zu bekämpfen, in Wahrheit jedoch beständig mehr füttern. Sie bekommen das Schuldenmonster nicht mehr in den Griff".

Der Bankeninsider Dr. Markus Krall schließlich veröffentlicht derzeit ganz konkrete Zeiträume des Zusammenbruchs. Laut Krall werden ab dem kommenden Jahr Bankenpleiten im großen Stil auf die Realwirtschaft übergreifen und dort massenhaft Konkurse auslösen. Den Zusammenbruch des Euro erwartet Karall etwa im Jahr 2023.

Alle diese Prognosen haben einen gemeinsamen Nenner: Ihnen gemeinsam ist die Kritik an der Strategie der internationalen Notenbanken, ein Problem, das durch zu viel billiges Geld entstanden ist, durch noch mehr billiges Geld lösen zu wollen. Dass dieser Versuch scheitern muss und scheitern wird, das versteht jeder Grundschüler. Doch weit und breit ist nirgends ein Umdenken zu erkennen...

Ist also doch Auswandern die einzige Alternative, dem anrollenden Chaos zu entgehen? Und sollte man es jetzt den Millionären gleichtun, seine Koffer packen und Europa verlassen? Welche Folgen hätte das eigentlich?

Der Soziologe und Ökonom Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn bringt die Antwort im oben verlinkten Artikel mit einem Satz auf den Punkt:

“Wenn einer geht, sind die Steuern für zwei Hilflose weg“.

Mit anderen Worten: Je mehr Leistungsträger das Land verlassen, desto sicherer wird der Weg in den gesellschaftlichen Untergang.

Allein dieser Aspekt lässt das Thema Auswanderung in einem ganz anderen Licht erscheinen. Hinzu kommt ein sehr wesentlicher Punkt:

Die Hoffnung, in einem anderen Land dem anrollenden Finanztsunami entgehen zu können, könnte sich als trügerisch herausstellen. Womöglich trifft das genaue Gegenteil zu:

Ähnlich wie die Weltwirtschaftskrise nach dem Crash von 1929 dürften auch die kommenden Turbulenzen den gesamten Erdball erfassen. Ob man dann etwa in Lateinamerika in einem Land mit unterentwickelter Infrastruktur sein möchte, das ist eine Frage, die sich mancher vor seiner "Flucht ins Ausland" womöglich gar nicht erst gestellt hat.

Doch auch in beliebten Auswanderer-Destinationen, wie Australien, Neuseeland oder Kanada wäre man im Ernstfall ein „Flüchtling“ unter Fremden. Weit weg von Freunden, dem sozialen Netzwerk und der Familie könnte sich das (Über)-Leben dann unerwartet kompliziert gestalten.

Vielleicht ist es also klüger, hier zu Lande das Beste aus der Situation zu machen, soziale Kontakte zu pflegen, an den eigenen Fähigkeiten zu feilen, auf die Gesundheit zu achten und sich ganz allgemein ein wenig auf schwierige Zeiten vorzubereiten - sich dabei aber auch nicht verrückt zu machen.

Zu dem Thema ist mir kürzlich ein interessanter Videobeitrag untergekommen. Der österreichische Krisenexperte Reini Rossmann rät darin, sich von der allgegenwärtigen „Sorge“ frei zu machen und stattdessen schlicht „bereit“ zu sein.

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Bereit sein, anstatt sich zu sorgen? Das hat durchaus einen gewissen Charme, denn es ist ja grundsätzlich und in jeder Lebenslage nur von Vorteil, mögliche Probleme einfach auf der Rechnung zu haben, sich davon aber nicht das Leben vermiesen zu lassen.

Wer sich dann noch an das uralte Zitat von Henry Ford erinnert, wonach eine Revolution unausweichlich ist, wenn die Menschen erst einmal das Geldsystem verstanden haben, der hat perspektivisch vermutlich mehr erreicht als mit einer Flucht ins vermeintlich „sichere“ Ausland…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.