Schätzungsweise 80 Prozent der weltweiten fossilen Brennstoffe befinden sich im Besitz oder unter der Kontrolle souveräner Staaten. Der kürzliche Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, Weltklimarat) hat noch einmal deutlich gemacht, dass der Klimawandel durch menschliches Handeln verursacht wird. Das Netto-Null-Ziel kann nur erreicht werden, wenn Regierungen weltweit für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, sagt Andrew Parry, Head of Sustainable Investment bei Newton Investment Management – einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management:

Obwohl die Internationale Energieagentur in ihrem Bericht "2050 Path to Net Zero" feststellt, dass kein Bedarf an weiteren Investitionen in neue fossile Brennstoffe besteht, genehmigen Regierungen weltweit weiterhin Tausende Öl- und Gasbohrungen. Außerdem sollen zahlreiche neue Kohlebergwerke gebaut werden. Diese Investitionen werden zwar sicherlich kurzfristige wirtschaftliche Vorteile bringen. Sie stehen aber im Widerspruch zu den inzwischen unbestrittenen wissenschaftlichen Erkenntnissen des IPCC-Berichts. Darüber hinaus könnten die Anlagen aufgrund des hoffentlich eintretenden Umschwenkens in Richtung Klimaschutz weltweit zu "Stranded Assets" werden.

Allerdings können beim derzeitigen Stand der Dinge die für 2030 gesteckten Emissionsziele nicht erreicht werden. Wir befinden uns an einem potenziellen Wendepunkt für erneuerbare Energien – in Bezug auf Kosten, Kapazitätssteigerung, technologische Entwicklung und gesellschaftliche Anforderungen.

Es gibt keine Einzellösung, die die Klimakrise bewältigen und uns aus der durch Corona verursachten Rezession herausführen würde. ESG, grünes und nachhaltiges Investieren allein werden den Klimawandel nicht aufhalten, trotz des starken Signals, das sie aussenden. Engagement und eine konsequente und offensive Abstimmung von Regierungen weltweit sind entscheidend. Ohne eine solche konzertierte Aktion laufen wir Gefahr, die Klimaziele weiterhin zu verfehlen – die Auswirkungen werden unumkehrbar sein.

Nur wenige Bedrohungen sind für die Welt drängender als die, die durch den ungebremsten Klimawandel entstehen. Er stellt zwar ein großes systemisches Risiko für die Finanzmärkte dar. Die Folgen gehen aber weit über die wirtschaftlichen Auswirkungen hinaus und bedrohen möglicherweise unsere Lebensgrundlage auf diesem Planeten. Es ist ein Systemwandel erforderlich. Das ideale Ergebnis des bevorstehenden UN-Klimagipfels (COP 26) in Glasgow wären aus unserer Sicht verbindliche Anreize zur Entwicklung und Förderung von erneuerbaren Energien und sauberer Energie sowie entsprechende Sanktionen zu schaffen.“