Dass die Aktien von Unternehmen wie Zoom im November stark korrigierten, war kein Wunder. In vielen Fällen waren Quartalszahlen der Auslöser für einen regelrechten Crash. Zoom konnte zwar die Erwartungen für das abgelaufene Quartal erfüllen, doch der Ausblick enttäuschte. Bei vielen Unternehmen, die von der Pandemie profitiert haben, schwächt sich das Wachstum rasant ab. Diese schnelle Verlangsamung hatten Anleger so nicht erwartet. Sie hatten mit höheren Wachstumsraten gerechnet und dazu für einen viel längeren Zeitraum. Nun werden Fakten geschaffen und die Träume zerplatzen. Anleger bewerten viele Unternehmen neu. Zoom ist nur ein Beispiel. Es steht aber für eine Gruppe an Firmen, die von rascher Digitalisierung und dem Trend zum Homeoffice profitierten. Viele der Aktien haben bereits eine merkliche Korrektur hinter sich. Noch vor wenigen Monaten standen die Kurse zum Teil mehr als doppelt so hoch wie jetzt.

Eine Korrektur von 50 % oder sogar mehr verleitet zum Kauf. Als Anleger vergleicht man Kursverluste gerne mit dem, was man vom Markt her kennt. Dass der Markt um 50 % korrigiert, erlebt man selten. Wenn ein Kurs also um 50 % fällt, wirkt das wie eine sensationelle Kaufgelegenheit.

Der Schein trügt. Die Bewertung der Unternehmen ist heute deutlich tiefer als zum Hoch, welches im ersten Halbjahr erreicht wurde. Da viele Firmen noch keinen Gewinn schreiben, kann man sie anhand des Kurs-Umsatz-Verhältnisses bewerten. Bei Zoom hat sich diese Verhältnis halbiert (Grafik 1). Viele andere haben mitgezogen.


Bei heutiger Marktkapitalisierung und dem erwarteten Umsatz im kommenden Jahr sinkt die Bewertung weiter. Das Wachstum ist positiv. Damit ist die Bewertung jedoch immer noch hoch. Trotz der jüngsten Korrektur sind die Unternehmen nicht auf Schnäppchenniveau.

Kurzfristig könnte ein Rebound stattfinden. Der Winter steht vor der Tür, die Corona-Fallzahlen steigen, neue Einschränkungen werden vorgenommen usw. Das belebt die Fantasie erneut.

Neue Lockdowns können das Wachstum einiger Firmen kurzfristig wieder beleben. Es ist jedoch nur ein fundamentales Strohfeuer. Tendenziell ist die Blase schlichtweg geplatzt. Der ARK Innovation ETF, der viele der betroffenen Unternehmen enthält, ähnelt nach wie vor dem Verlauf des Nasdaq 100 zur Jahrtausendwende, als die Technologieblase platzte (Grafik 2).


Der ETF verkauft sich zwar generell als Produkt, das auf die Zukunft wettet, doch unterm Strich ist es einfach eine Ansammlung von Unternehmen, die vom Homeoffice profitieren, plus Tesla. Am Freitag konnte der ETF trotz Coronapanik nicht steigen. Anleger können also im besten Fall bei gewissen Aktien nur mit einem kurzen Rebound rechnen. Mittelfristig überwiegt nach wie vor die Überbewertung, die noch nicht vollständig abgebaut ist. Ein Rebound ist eine Gelegenheit zum Verkauf.

Clemens Schmale


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