In der letzten Juliwoche wurden für die meisten Länder die ersten Prognosen für das Wirtschaftswachstum des zweiten Quartals veröffentlicht. Aufgrund des Lockdowns kam es global zu einem massiven Einbruch der Wirtschaftsleistung, in vielen Ländern dem stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen. Vor diesem Hintergrund rufen die Entwicklungen an den Finanzmärkten bei vielen Beobachtern Unverständnis hervor. Immerhin liegen globale Aktien bereits wieder auf dem Niveau vom Jahresbeginn. Viele Erklärungen für diese Diskrepanz wurden an dieser Stelle in den letzten Monaten angeführt, allen voran die Maßnahmen der Notenbanken und der Regierungen sowie die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Wirtschaft, die aktuell durch so manchen Vorlaufindikator geschürt wird.

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Verengung des Marktes auf wenige Titel aus den Bereichen Technologie, Internet und Kommunikation. Ohne die Performancebeiträge der großen Vier (Amazon, Apple, Microsoft und Google) wäre der S&P 500 seit Jahresbeginn nicht leicht im Plus, sondern mit rund 4 % im Minus. Der Börsenwert dieser Unternehmen liegt bei knapp 6 Billionen US-Dollar und damit so hoch, wie jener der 350 „kleinsten“ Unternehmen in diesem Index oder aller Aktienwerte in der Eurozone. Die Bezeichnung „der Markt“ als Synonym für eine repräsentative Entwicklung ist daher kaum mehr zutreffend. Zusätzlich ist eine derartige Konzentration als Warnzeichen zu sehen, weil sie auf eine Überhitzung der Investorenstimmung und auf eine einseitige Positionierung der Anleger hindeutet. Dies ist einer der Gründe, warum wir taktisch vorsichtig bleiben.

Staatsanleihen: Europäische Peripherie, USA und Großbritannien bieten Chancen

Die beim EU-Sondergipfel Mitte Juli 2020 von den Staats- und Regierungschefs beschlossenen Hilfspakete dürften (vorbehaltlich einer Ratifizierung) die Euro-Staatsanleihen-Spreads weiter schmelzen lassen. Wenngleich dort keine Fiskalunion nach dem Vorbild der USA beschlossen wurde, so setzte man zumindest den ersten Schritt in diese Richtung. Dementsprechend bevorzugen wir innerhalb des europäischen Staatsanleihenmarkts nach wie vor Peripherieanleihen gegenüber europäischen Kernländern (v.a. Deutschland und Frankreich). Zusätzlich bleiben wir positiv hinsichtlich Staatsanleihen der USA und Großbritannien.

Unternehmensanleihen: Ausfallsängste sind deutlich gesunken

In der Historie der Euro- und USD-Unternehmensanleihen-Märkte zählt der Juli meist zu den performancestärksten Monaten überhaupt. Dies trifft auch auf den Juli 2020 zu. Neben dem saisonalen Effekt profitierten Unternehmensanleihen von einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung sowie geld- und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen. Die vor wenigen Monaten noch hohen Ausfallsängste sind deutlich gesunken.

Emerging-Markets-Anleihen weiterhin attraktiv

Wir beurteilen Emerging-Markets-Anleihen trotz der kräftig gesunkenen Risikoprämien weiterhin als attraktiv und sind vor allem hinsichtlich Schwellenländer-Hartwährungsanleihen positiv gestimmt. Als Orientierungspunkt für die Entwicklung der Emerging-Markets-Hartwährungs-Spreads zählen für uns, unter anderem, die realen Renditen auf 2-jährige US-Staatsanleihen, die in den vergangenen Monaten drastisch gesunken sind. Unserer Meinung nach führt für Anleihen- Hartwährungsinvestoren am Schwellenländer-Hartwährungsanleihemarkt derzeit kaum ein Weg vorbei.

Entwickelte Aktienmärkte überraschend fest – Risiken werden ausgeblendet

Die internationalen Aktienmärkte präsentieren sich angesichts der Nachrichtenlage weiterhin überraschend fest. Trotz Rückschlägen bei der Normalisierung des Wirtschaftslebens lassen umfangreiche Fiskalpakete und geldpolitische Maßnahmen die Investoren aktuell sämtliche Risikofaktoren ausblenden. Unterstützung kam zuletzt aber auch seitens der Unternehmensgewinne (besser als erwartete Berichtssaison). Wir sehen kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist und sind daher weiterhin vorsichtig positioniert.

Schwellenländer-Aktien entwickeln sich insgesamt recht gut

Asien, die wichtigste Region der Emerging Markets, ist global gesehen bisher am besten durch die Krise gekommen. Die Kombination aus hartem Lockdown und konsequentem Contact Tracing haben dazu geführt, dass man wohl dort am ehesten von einer V-förmigen Erholung sprechen kann. Schwellenländer-Aktien konnten sich in den vergangenen Wochen insgesamt recht gut entwickeln, obwohl einige der globalen Covid-19-Hotspots (z. B. Brasilien oder Mexiko) in der Region liegen. In Asien kommt es zu einem leichten Rückgang bei der Gewinnentwicklung. In Lateinamerika und Osteuropa sind dramatische Gewinneinbrüche zu verzeichnen.

Erholung der Rohstoffpreise setzt sich fort

In einem freundlichen Kapitalmarktumfeld setzte sich auch bei den Rohstoffpreisen die Erholung fort. Zuletzt konnte neben den zyklischen Industriemetallen insbesondere der Edelmetallbereich stark profitieren. Eine massive Ausweitung der Notenbankbilanzen, eine global steigende Staatsverschuldung und ein zuletzt deutlich schwächerer US-Dollar sorgen für Rekordzuflüsse bei börsengehandelten Produkten.