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Die Änderung des Einkommensteuer-Gesetzes vom 21. Dezember 2019 zur Beschränkung der Verrechnung von Verlusten aus Kapitalvermögen auf 10.000 Euro pro Jahr schlägt gerade hohe Wellen. Die Aufregung unter Anlegern und Tradern ist mindestens so groß wie die Verwirrung. Um nicht noch mehr Konfusion zu stiften, werden wir bis zur Klärung der Rechtslage an dieser Stelle zu dem Thema keine weiteren Beiträge mehr verfassen. Einige Anmerkungen zum Themenkreis Aktien und Derivate, besonders letztere werden von der neuen Regelung nach bisherigem Kenntnisstand betroffen sein, seien aber gestattet…

Nehmen wir einmal an, Sie bestücken Ihr (fiktives) Depot mit zehn verschiedenen Positionen. Jede Position wird mit einem Volumen von 1.000 Euro versehen, macht eine Anlagesumme von 10.000 Euro.

Nach einem Jahr ziehen Sie Bilanz. Dabei stellt sich heraus, dass zwei Totalausfälle zu beklagen sind. Das Geld ist verloren. Zwei Positionen haben sich im Verlauf des Jahres halbiert. Fünf Positionen beenden das Anlagejahr so, wie es begonnen wurde, also unverändert. Und mit einer Position hatten Sie einen richtig guten Riecher: Der Aktienkurs hat sich binnen eines Jahres verzehnfacht. Sie können einen der seltenen und so begehrten „Ten-Bagger“ verbuchen...

Bei einer insgesamt bescheidenen Trefferquote, die gleichwohl für viele Anleger durchaus realistisch sein dürfte, kommen Sie so bezogen auf das Gesamtdepot auf einen stattlichen Wertzuwachs von 70 (!) Prozent. Denn aus Ihren 10.000 Euro wurden 17.000 Euro.

Rechnet man stattdessen, bei sonst unveränderten Rahmenbedingungen, mit fünf Jahren Laufzeit, reicht das fiktive Beispiel immer noch für eine jährliche Rendite von rund 12 Prozent. Auch damit hätten Sie die langjährige durchschnittliche Aktienmarktrendite von 7,5 Prozent weit übertroffen.

Was so ein „Ten-Bagger“ doch für eine erstaunliche Wirkung hat. Das Beispiel zeigt nämlich, dass es im Grunde ausreicht, alle paar Jahre einmal einen richtig guten Performer im Depot zu haben. Damit lassen sich auch zahlreiche Fehlgriffe relativ mühelos ausgleichen.

Nun ist das mit solchen „Ten-Baggern“ natürlich so eine Sache. Bekanntlich wachsen die nicht auf Bäumen und in den allermeisten Fällen wird man eine gehörige Portion Sitzfleisch brauchen, um tatsächlich einmal so einen Turbo fürs Depot voll auskosten zu können.

Natürlich hat es einen Grund, warum mir das Thema derzeit durch den Kopf geht: Im Antizyklischen Börsenbrief können wir just in diesen Tagen wieder einmal einen solchen „Ten-Bagger“ verbuchen:

Ein Wasserstoff-Titel, den wir im Sommer 2017 in unserer Rubrik „Nachhaltiges Investieren“ erstmals zum Kauf empfohlen hatten, beschert uns jetzt diesen außerordentlichen Rückenwind.

Doch was sich so einfach anhört, war durchaus Nerven aufreibend und strapaziös: Zwischenzeitlich waren wir ausgestoppt worden – hatten den Titel aber unverdrossen wieder eingesammelt, als sich die Lage beruhigt hatte. Unterm Strich haben wir also fast drei Jahre einfach nur gewartet, bis unsere Kalkulation aufgegangen ist.

Damit sind wir bei der anderen Hälfte des Themenkreises, den wir eingangs erwähnt hatten: Bei Aktienanlegern trifft man geduldige Zeitgenossen, die auch einmal längere Zeit warten können, ja durchaus gelegentlich an.

Aktive Trader, die mit Derivaten, also Finanzwetten hantieren, sind dagegen nach meinen persönlichen Erfahrungen aus ganz anderem Holz geschnitzt. Meist kann es diesem Anlegertypus nicht schnell genug gehen mit der Performance – und wenn tatsächlich einmal ein Trade gelingt, dann wird die Position mit einem, Verzeihung, Mini-Gewinn von vielleicht zehn oder 20 Prozent glattgestellt. Kommen einmal 50 Prozent dabei rum, wird umgehend die große Glocke gebimmelt, damit das auch jeder mitbekommt.

Das für geduldige Investoren durchaus merkwürdige Verhalten mag zum Teil mit dem Derivatehandel selbst und den dort anzutreffenden Konditionen zusammenhängen:

Vielleicht haben die Banken den Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen ja nicht ohne Grund deutlich attraktiver gestaltet als jenen mit Aktien. Das fängt bei den Gebühren an und reicht bis zur Kursfeststellung. Mit einem Wort: Derivate zu handeln ist verglichen mit dem Aktienhandel nicht nur deutlich billiger, es ist auch kinderleicht.

Das führt natürlich auch dazu, dass Anleger schon „mal schnell“ die eine oder andere Position eingehen, ohne sich zuvor eingehend mit der Sache beschäftigt zu haben. Kostet ja (fast) nichts und ist ruck-zuck abgewickelt. Vielleicht deshalb der kollektive Aufschrei wegen der Beschränkung der steuerlichen Verlustverrechnung?

Wie mühsam ist dagegen die Suche nach einem potentiellen „Ten-Bagger“. Stunden, ja Tage und Wochen muss man mit Recherchen zubringen, um solche Perlen aufzuspüren. Und selbst bei noch so viel Aufwand gibt es natürlich keine Garantie, dass die Spekulation am Ende tatsächlich aufgeht.

Das Beruhigende ist aber: Alle paar Jahre ein Volltreffer genügt vollkommen, um weitaus besser abzuscheiden als der durchschnittliche Investor. Dessen traurige Bilanz zeigt die folgende Grafik:

1,9 Prozent Rendite hat der Durchschnittsanleger im Verlauf der zurückliegenden 20-Jahres-Periode erzielt. Inflationsbereinigt war das sogar ein Verlustgeschäft. Ein Armutszeugnis. Die Gründe sind übrigens bezeichnend: Ungeduld und zu hohe Transaktionskosten, mithin zu viele Depot-Umschichtungen…

Ein paar "langweilige" Dividendenaktien mit einer Ausschüttung von 3,0 bis 4,0 Prozent pro Jahr wäre zweifellos die bessere Alternative gewesen.

Ten-Bagger-statt-Derivate-Kommentar-Andreas-Hoose-GodmodeTrader.de-1

Unterm Strich würde ich persönlich daher den sorgfältig geplanten Kauf einer Unternehmensbeteiligung, einer Aktie also, mithin eines Sachwertes (!), einem Finanzderivat immer vorziehen. Das liegt nicht zuletzt auch am Emittentenrisiko, das in diesen turbulenten und undurchsichtigen Zeiten einen Unsicherheitsfaktor darstellt, dem man mit Investments in Aktien ganz leicht aus dem Weg gehen kann.

Und was unseren Wasserstoff-Titel mit den tausend Prozent Wertzuwachs angeht: Ob man hier jetzt immer noch einsteigen kann, und wie wir den gesamten Sektor einschätzen, das erläutern wir in der Januar-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die am Montag erscheint.

Darin werden wir uns auch wieder gewohnt ausführlich mit einem Sektor beschäftigen, dem wir zutrauen, in den kommenden drei bis vier Jahren eine ganze Reihe an „Ten-Baggern“ aus dem Ärmel zu schütteln:

Den Junior-Edelmetallproduzenten und Explorern. Kein anderer Anlagesektor weltweit liegt derzeit derart zertrümmert am Boden, wie die Juniorminen.

Ein weites Betätigungsfeld für Anleger mit Geduld und Sitzfleisch, die mit einem „Ten-Bagger“ ihr Depot beflügeln wollen, anstatt sich im Derivatehandel zu verzetteln…

Denn wie schon der legendäre Jesse Livermore wusste:

An der Börse werden die größten Gewinne mit dem Hintern gemacht...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.